Ein Besuch in der Breitling Manufaktur in La-Chaux-de-Fonds. Hier durfte Swisswatches Magazine hinter die Kulissen der Produktion blicken.

Mit dem Jahreskalender hat Patek Philippe eine genial einfache Lösung für ein uraltes Problem gefunden – Swisswatches hat sich zum 30-jährigen Jubiläum die wichtigsten Modelle im Detail angesehen.
Der Patek Philippe Jahreskalender-Mechanismus ist seit 30 Jahren die eleganteste Lösung für ein Problem, das die Menschheit seit Beginn der Zeitrechnung beschäftigt. Wenn Sie ein ernst zu nehmender Uhrensammler sind, kennen Sie diese Frage von Laien sicher: Wenn Sie nur eine Uhr für den Rest Ihres Lebens behalten dürften, welche wäre es dann? Natürlich ist diese Frage theoretischer Natur, auch wenn es immer wieder historische Ereignisse gegeben hat, in denen Menschen froh waren, mit einer Uhr am Arm durchzukommen. Doch der Jahreskalender von Patek wäre ein guter Kandidat für die Antwort: Ausgerechnet zum Beginn des digitalen Zeitalters wurde vielleicht eine der praktischsten Funktionen für mechanische Armbanduhren entwickelt.
Fun Fact: Patek Philippe hat nie behauptet, den Jahreskalender „erfunden“ zu haben. Doch natürlich hatte es nichts Vergleichbares gegeben, als sich die Genfer Entwicklungsabteilung in den frühen 1990er-Jahren an die Arbeit machte. Der Kontext: Kurz zuvor hatte man die legendäre Taschenuhr Calibre 89 zur 150-Jahr-Feier der Marke kreiert. Diese Uhr prägte in der gesamten Branche ein Wiederaufleben des Interesses an Komplikationen und ermutigte anschließend viele Hersteller, sich erneut in diesem Segment zu versuchen.
In den Dekaden davor, ausgelöst durch die Uhrenkrise in der Schweiz und den Boom von Quarzuhren, waren komplizierte mechanische Armbanduhren praktisch verschwunden, und es gab nur noch wenige Kunden mit Interesse an diesen Modellen.
Als eines von ganz wenigen Unternehmen hielt die Familie Stern an komplexer Mechanik fest: Patek Philippe hatte nie aufgehört, Komplikationen zu fertigen. Es war der entscheidende Schritt, der bis heute die Führungsposition der Manufaktur in diesem Bereich festigte und ihr heute, 30 Jahre später, einen enormen technischen Vorsprung verschafft.
Die direkte Folge dieses Ansatzes war die Produktion komplexer mechanischer Uhren in den auf das Jubiläum folgenden zehn Jahren, während viele Schweizer Wettbewerber sich noch auf massenhaft hergestellten Uhrenwerken ausruhten. Mit dem Comeback der Mechanik kamen schnell Fragen nach einer zunehmenden Marktsättigung im Top-Segment auf. Niemand ahnte damals deren kometenhaften Aufstieg und es erschien es sinnvoll, den Kreis potenzieller Kunden zu erweitern, indem man Komplikationen anbot, die nicht nur erschwinglicher, sondern auch leichter zu bedienen waren.
Mit der Lancierung eines Jahreskalenders sorgte man von Beginn an für Furore unter Sammlern: Der im Frühjahr 1996 noch in Basel präsentierte Neuling wurde im folgenden Herbst vom Schweizer Magazin „Montres Passion“ direkt zur Uhr des Jahres gekrönt, und Auszeichnungen dieser Art waren in einer Welt, die sich im Übergang ins Digitalzeitalter befand, noch ein wirkliches Ereignis. Als altgedientes Mitglied der Jury erinnerte sich der britische Uhrenexperte Nicholas Foulkes in einem Text aus dem Patek Philippe Magazin anlässlich des 20. Jahrestages der Lancierung des ersten Jahreskalenders so an die Jurysitzung: „Die Entscheidung in jenem Jahr war von sämtlichen Mitgliedern einstimmig und begeistert gefällt worden, obwohl es andere vorzügliche Kandidaten gab.“
Die Begeisterung ist leicht zu erklären. Neben den ästhetischen und technischen Qualitäten offerierte das Modell eine wirklich nützliche, einfache und doch vollkommen neue Komplikation, angesiedelt zwischen dem einfachen Kalender, der fünfmal im Jahr bei Monaten mit weniger als 31 Tagen nachgestellt werden muss, und dem ewigen Kalender, der selbst in Schaltjahren keiner Korrektur bedarf, aber deutlich teurer ist. Wenn Sie mehr wissen wollen, wie sich die einzelnen Kalender-Mechanismen funktionieren, lesen Sie hier unseren Guide zu Ewiger Kalender, Jahreskalender und Vollkalender im Vergleich.
Dieser neue Mechanismus musste nur einmal pro Jahr, Ende Februar, korrigiert werden. Es schien so naheliegend, doch erstens war bisher niemand auf diese Idee gekommen. Und zum anderen brauchte es eine Ausnahme-Manufaktur, die auch eine entsprechende technische Lösung finden und sie zum richtigen Zeitpunkt lancieren musste: Ein paar Jahre früher wäre eine solche Uhr kaum absetzbar gewesen. Das 1996 erteilte Patent für diesen Mechanismus beweist: Timing ist im Produktverkauf so wichtig wie das Produkt selbst. Die Uhr kam zum richtigen Zeitpunkt in der Geschichte der Uhrmacherei.
Natürlich kommen die verschiedenen Methoden der Zeitmessung und Kalendarien heute modernen Kulturen, die sie nicht mehr benutzen, sehr fremd vor.
Obwohl die Römer 46 v. Chr. den Julianischen Kalender einführten, der das Kalendersystem vereinfachte, entwickelten sie offenbar keinen besonderen Mechanismus, um diesen anzeigen zu können. Den Griechen hingegen waren bereits deutlich früher erstaunliche technische Durchbrüche gelungen. Der berühmte Mechanismus von Antikythera aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. wurde um 1900 im Wrack eines alten Handelsschiffes entdeckt und ist die früheste bekannte Zahnrad-Apparatur. Es scheint eine echte Rechenmaschine gewesen zu sein, die die Positionen einiger Sterne und Planeten bestimmen und ihre Eklipsen vorhersagen konnte. Der Apparat besaß unter anderem über 30 Zahnräder und mehrere Zifferblätter, auf denen Hinweise zum Gebrauch eingraviert waren.
Schon die Gallier waren weiter als die Römer – nicht nur bei Asterix’ Zaubertrank. Sie beobachteten die Bewegungen der Himmelskörper und entwickelten hochkomplexe Kalendersysteme. Ein Beispiel ist der Coligny-Kalender aus dem 1. bis 2. Jahrhundert v. Chr., der im gallorömischen Museum in Lyon zu sehen ist. Der Fund war eine Sensation: Die 1897 auf einem Feld entdeckten Fragmente erwiesen sich als Stücke einer 148 x 90 cm großen Bronzetafel. Der in keltischer Sprache, aber mit lateinischen Schriftzeichen geschriebene Kalender stellt einen Zyklus von fünf Jahren dar, die jeweils aus zwölf Monaten mit meist 29 oder 30 Tagen bestehen. Um die Solar- und Lunarzyklen in Einklang zu bringen, hatten die druidischen Astronomen ein hochkomplexes System mit zusätzlichen Tagen und Schaltmonaten entwickelt.
Der Gebrauch des Coligny-Kalenders erforderte im Gegensatz zu dem Mechanismus, um den es hier geht, täglichen Einsatz: Mit einem Stift, den man in ein Loch vor jeder Zeile stecken konnte, wurde das Vergehen der Tage angezeigt. Es muss sehr mühselig gewesen sein, denn offenbar funktionierte er auf der Basis von 30 Jahren, was darauf schließen lässt, dass man sechs ähnlich große Tafeln – für jeweils fünf Jahre – brauchte.
Gozitano, Fragment van de kalender, lizenziert unter CC BY 4.0
Dieses Maß an technischer Komplexität blieb über 15 Jahrhunderte unerreicht und sollte erst bei den astronomischen Uhren des Mittelalters und in der Renaissance wieder auftauchen. Die miniaturisierten Mechanismen des 17. Jahrhunderts waren in der Lage, auf dem Zifferblatt einer Taschenuhr Zeit, Datum, Wochentag, Monat und Mondphase anzuzeigen.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde der ewige Kalender entwickelt, der Schaltjahre berücksichtigt – ein Gebiet, auf dem Patek Philippe wegen seiner gefeierten Armbanduhren mit ewigem Kalender unangefochten an erster Stelle steht.
Der Jahreskalender von Patek Philippe gilt bereits heute als absoluter Klassiker in der Kollektion von Patek Philippe, daher lohnt es sich, seine Geschichte bis ins letzte Detail nachzuvollziehen.
Es begann 1991 mit einer von Patek Philippe an der Ingenieurschule Genf angeregten Diplomarbeit. Solche Kooperationen mit Schulen und Universitäten haben bei Patek Philippe Tradition und finden bis heute statt, insbesondere bei der Erforschung von Mikrotechnologien in Neuchâtel. In diesem Fall wurde der Absolvent von Patek Philippe eingestellt und arbeitet bis heute für die Manufaktur. Es handelt sich um Cédric Fague; und er ist auch heute, 30 Jahre später, noch in der Produktentwicklung tätig.
Seine Aufgabe war von Anfang an klar und vom damaligen Firmenchef, Philippe Stern, dem Vater vom heutigen Präsidenten Thierry Stern, vorgegeben: Es ging nicht darum, den ewigen Kalender zu vereinfachen – etwa durch Modifikation der Scheibe, die die 48 Monate des Vierjahreszyklus zwischen zwei Schaltjahren steuert. Vielmehr wollte man, ausgehend vom einfachen Kalender, eine originelle, verlässliche, robuste und zugleich in finanzieller wie mechanischer Hinsicht sparsame Lösung suchen.
Ganz konkret ging es darum, einen Mechanismus zu entwickeln, der nicht auf den Scheiben, Wippen und großen Rückstellfedern basierte, die klassische ewige Kalender antreiben, sondern auf Drehteilen.
Um den Grund für diese radikale Option zu verstehen, müssen wir erneut den Blick in die Vergangenheit richten: Denn vor 30 Jahren war es weit schwieriger, fertige Formteile zu produzieren als heute in Zeiten, in denen mehrachsige CNC-Fräsmaschinen Industriestandard sind. Um perfekt glatte und große Wippen zu erhalten, musste man damals bei der Endmontage diffizile wie kostspielige Anpassungen und Feinjustierungen vornehmen.
Und genau dieses Problem sollten die Entwickler durch die Konstruktion dieses Mechanismus mit Drehteilen umgehen. Die Wahl von Drehteilen würde die Herstellung zusätzlich zu akzeptablen Kosten vereinfachen und zugleich den Bedienkomfort sowie die Belastbarkeit und Alltagstauglichkeit erheblich steigern.
Die Herausforderung blieb, fünfmal im Jahr den Wechsel von Monaten mit 30 Tagen zum ersten des Folgemonats mechanisch zu kodieren. Die Lösung war ein Rad mit 31 Zähnen, das eine 12-Monats-Scheibe trug. Ein kleiner Taster, dessen Form ihm den Spitznamen „Delfin“ eintrug, umspielt diese Scheibe, um am 30. oder 31. den Wechsel zum Folgemonat zu bewerkstelligen.
Während die Prototypen sich von Phase zu Phase verbesserten, arbeiteten Techniker und Uhrmacher gemeinsam daran, zu vereinfachen und zu reduzieren. Ein Resultat war der Verzicht auf eine für den „Delfin“ bestimmte Rückstellfeder. Theoretisch war sie notwendig; in der Praxis erwies sie sich jedoch als verzichtbar, denn ihre Entfernung hatte auf die Funktion keinen Einfluss.
Am Ende der Planungsphase umfasste der erste Jahreskalender-Mechanismus trotz der Bemühungen der Ingenieure um Vereinfachung mehr Einzelteile als der ewige Kalender – so ist es noch heute. Daher besteht der Jahreskalender mit Mondphasen aus fast 330 Teilen, während es beim herkömmlichen ewigen Kalender mit Mondphasenanzeige nur 275 sind.
Die Erklärung liegt in der Entscheidung, statt übereinander angeordneter Komponenten ein System von Rädern zu verwenden, die alle mit Stiften und Schrauben verbunden sein müssen.
Die Vorteile des Konzepts überwogen auch das einzige Manko: Das ideale Uhrwerk hätte flach sein müssen. Doch 1996 sahen die Ingenieure einen 2 mm dicken Mechanismus vor, wodurch die Gesamthöhe des ersten Kalibers auf 5,2 mm anstieg, sodass auch das passende Gehäuse höher ausfallen musste.
Doch der Markt entschied sich sofort für diese Uhr und nahm die kräftigeren Proportionen des Erstlings gelassen hin.
Vielleicht liegt es auch daran, dass die firmeninterne Vorgabe, dass das Zifferblatt gut ablesbar sein müsse, perfekt erfüllt wurde. Die Datumsanzeige eines Mechanismus, der den Namen Jahreskalender trägt, muss einfach sein. Und während ewige Kalender in der Regel ein Zeigerdatum besitzen, gab man hier der Fensteranzeige und einem optisch markanteren Datum den Vorzug, um ein möglichst bequemes Ablesen zu garantieren. Im Laufe der Zeit vergrößerte man die korrespondierenden Scheiben und veränderte ihre Position so, dass auch die Tages- und Monatsanzeigen noch besser ablesbar waren. Eine raffinierte Optimierung der Fensteranzeigen glich außerdem die gegebenen Höhenunterschiede der Scheiben aus.
Wie beliebt diese Komplikation heute ist, verdeutlicht eine einfache Zahl: Im Jahr 2026 befinden sich rund 160 Referenzen in der aktuellen Kollektion von Patek Philippe, darunter allein 17 mit Jahreskalendern, von der Herren- bis zur Damenuhr, viele davon in Verbindungen mit weiteren komplizierten Mechanismen. Und es sind beileibe keine Uhren mehr für Menschen, die sich einen ewigen Kalender nicht leisten können. Doch dazu später mehr.
Der Jahreskalender wurde in einem runden Modell mit drei Hilfszifferblättern lanciert. Die Ref. 5035 war sofort ein Erfolg und erhielt, wie erwähnt, die Auszeichnung „Uhr des Jahres 1996“. Die mit dem Kaliber 315 S QA 24H (3 Hz) ausgestattete Ref. 5035 hatte einen Gehäusedurchmesser von 37 mm. Gefertigt wurde sie in Gelb-, Weiß- oder Roségold sowie in Platin mit den heute ikonischen römischen Ziffern.
Dann optimierte man den Mechanismus mit einer Gangreserveanzeige und der höchst präzisen Mondphasenanzeige, die bei der Ref. 5036/1 die 24-Stunden-Skala ersetzt; Durchmesser: 37 mm. Zugleich war dies 1998 das erste Modell mit goldenem Armband.
Die Gangreserveanzeige liegt bei 12 Uhr und die Mondphasenanzeige über dem Datumsfenster bei 6 Uhr. Wie beim Original-Jahreskalender werden Monat und Wochentag auf zwei Hilfszifferblättern angezeigt. Auf dem Zifferblatt werden die Stunden von römischen Ziffern mit Goldapplikationen markiert, die ebenso wie die Feuille-Zeiger bei Dunkelheit leuchten. Recht ungewöhnlich ist die Verwendung der Ziffer IV anstelle der von Uhrmachern traditionell verwendeten IIII für die 4-Uhr-Anzeige.
Alle drei Komplikationen werden bei der Uhr durch Drehmechanismen betrieben; das Automatik-Kaliber 315, noch mit Genfer Siegel, enthält 61 verschiedene Teile, die zusammen die separaten Räderwerke für das Uhrwerk, den Jahreskalender, die Mond- und die Gangreserveanzeige bilden. Das Werk ist durch einen Saphirglasboden zu bewundern. Der Jahreskalender kann zum ersten März jedes Jahres mit einem Drücker eingestellt werden. Dieses in Gelb-, Weiß- und Roségold erhältliche Modell war das erste mit einem exklusiv für den Jahreskalender kreierten, passenden Metallarmband.
Im Jahr 1999, ein Jahr später, erschien diese Uhr als Ref. 5056 als zweites Platinmodell mit Jahreskalender an einem Lederarmband. Der damals neue Präsident von Patek Philippe, Thierry Stern, war verantwortlich für die Entwicklung der Ref. 5056 im 37-mm-Platingehäuse. Das schiefergraue Zifferblatt ist noch heute hochaktuell.
Die 36 mm große Ref. 5150 erschien zum 150-jährigen Jubiläum der Partnerschaft mit Tiffany & Co., daher das „T“ bei 12 Uhr. Der erste Jahreskalender mit Fensteranzeigen für Tag und Monat – ungewöhnlich ist die Zahl für den Monat – wurde in jeweils limitierter Auflage von 150 Exemplaren in Gelb-, Weiß- und Roségold gefertigt.
Patek Philippe verbindet eine langjährige Beziehung mit Wempe. Seit 1929 führt der Hamburger Juwelier die Genfer Marke, die Familien Stern und Wempe pflegen ein freundschaftliches Verhältnis. Zur 125-Jahr-Feier des Hauses Wempe wurde 2003 die 36,5 mm große Ref. 5125 lanciert, die an die Vintage-Referenzen 3448 und 3450 erinnert. Nur 475 Stück wurden gefertigt: je 125 in Gelb-, Weiß- und Roségold und 100 in Platin. Man darf gespannt sein, was Wempe in zwei Jahren zum 150. Firmenjubiläum mit Patek zusammen auf die Beine stellen wird.
Eigentlich gibt es seit seiner Lancierung kaum ein Jahr, in dem der Jahreskalender nicht mit einer spannenden Weiterentwicklung aufwartete: 2004 stand die Funktion mit der Lancierung der Gondolo Calendario Ref. 5135 erneut im Rampenlicht. Sie überzeugt durch das bekannte Tonneau-Gehäuse, sowie das ganz neue automatische Uhrwerk und erstmals bogenförmig angeordnete Wochentags-, Datums- und Monatsfenster. Die 38 × 51 mm große Gondolo Calendario Ref. 5135 war nicht nur der erste Jahreskalender mit dem Uhrwerk Kaliber 324 QA (4 Hz) und der erste im geschichtsträchtigen Tonneau-Gehäuse, sondern vor allem das erste Modell der regulären Kollektion mit den auffälligen drei Fensteranzeigen. Heute ist die Herren-Gondolo auch deswegen selten, da die letzten klassischen Herrenreferenzen 2019 eingestellt wurden und das Modell als Damenuhr bei Patek in der Kollektion ist.
Als Reaktion auf den wachsenden Erfolg des Jahreskalenders präsentierte Patek Philippe 2005 das erste Damenmodell. Auf die Ref. 4936 mit Perlmuttzifferblatt und Diamanten folgte im Folgejahr ein Haute-Joaillerie-Modell, die mit 472 Diamanten besetzte Referenz 4937 in Weißgold. Die 37 mm große Ref. 4936 ist damals auch eine der ersten komplizierten Damenuhren von Patek Philippe überhaupt. Sie besaß ein schwarzes Tahiti-Perlmutt-Zifferblatt, das Gelbgoldmodell und später die Roségoldversion weiße Perlmutt-Zifferblätter.
Im gleichen Jahr begeisterte Patek Philippe auch männliche Liebhaber, als ein neues Basismodell mit etwas größerem Durchmesser (39 statt 37 mm) und fein gearbeiteten Zifferblättern auf den Markt kam. Zu diesem Modell Ref. 5146 in Gelb-, Rosé- oder Weißgold oder Platin mit Alligatorlederband kam die Ref. 5146/1, die an Armbändern in Gelb- oder Weißgold getragen wurde. Im Jahr darauf lancierte das Unternehmen eine elegante, juwelenbesetzte Weißgoldversion, Ref. 5147, mit mitternachtsblau lackiertem, von 62 Diamanten eingerahmten Zifferblatt.
Der Mechanismus nimmt auch den Ehrenplatz in bahnbrechenden Modellen wie den ersten drei limitierten Editionen des Patek-Philippe-„Advanced Research“-Konzepts ein: in der Ref. 5250 von 2005, die mit dem ersten Silizium-Ankerrad der Manufakturgeschichte ausgestattet ist und von der es nur 100 Exemplare in Weißgold gab. Dann wird in der Ref. 5350 von 2006 aus Rotgold das Uhrwerk mit dem Patek-Philippe-Silizium-Ankerrad und der Spiromax-Unruh aus Silinvar ausgestattet, es entstanden sogar 300 Exemplare.
Zwei Jahre später, 2008, präsentiert man die Referenz 5450 Jahreskalender, limitiert auf 300 Exemplare und erstmals entsteht eine Advanced Research Uhr in Platin. Dieses Modell verfügte nicht nur über die Gyromax-Unruh mit Spiromax-Spirale, sondern auch die neue Pulsomax-Hemmung und ein überarbeitetes Hemmungsrad und wurde durch einen Anker aus Silizium ergänzt. All dies ist durch den Saphirglasboden sichtbar, der charmanter weise über eine zusätzlich integrierte Zyklopen-Lupe über der Hemmungsgruppe aus Saphirglas verfügt – ähnlich der, die man von bekannten Rolex-Oyster-Date-Modellen beim Datumsfenster kennt, nur eben deutlich größer.
Die Referenz 5450P fällt durch ihre charakteristisches, lachsfarbenes, „Salmon”-Zifferblatt“ auf. Und da sie das erste Advanced-Research-Modell in einem Platingehäuse war, trägt sie natürlioch zusätzlich durch den kleinen Diamanten zwischen den Bandanstößen bei sechs Uhr hervor, der alle Platin-Uhren von Patek Philippe auszeichnet. Fun Fact: Als letztes Jahreskalender-Modell der Kollektion war sie zugleich das letzte Modell der Advanced-Research-Serie, das mit dem Genfer Siegel ausgezeichnet wurde, da Patek Philippe im Jahr 2009 sämtliche Uhren auf das neue hauseigene Patek-Philippe-Qualitätssiegel umstellte.
Doch zurück in der Timeline: Es geht Schlag auf Schlag. 2006 erhält der Mechanismus in eine der bekanntesten Patek-Modelle, die Calatrava. Die 38,5 mm große Ref. 5396 wurde in Roségold und dann in Weißgold lanciert. Die früheren Modelle besaßen Sektor-Zifferblätter im Vintage-Look, spätere das klassische Calatrava-Gesicht mit aufgesetzten Stabindexen.
2006 wurde der Jahreskalender in das technisch herausragende Kaliber des Jahreskalender-Chronographen Ref. 5960P eingebaut – dem ersten komplett firmenintern entwickelten und gefertigten automatischen Chronographen. Als der Jahreskalender-Chronograph Ref. 5960 im Jahr 2006 lanciert wurde, begeisterte er sofort Sammler mit der seltenen Kombination von Komplexität und Alltagstauglichkeit. Mit „Aficionados haben lange auf einen neuen Patek Philippe Chronographen gewartet“ kündigte der Firmenpräsident den ersten Auftritt der Ref. 5960 an.
Um die immense Bedeutung der Ref. 5960 zu verstehen, muss man bis 1998 zurückblicken, das Jahr, in dem der Chronograph Ref. 5070 mit zwei Hilfszifferblättern sein Debüt feierte. Dieses Modell verkündete die Rückkehr von Patek Philippe zur Fertigung von Chronographen.
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Dank ihres historisch inspirierten Designs und der großzügigen Abmessungen wurde die 42 mm große Ref. 5070 zu Recht bei Sammlern populär. In einer Ausgabe des Patek Philippe Magazins liest man: „Für Patek Philippe war das Modell jedoch insofern ein Kompromiss, als es mit dem Kaliber CH 27-70 ausgestattet war, einer umfassend überarbeiteten und finissierten Version der Ébauche von Nouvelle Lémania. Dieses Basiskaliber mit Handaufzug aus den frühen 1940er-Jahren war, obwohl allseits beliebt, in die Jahre gekommen. Zudem hatte Philippe Stern als Präsident beschlossen, die Manufaktur autark zu machen und alle Kaliber in den eigenen Ateliers zu fertigen, statt sich auf externe Zulieferer zu verlassen.“
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Recht hatte er. Einen Vorgeschmack bekam man 2005, als das flachste Schleppzeiger-Chronographenwerk der Welt, CHR 27-525 PS, lanciert wurde. Doch erst mit dem CH 28-520 IRM QA 24H, das ein Jahr später in der Ref. 5960 mit Jahreskalender tickte, machte die starke Vision von Herrn Stern deutlich.
Das Werk verfügte über eine Flyback-Funktion, die auf dem klassischen Schaltrad zur Steuerung der Start-/Stopp-Befehle basierte, aber eine Optimierung besaß: Die Kraftübertragung vom Sekundenrad auf das Chronographenrad erfolgte nicht durch eine Wippe mit Kupplungszahnrad, sondern mit einer Scheibenkupplung, bei der zwei Kupplungsscheiben den Kraftschluss bewirken oder unterbrechen.
Außerdem kam das Werk durch den Einsatz des Sekundenrads ohne das traditionelle Chronographen-Räderwerk aus, das zum Schutz vor Verschleiß nicht permanent aktiviert sein sollte. Das neue Kaliber erlaubte das ständige Laufen des Chronographenzeigers, sodass dieser als laufende Sekunde benutzt werden konnte, wobei die Flyback-Funktion einen sofortigen Wechsel von der laufenden Sekunde zur Chronographenfunktion ermöglicht.
Diese technischen Fortschritte wurden durch eine gleichermaßen innovative Chronographen-Anzeige sichtbar gemacht: Ein einziger „Bullaugen“-Zähler bei 6 Uhr fasste die meist von separaten Anzeigen erfüllten Funktionen in einem Monototalisator zusammen: Ein langer roter Zeiger zählte auf zwei äußeren konzentrischen Skalen die Minuten: von Null bis 30 in Rot und von 30 bis 60 in Blau. Ein kürzerer blauer Zeiger erlaubte auf einer inneren Skala die Aufzeichnung von Ereignissen über 60 Minuten bis zu 12 Stunden.
Dieses Hilfszifferblatt besaß auch ein kleines Fenster, das im Wechsel von Weiß zu Dunkelblau den Tag und die Nacht anzeigte – und die Verbindung zur oberen Zifferblatt-Hälfte, wo die bekannten drei Fenster zwischen 10 und 2 Uhr Wochentag, Datum und Monat anzeigten. Die Tag-/Nacht-Anzeige ist einstellbar über drei Drücker an der linken Gehäuseflanke und half, den Kalender nach einer Zeit der Inaktivität zu aktualisieren. Allein die Stunden-Chronographenfunktion macht die Ref. 5960 zu einem Meilenstein auf dem Weg zur modernen Manufaktur Patek Philippe; die Kombination mit dem berühmten Jahreskalender-Mechanismus macht das Modell historisch.
Ein weiterer Aspekt ihrer Bedeutung wird sichtbar, wenn man die Ref. 5960 neben Chronographen mit ewigem Kalender und Handaufzug betrachtet, etwa bei so legendären Referenzen wie der 1518 und 2499. Mit der Ref. 5960 offerierte die Manufaktur erstmals eine moderne, komfortable und alltagstauglichere Verbindung von kalendarischen und chronographischen Funktionen. Angesichts ihres emblematischen Beitrags zum Patek-Philippe-Kanon passte es gut, dass die Ref. 5960 zur Einführung nur im edelsten aller Metalle erhältlich war: in Platin. 2011 folgte der Platin-Chronograph-Jahreskalender Ref. 5961P mit einem Durchmesser von 40,5 Millimetern, einer Lünette aus 36 Baguette-Diamanten und Baguette-Diamanten als Stundenindexen.
Die 5960P von 2006 wird im Jahr 2015 durch die Ref. 5905 mit gewachsenem, 42 Millimeter großem Platingehäuse, einem Zifferblatt mit konzentrischen Kreisen und eckigen Chronographen-Drückern abgelöst. Die erste Stahlreferenz dieses Modells ist die bis heute erhältliche Referenz 5905/1A aus dem Jahr 2021 mit einem dunkelgrünen Zifferblatt. Sie ist vielleicht derzeit die gefälligste Form einer sportlichen Patek Philippe und erschien sicher nicht zufällig im selben Jahr, in dem die Nautilus eingestellt wurde.
Hoch komplizierte Uhrwerke erhalten hier ein zweites Mal Einzug in die Kollektion: Die 38 × 51 mm große Ref. 5033 im Tonneau-Gehäuse mit Minutenrepetition war der erste Jahreskalender mit Grande Complication. Diese Referenz gab es in Serie seit 2006 bisher in vier Varianten, in Platin mit weißem Blatt (Ref. 5033P – 010 von 2006 – 2010 und Platin mit schwarzem Blatt (Ref 5033P-12), die nur ein Jahr von 2010-2011 erhältlich war. Die Ref. 5033/100P – 010 bekam nämlich im Jahr 2011 eine mit Baguette-Diamanten gefasste Lünette mit weißem Zifferblatt und die Ref. 5033/100P -001 von 2011-2015 ebenfalls mit Baguette-Diamanten Lünette.
Die Geschichte der Uhr geht laut dem Auktionshaus Phillips aber sogar noch ein Stück weiter zurück: Logan Baker schreibt zur Versteigerung eines der seltenen Stücke: “Die Gondolo Minute Repeater Annual Calendar Ref. 5033 wurde bereits im Jahr 2002 in einer Auflage von lediglich zehn Uhren vorgestellt. Neun Exemplare wurden in Platin gefertigt, ein einzelnes Stück entstand in Titan. Patek Philippe entschied sich anschließend jedoch rasch, über diese ersten zehn Stück hinauszugehen, und begann, jedes Jahr eine kleine Anzahl weiterer Exemplare zu produzieren, die ausschließlich ihren besten Kunden angeboten wurden. Eine exakte Gesamtproduktionszahl ist nicht bekannt, doch geht man davon aus, dass über einen Zeitraum von zehn Jahren rund 80 verschiedene Exemplare der Ref. 5033 entstanden.” Ein insgesamt sehr lesenswerter Artikel übrigens.
Credit © Phillips
Die 40 mm große Ref. 5205G in Weißgold, ab 2013 auch in Roségold, besticht mit einem neuen Gehäuse mit skelettierten Bandanstößen, großen gold applizierten Stabzeigern und einem Zweiton-Zifferblatt.
Dieses Modell sticht in der gesamten Geschichte von Patek heraus: Mit dem Jahreskalender Referenz 5235 Regulator präsentierte Patek Philippe nämlich ein komplett neues Uhrenmodell, das es in der Kollektion der Manufaktur noch nie zuvor gegeben hatte. Zum ersten Mal zeigte eine Patek-Philippe-Armbanduhr ein unverkennbares Regulatorgesicht, das durch den großen Minutenzeiger aus der Mitte, ein kleines Stundenzifferblatt bei 12 Uhr und eine kleine Sekunde bei 6 Uhr charakterisiert ist.
Angetrieben wurde das Modell durch das neue Kaliber 31-260 REG, das als erstes extraflaches Patek-Philippe-Automatikwerk mit Mikrorotor die kleine Sekunde bei 6 Uhr zeigt. Es war zudem das erste völlig neue Basiswerk, das für die Ausstattung mit Silinvar-Komponenten konzipiert wurde: Ankerrad und Anker mit Pulsomax-Hemmung sowie die Spiromax-Spirale sind aus dem innovativen Silizium-Derivat gefertigt. Abgerundet wird die neue Armbanduhr durch den Jahreskalender mit Fensteranzeigen. Die Silinvar-Bauteile sind völlig magnetisch, äußerst stoßresistent, korrosionsfrei und brauchen nicht geölt zu werden.
Sie ist ein deutliches Bekenntnis zur Philosophie, nach der eine Patek Philippe vor allem ein genaues und zuverlässiges Zeitmessinstrument sein sollte.
Das Zifferblatt ist natürlich eine Hommage an die Präzisionsstanduhren, die während mehr als 200 Jahren in Sternwarten die genaue Zeit vorgaben, bis sie durch quarz- und funkgesteuerte Zeitnormale abgelöst wurden. Damit die Uhrmacher beim Einregulieren ihrer Uhren jederzeit einen möglichst ungehinderten Blick auf den Sekundenzeiger werfen konnten, wurde die Stundenanzeige an eine Stelle platziert, an der ihr Zeiger das Sekundenzifferblatt nicht täglich mehrere Stunden lang partiell abdecken konnte. Mit solchen Uhren stellte auch der Präsident von Patek seine Armbanduhren: Eine dieser Standuhren wurde als Regulator von Patek Philippe & Co zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut und soll im Büro des Ehrenpräsidenten Philippe Stern stehen.
Das völlig neue Regulierorgan war den Patek-Philippe-Ingenieuren aber noch nicht genug. Deshalb wurde auch das Finissage-Räderwerk – die Räder und Triebe zwischen dem Federhaus und dem Ankerrad – einer Kompletterneuerung unterzogen. Die Profile der Radzähne und Triebflügel wurden eingehend analysiert, neu berechnet und für alle Räder und Triebe (Minutenrad, Kleinbodenrad, Sekundenrad mit den zugehörigen Trieben) individuell gestaltet. Diese neuen Profile verbessern den Eingriff von Radzähnen und Triebflügeln, reduzieren die Reibung, erhöhen die Toleranz bei variierenden Achsabständen und steigern die Effizienz der Energieübertragung vom Federhaus bis zum Ankerrad. Das Ergebnis ist eine deutliche Steigerung des Wirkungsgrades bei gleichzeitiger Reduktion des Verschleißes.
Die innovativen Technologien des neuen Regulator-Kalibers 31-260 REG QA zur Steigerung von Effizienz und Isochronismus haben weitreichende Konsequenzen: Während das Automatikkaliber 240 mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde tickt, konnte die Frequenz beim neuen Werk um fast 10 Prozent auf 23.040 A/h oder 3,2 Hz gesteigert und gleichzeitig die Gangreserve erhöht werden. Eine höhere Frequenz wiederum lässt sich einfacher auf die Ganggenauigkeit nach Vorgabe des damals neuen Patek-Philippe-Siegels (-3/+2 Sekunden pro 24 Stunden) einregulieren. Das war im zwei Jahre vorher im Juni 2009 eingeführt worden.
Die vierte Innovation war eine extralange Zugfeder für eine besonders lange Gangautonomie. Dank des sorgfältigen Umgangs mit der Antriebsenergie konnte auch eine längere Zugfeder eingesetzt werden. Das neue Kaliber 31-260 REG QA kommt deshalb trotz erhöhter Frequenz und mit nur einem Federhaus auf eine Gangautonomie von 60 Stunden (Kaliber 240: 48 Stunden). Die längere Zugfeder hat auch den Vorteil, dass die Drehmomentkurve flacher verläuft und damit über einen Großteil der Gangautonomie eine stabile Amplitude mit stabilen Gang gewährleistet. Das Ergebnis ist eine höhere Ganggenauigkeit über einen längeren Zeitraum – die Möglichkeit, die Uhr ein ganzes Wochenende lang abzulegen, ohne dass man am Montag Uhrzeit und Kalender neu einstellen muss, spricht für den Alltagsnutzen der Uhr.
Um dem neuen Jahreskalender-Regulator eine möglichst hohe Lebenserwartung und Langzeitzuverlässigkeit mitzugeben, führte man weitere Neuerungen ein: Wie alle Automatikwerke von Patek Philippe lässt sich auch das Kaliber 31-260 REG QA manuell aufziehen. Allerdings wird hier die Handaufzugsmechanik jedes Mal automatisch ausgekuppelt, solange der Automatikaufzug in Betrieb ist. Dies erhöht die Aufzugsleistung und senkt den Verschleiß. Zudem ist der in die Platine eingelassene Mikrorotor aus 22 Karat Gold um 0,3 mm dicker als beim Kaliber 240, was seine Masse erhöht. Im Vergleich zum Kaliber 240 hatte das neue Kaliber 31-260 REG QA eine um fast 10 Prozent höhere Frequenz und eine um 25 Prozent höhere Gangautonomie, was insgesamt einer Effizienzsteigerung von etwa 30 Prozent entspricht.
2019 erhielt diese Uhr einen goldenen Nachfolger mit der Referenz 5235/50R, die sich bis heute als einziges Modell von Patek mit Regulatorzifferblatt in der Kollektion befindet. Vor sechs Jahren verlieh die Manufaktur diesem Modell sein neues Gesicht. Dieses kombinierte ein roségoldenes Gehäuse mit einem vertikal satinierten Zifferblatt in Graphitgrau und Ebenholzschwarz, dekoriert mit weißen Details. Dieses ausgefallene Design wird durch Stabzeiger aus Roségold abgerundet, die ihrerseits an die alten Regulatorstanduhren erinnern. Drei Schienenskalen am Zifferblattrand und um die Hilfszifferblätter für die Stunden- und Sekundenanzeige betonen dessen zeitlose Eleganz.
Vor 16 Jahren vereinte Patek Philippe mit der Ref. 5726 in der Nautilus-Kollektion erstmals sportlichen Stil und ausgeklügelte Technik. Das berühmte Gerald-Genta-Design verfügte nun erstmals über einen Jahreskalender, eine Mondphasenanzeige und eine 24-Stunden-Anzeige, allerdings war das Zifferblatt grau und es gab sie nur am Lederarmband: Diese Referenz 5726A aus Edelstahl wurde 2012 durch ein erstes Modell mit Edelstahlarmband ergänzt, die 40,5 Millimeter große Ref. 5726, ebenfalls mit grauem Blatt.
Zwei Jahre vor der Einstellung der Serie in Stahl (mit der dunkelgrünen und Tiffany-Zifferblatt-Variante) brachte die Genfer Manufaktur 2019 dann doch noch die begehrte Version Referenz 5726/1A mit Edelstahlarmband – und wie die erste Nautilus von 1976 – mit einem eleganten blauen Zifferblatt versehen. Man darf gespannt sein, ob diese Uhr zum 50. Jahrestag der Nautilus und dem 30. Jubiläum des Jahreskalenders noch einmal zurückkehrt!
Wichtiges Detail: Beim ersten Nautilus-Modell mit Jahreskalender wurde die horizontale Reliefprägung durch einen dezenten, am Zifferblattrand beginnenden Schwarzverlauf betont Aufgesetzte Indexe und Zeiger aus Weißgold mit Leuchtbeschichtung zeigen die Stunden und Minuten an, ein Zeiger aus der Mitte die Sekunden.
Dieses Modell ist für den Autoren ein echtes Phänomen, da es nicht nur zu den prägnantesten Designs der gesamten Kollektion zählt, sondern auch als Chronograph erstmals gleich doppelt in Edelstahl daherkam: Der Durchmesser der Ref. 5960/1A mit Automatikaufzug beträgt ebenfalls 40,5 Millimeter. Sie war der erste Jahreskalender-Chronograph mit Gehäuse und Armband aus Edelstahl.
Die zum 20. Jubiläum des Jahreskalenders lancierte Ref. 5396 in Weißgold hat einen Durchmesser von 38,5 Millimetern, besitzt ein neues anthrazitfarbenes Zifferblatt mit Sonnenschliff und verfügt über große aufgesetzte Breguet-Ziffern. Sie ist auch im Roségoldgehäuse mit opalen silberfarbenem Zifferblatt erhältlich. Die Gehäuseform erinnert in beiden Fällen an die ikonische Calatrava 96. Beide Versionen zeigen Tag und Monat in einem linearen Doppelfenster an.
Auch das Jahr 2022 darf als Meilenstein von Patek Philippe und dem Jahreskalender-Mechanismus bezeichnet werden: Zwei extrem nützliche Komplikationen finden sich zum ersten Mal vereint in einer Patek. Die Manufaktur kombiniert zwei ihrer wichtigsten patentierten Komplikationen in einer Uhr: den Jahreskalender und das Travel-Time-System zur Anzeige einer zweiten Zeitzone. Das Ergebnis ist mit der Referenz 5326G-001 eine Reiseuhr, deren Datumsanzeige mit der Ortszeit synchronisiert ist. Beim Korrigieren der Zeitzone wird das Datum automatisch angepasst. Für das neue automatische Uhrwerk Kaliber 31-260 PS QA LU FUS 24H, das mit acht Patenten versehen ist, hatte die Manufaktur sogar ein neues Calatrava-Gehäuse kreiert. Die Flanken tragen das typische guillochierte „Clous de Paris“-Design. Das Zifferblatt im Vintage-Stil erinnert an den Look alter Fotoapparate.
Ein Jahr nach dem Jahreskalender, 1997, folgte der Travel-Time-Mechanismus. Er verfügt über eine Kupplungsvorrichtung, die auf einem Patek-Philippe-Patent von 1959 basiert! Sein ausgeklügeltes System mit einem zweiten Stundenzeiger zeigt aus der Mitte die Uhrzeit einer zweiten Zeitzone an. Zwei Drücker in der linken Gehäuseflanke stellen die Zeitzone in Stunden-Schritten vor und zurück, ohne den Gang des Uhrwerks zu beeinträchtigen.
Die Verbindung des Jahreskalenders mit der Travel-Time-Funktion stellte die Entwickler technische Herausforderungen. Nicht nur waren beide Mechanismen im selben Uhrgehäuse unterzubringen. Vielmehr musste das angezeigte Datum mit der jeweiligen Ortszeit synchronisiert werden. Gleichzeitig müssen sich die beiden Mechanismen simultan vor- oder rückwärts bewegen, wenn die Zeitzone verändert wird. Im neuen Kaliber 31-260 PS QA LU FUS 24H steuert die Travel-Time-Funktion daher den Jahreskalender. Es ist das Ortszeit-Stundenrad, das den Kalender antreibt. Hierfür kam ein Prinzip der Weltzeit-Minutenrepetition Referenz 5531 (2017) zur Anwendung: Bei der ersten Minutenrepetition, die die jeweilige Ortszeit erklingen lässt, steuert der Weltzeitmechanismus die Minutenrepetition.
Für die neue Referenz 5326G-001 hat Patek Philippe auch die Travel-Time-Funktion überarbeitet. Während das Grundprinzip mit zwei Stundenzeigern aus der Mitte beibehalten wird – voller Zeiger für die Ortszeit, durchbrochener Zeiger für die Heimatzeit –, haben die Entwickler die Zeitzonendrücker in der linken Gehäuseflanke durch einen Stellmechanismus über die Aufzugswelle ersetzt. Sie kann drei Positionen einnehmen und feierte ihre Premiere 2021 in der Aquanaut Luce Travel Time Referenz 5269/200R-001. Der Träger muss die Krone lediglich in die Mittelposition ziehen – im Uhrzeigersinn zum Vorstellen, im Gegenuhrzeigersinn zum Zurückstellen –, um den Ortszeit-Stundenzeiger in Stunden-Schritten zu verstellen. Dieses Kronen-Stellsystem wurde laut Angaben aus dem Patek Philippe Magazin aus ästhetischen Gründen entwickelt. Patek Philippe wollte wohl ein schlichtes Design im Calatrava-Stil, kombiniert mit einem besonderen Dekor an den Gehäuseflanken. Das Einstellen der Uhrzeit in der Heimatzeitzone erfolgt durch Drehen der Krone in der äußersten Position.
Gibt es gar nichts zu kritisieren in der dreißigjährigen Geschichte des Jahreskalenders? Doch, natürlich: Bei allen bisherigen Jahreskalendern dauerte nämlich der Anzeigenwechsel um Mitternacht schon etwa 90 Minuten. Bei einer Uhr mit Travel-Time-Funktion ist das ein Problem: Denn das könnte eine Datumsabweichung verursachen, falls man die Zeitzone in diesem Zeitfenster verstellt. Damit der Träger über die korrekte Datumsanzeige verfügt, haben die Patek-Philippe-Ingenieure den Anzeigenwechsel der Jahreskalender-Scheiben um den Faktor fünf auf circa 18 Minuten verkürzt. Man darf gespannt sein, ob es Patek nach Einführung der instantanen Day-Date Referenz 5328G-001 gelingen wird, diese Technologie auch in den Jahreskalender zu übertragen. Ein spontan springendes Datum benötigt zwar enorme Energie, aber wäre von praktischem Nutzen.
Doch zurück zum Jahreskalender Travel Time: Um den Wirkungsgrad, die Sicherheit und den Bedienkomfort des Kalibers 31-260 PS QA LU FUS 24H zu optimieren, haben die Konstrukteure weitere Innovationen entwickelt, die zu acht Patenten führten: Man reduzierte zum Beispiel den Energieverbrauch und des Verschleiß von Komponenten, die für den Wechsel vom 30. zum 1. und vom 1. zum 30. verantwortlich sind, ohne beim Verstellen der Zeitzone das Datum aus dem Takt zu bringen. Ebenso wurden Fehlstellungen und Doppelsprünge der Anzeigen unterbunden sowie die Beschädigung von Werkskomponenten verhindert, wenn Mondphase, Monat oder Wochentag in einem Zeitfenster korrigiert werden, von dem eigentlich offiziell ausdrücklich abgeraten wird. Diese Feinheiten machen die Uhr noch besser.
Die offensichtlichste Besonderheit der Referenz 5326G-001 ist das Zifferblatt im Vintage-Stil. Es wurde vollständig von Cadrans Flückiger in Saint-Imier gefertigt. Dieser Spezialist gehört seit 2004 zu Patek. Das Zifferblatt ist anthrazitfarben mit einem feinen Schwarzverlauf zum Außenrand und trägt eine leicht granulierte Struktur, die an die Gehäuse alter Fotoapparate erinnert. Die Uhrzeit liest man über arabische Zifferappliken aus Weißgold mit beigefarbener Leuchtbeschichtung. Die Stunden der Ortszeit und die Minuten werden mit Seringue-Zeigern aus leuchtbeschichtetem Weißgold angezeigt. Auf die Stunden der Heimatzeit weist ein durchbrochener Seringue-Zeiger.
Erst vor drei Jahren erhielt die sportlich-elegante Damenuhr Aquanaut Luce mit der Referenz 5261R-001 die neue, nützliche und bedienungsfreundliche Komplikation. Mit ihrem blau-grauen Zifferblatt und Armband ergänzte dieses Roségold-Modell das Angebot komplizierter Patek-Uhren für Frauen.
Die 2004 lancierte Aquanaut-Luce-Kollektion war bisher die feminine Interpretation der 1997 lancierten Aquanaut-Armbanduhren. Seit einigen Jahren erweitert Patek Philippe die sportliche Aquanaut Luce für Damen mit verschiedenen Komplikationen. In einem Gehäuse mit 39,9 mm Durchmesser arbeitet das automatische Kaliber 26-330 S QA LU mit Zentralrotor und einem Jahreskalender-Modul mit Jahreskalender und Mondphasen. Eine Besonderheit: Das Jahreskalendermodul steht auf dem Kopf. Das Datumsfenster sitzt bei 6 Uhr, die Zeigeranzeigen für den Wochentag bei 3 Uhr und für den Monat bei 9 Uhr. Die Architektur des Uhrwerks folgt dem Basiskaliber 26-330, das 2019 mit dem Calatrava-Wochenkalender Referenz 5212A-001 lanciert worden war.
Zum 30. Jubiläum zählt der Jahreskalender längst zu den Bestsellern von Patek Philippe, und noch immer liegt ihm derselbe Mechanismus zugrunde, auch lange nach dem Ablauf des Patentschutzes. Man muss nach diesem Text kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass die Funktion in der gesamten Uhrenbranche noch eine große Zukunft hat. Zudem spielen große Hersteller heute natürlich mit: Seit 2012 gibt es den Saros-Jahreskalender in der Sky-Dweller von Rolex mit der Monatsanzeige über 12 Zifferblattöffnungen, seit 2015 auch als Co-Axial-Kaliber-Modell in der Globemaster Annual Calendar von Omega. IWC folgte mit der Portugieser Annual Calendar sogar beim Referenznahmen Patek: Zufall oder nicht, die Referenznamen sind mit der 5035 identisch mit der ersten von Patek (das Kaliber bei IWC heißt aber 52850). Übrigens hat als deutscher Hersteller A. Lange & Söhne bereits seit 2010 mit der Saxonia Annual Calendar eine solche Funktion im Programm mit dem automatischen Manufakturkaliber L085.1 und natürlich einem Großdatum.
Wir wollen nicht zu viel spekulieren, was in Zukunft mit diesem Epoche-Modell noch passiert. Welches Modell könnte es demnächst geben? In der von Thierry Stern eingeführten Calatrava Pilot-Reihe würde sie ebenso Sinn machen wie in der Cubitus-Reihe. Doch für 2026 hatten andere Dinge Priorität:
Zum Auftakt des Uhrenjahres auf der Watches and Wonders 2026 war es noch erstaunlich ruhig um diese Komplikation: Das 50-jährige Jubiläum der Nautilus und die neue Celestial waren die Stars der Messe neben zwei neu vorgestellten Referenzen des Jahreskalenders: Die Referenz 4946G-001 Jahreskalender mit Mondphase ist als Design-Statement zu verstehen: Das Design mit einem polierten 38-mm-Gehäuse aus Weißgold wurde erstmals mit einem blaugrauen Zifferblatt kombiniert, das durch seinen vertikalen und horizontalen Satinschliff an Rohseidenstoffe aus Shantung erinnert. Die Zeit wird durch Zeiger aus Weißgold in Blattform mit weißer Leuchtbeschichtung angezeigt, die über eine weitere Besonderheit dieses neuen Modells gleiten: Monoblock-Stundenindexe aus weißem Leuchtmaterial, die optimale Ablesbarkeit und hohen Kontrast gewährleisten. Ein Armband aus blaugrauem Kalbsleder mit „Jeans“-Motiv und weißen Kontrastnähten, gesichert durch eine Schließe aus Weißgold, unterstreicht den entschieden zeitgemäßen Look dieses Modells. Der Sichtboden aus Saphirglas mit Blick auf das Automatikwerks 26-330 S QA LU macht diese Uhr beidseitig zu einem absoluten Hingucker.
Die zweite neue Referenz 5396R-016 Jahreskalender Mondphase kommt dagegen deutlich klassischer daher: Das Calatrava-Design des roségoldenen Gehäuses in 38,5 mm Durchmesser wurde mit einem sandbeigen „Sonnenschliff“-Zifferblatt kombiniert. Mit der Anzeige durch sein Doppelfenster für Wochentag und Monat bei 12 Uhr und Datumsanzeige bei 6 Uhr sowie ein Hilfszifferblatt für die 24-Stunden-Anzeige inklusive Mondphasen reiht er sich ein in die 2006 erstmals vorgestellten Modelle in der Calatrava-Reihe und feiert damit das 20-jährige Jubiläum in dieser Uhrenreihe. Die facettierten Dauphine-Zeiger sind aus Roségold gefertigt.
Vielleicht noch ein letzter Hinweis für Sammler begehrter Stahlmodelle bei Patek Philippe: Neben den erwähnten begehrten Platin-Referenzen wurden vor allem die Nautilus-Modelle und einige Damenuhren auch in Stahlgehäusen ausgeliefert. Und es natürlich kein Zufall, dass es ausgerechnet die Nachfolger der Stahlnautilus als Jahreskalender sogar noch bis heute gibt: Mit der Referenz 5726/1A-014 (mit Stahlband und dunkelblauem Verlaufszifferblatt) und als Ref. 5726/A-001 ist das Modell mit grauem Blatt und Lederband ununterbrochen seit seiner erstmaligen Lancierung seit 16 Jahren im Programm. Besonders heraus sticht neben den Nautilus-Modellen sicher die Stahlreferenz mit Stahlarmband und weißem Zifferblatt, der Jahreskalender-Chronograph Ref. 5960/1A aus dem Jahr 2014 und ihr aktuell noch verfügbarer Nachfolger mit grünen Zifferblatt, die 2021 eingeführt wurde.
Der britische Historiker und Uhrenexperte Nicholas Foulkes hat über den Jahreskalender von Patek mehrfach geschrieben. Mit einem Zitat von ihm, der auch den ersten Jahreskalender redaktionell begleitete, möchte ich enden: „Sie sollte als nützliche Komplikation bekannt werden und viel dazu beitragen, die Manufaktur zu dem zu machen, was sie heute ist. Man sollte nicht vergessen, was alles mit der Ref. 5035 begann.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Ohne den Patek-Philippe-Jahreskalender wäre Patek Philippe heute nicht da, wo die Manufaktur felsenfest steht: an der Spitze der mechanischen Uhrmacherei.