Gehören Sie auch zu denjenigen, die ein wenig enttäuscht waren, dass das spektakuläre Chessboard von Chanel nicht im Original auf der Watches & Wonders 2026 bestaunt werden konnte? Das liegt daran, dass ein unbekannter Käufer schlicht schneller war: Er hatte das einzigartige Objekt bereits vor dem Event erworben, sodass der globalen Uhren-Community der Blick auf die 32 extraordinären Figuren – inklusive Coco Chanel selbst – verwehrt blieb. Stattdessen gab es Prototypen aus Keramik zu bestaunen.

Wir wollen uns dennoch mit dem prächtigen Schachbrett von Chanel beschäftigen, auch wenn es als vergebenes Einzelstück nicht mehr zur Verfügung steht – und aufgrund des Kaufpreises von rund 3,6 Millionen Euro ohnehin für die meisten von uns außerhalb jeder Reichweite gelegen hätte.

Das Schachbrett hat ein enormes Medienecho ausgelöst – eines, das auch den mechanischen Uhren der Marke gut zu Gesicht gestanden hätte. Gefühlt stehen diese stattdessen nun ein wenig im Schatten der 32 Figuren auf dem schwarz-weißen Spielfeld – zu Unrecht.

Denn Chanel hat sich längst von der Designmarke mit schönen Uhren zur Designmarke mit echter uhrmacherischer Kompetenz entwickelt. Das belegen die handgelenkstauglichen – und vergleichsweise erschwinglichen – Neuheiten, die Chanel auf der Watches & Wonders 2026 präsentierte. Und damit hat auch Tudor zu tun. Doch dazu später mehr.

Werfen wir zunächst einen Blick auf das Schachbrett von Chanel, auf dem keine Geringere als Gabrielle „Coco“ Chanel selbst die Chance auf ein glänzendes Schachmatt hat.

Chanel und das Spiel der Könige

Oder besser: der Königinnen. Denn als solche wird Modeschöpferin und Chanel-Gründerin Gabrielle „Coco“ Chanel in doppelter Ausführung zur zentralen Figur des opulenten Schachspiels.

Zugleich haben sich zahlreiche Symbole aus dem Chanel-Universum eingeschlichen: Neben der Vendôme-Säule als Turm, dem Löwen als König und einer Schneiderbüste als Läufer tritt Mademoiselle Chanel als schwarze und weiße Königin an. Gekleidet in einen Tweed-Anzug aus Diamanten beziehungsweise schwarz beschichtetem Weißgold, verbirgt sie dabei unter ihren ikonischen Slingbacks im Sockel der Figur ein funktionales Geheimnis: die Zeit.

Der Durchmesser des brillantbesetzten beziehungsweise schwarz lackierten Zifferblatts beträgt 25 Millimeter, für die Präzision der angezeigten Stunden und Minuten sorgt ein Quarzwerk. Der Clou: Die Königinnen können als einzige Figuren dieser Schachpartie als Anhänger an einer speziell angefertigten Halskette aus 18 Karat Weißgold getragen werden – opulent verziert mit 268 Brillanten, 40 Onyx-Perlen, zwei Onyx-Zylindern und einem zentralen Diamanten.

Damit spiegelt die Kette die ganze Pracht des Chanel-Schachspiels wider. Das Brett misst 37,9 × 37,9 Zentimeter, besitzt einen Rahmen aus Obsidian und 64 Felder aus schwarzer und weißer Keramik, die von 268 Brillanten eingefasst sind.

Die 32 Schachfiguren bestehen aus Weißgold und schwarzer Keramik und sind mit insgesamt 9.236 Brillanten (ca. 110,94 Karat) besetzt – allein 1.351 davon entfallen auf die beiden Königinnen.

Die J12 von Chanel – Vielfalt in Keramik

Im Jahr 2000 wurde die J12 erstmals vorgestellt – gekleidet in Keramik, ein Material, das damals im Luxusuhrenbereich noch in den Kinderschuhen steckte. Mit 38 Millimetern Durchmesser und sportlichem Design war sie ursprünglich eher als Herrenuhr konzipiert. Doch die selbstbewusste, weibliche Stammklientel ließ sich davon nicht abhalten – und Chanel reagierte.

2003 folgte die weiße J12 in den Größen 38 und 33 Millimeter. Ob Damen- oder Herrenuhr blieb bewusst offen – ein für die damalige, noch stark binär geprägte Uhrenwelt ungewöhnlicher Schritt. Quarz- und Mechanikwerke gehörten dabei von Anfang an zum Kosmos der J12 – und tun es bis heute.

Seitdem zeigt Chanel kontinuierlich uhrmacherische Kreativität und stellt seine Haute-Horlogerie-Ambitionen unter Beweis: von Quarz über Automatik bis hin zum Handaufzug, von der Dreizeigeruhr bis zum Tourbillon, von purer Keramik bis zur aufwendigen Veredelung mit Diamanten und dem All-over-Einsatz von Saphiren. 2025 kam neben Schwarz und Weiß auch Blau als Keramikfarbe hinzu.

Der Ideenreichtum des Chanel Watch Creation Studio am Place Vendôme in Paris spiegelt sich in der aktuellen Kollektion eindrucksvoll wider. Drei Modelle stellen wir exemplarisch vor – gefertigt und vollendet werden sie allesamt in der eigenen Produktionsstätte in La Chaux-de-Fonds, einer der bekanntesten Städte der Schweizer Uhrenproduktion.

Der Name J12 ist übrigens eine Anspielung auf die sogenannten J-Class-Yachten, eine Kategorie von Hochleistungssegelbooten aus den 1930er-Jahren. Jacques Helleu, der damalige künstlerische Leiter von Chanel, ließ sich davon inspirieren und wollte eine Uhr schaffen, die technisch präzise, sportlich und zugleich elegant ist.

J12 Golden Black Caliber 12.1 (42 mm)

Diese neue, limitierte Dreizeiger-Variante mit Datum inszeniert einen eleganten Kontrast zwischen mattschwarzer Keramik und schwarz beschichtetem Edelstahl für Gehäuse (42 × 12,5 mm), einseitig drehbarer Lünette, Armband sowie Krone und den gelbvergoldeten Ziffern und goldfarbenen Akzenten auf dem mattschwarzen Zifferblatt.

In der bis 20 bar wasserdichten Hülle arbeitet das COSC-zertifizierte Automatikkaliber 12.1 mit einer Gangreserve von rund 70 Stunden. Gefertigt wird es von der Schweizer Werkeschmiede Kenissi, an der Chanel mit 20 Prozent beteiligt ist. Am Handgelenk sichert ein dreigliedriges Armband aus mattschwarzer Keramik die J12 Golden Black Caliber 12.1. Der Preis beträgt 11.400 Euro.

J12 Superleggera Caliber 12.1 (42 mm)

Optisch deutlich sportlicher präsentiert sich die zweite 42-Millimeter-Neuheit der J12-Kollektion. Die Superleggera-Version erschien erstmals im Jahr 2005 und zeigt sich nun in ihrer bislang schlanksten Ausführung – gehalten in mattschwarzer Keramik und Edelstahl.

Charakteristisch ist der Ring der einseitig drehbaren Lünette aus satiniertem, gehärtetem Stahl auf der Oberseite, während die Basis aus schwarz beschichtetem Stahl gefertigt ist. Das Datum wird bei 4 Uhr durch einen roten Pfeil in einem Fenster angezeigt.

Im bis 20 bar wasserdichten Gehäuse (42 × 12,5 mm) sorgt ebenfalls das Automatikkaliber 12.1 für die Präzision der Anzeigen auf dem schwarz lackierten Zifferblatt. Getragen wird die Uhr an einem Armband aus mattschwarzer Keramik mit polierten und satinierten Elementen. Der Preis beträgt 12.900 Euro.

J12 Caliber 12.1 (38 mm) und J12 Caliber 12.2 (33 mm)

„Schwarz hat alles. Weiß auch. Beide besitzen eine absolute Schönheit. Es ist die perfekte Harmonie.“ Dieses Zitat wird Gabrielle „Coco“ Chanel zugeschrieben.

Dennoch gehörte auch Blau früh zur Farbwelt des Hauses und kam bereits ab den 1910er-Jahren bei den Jersey-Kollektionen zum Einsatz. Anders als das dramatische Schwarz steht Blau bei Chanel eher für moderne Tragbarkeit. 2025 hielt diese Farbe zunächst als limitierte Edition Einzug in die keramische J12-Welt, bevor sie nun mit den aktuellen Neuheiten dauerhaft Teil der Kollektion wird.

„Ich träumte davon, Schwarz eine Farbe zu geben, es mit Blau aufzuhellen – ein streng elegantes Blau, ein Blau, das nicht ganz schwarz ist oder ein Schwarz, das nicht ganz blau ist“, erläutert Arnaud Chastaingt, Direktor des Chanel Watch Creation Studio. „Es dauerte fünf Jahre Forschung, um eine Keramik in einer völlig neuartigen Farbe zu entwickeln, und die endgültige Wahl dieses speziellen Farbtons wurde allein von Emotion geleitet.“

Chanel setzt die mattblaue Keramik – analog zu den schwarzen und weißen Pendants – bei den 38- und 33-Millimeter-Gehäusen, der einseitig drehbaren Lünette, dem Cabochon auf der verschraubten Krone sowie beim Armband ein. Als Kontrast dienen silberfarbene Markierungen und Ziffern.

Ausgestattet mit dem Kaliber 12.1 (38 mm, 70 Stunden Gangreserve) beziehungsweise dem ebenfalls COSC-zertifizierten Kaliber 12.2 (33 mm, 50 Stunden Gangreserve) stammen beide Automatikantriebe aus der Werke-Manufaktur Kenissi. Die Preise betragen 7.650 Euro für die 33-Millimeter- und 8.000 Euro für die 38-Millimeter-Variante.

Monsieur Lion Tourbillon Black Edition

Das Besondere an der auf 55 Exemplare limitierten Monsieur Lion Tourbillon Black Edition ist ihr taktgebendes Innenleben, das in der eigenen, zentralen Produktionsstätte von Chanel in La Chaux-de-Fonds entsteht. Das Handaufzugskaliber 5.1 verfügt über ein fliegendes Tourbillon mit dreidimensionalem Löwenkopf – das Sternzeichen von Gabrielle Chanel war der Löwe –, das sich im Rhythmus der Sekunden dreht.

Das modern gestaltete Uhrwerk mit zwei Federhäusern bietet eine Gangreserve von 72 Stunden und lässt sich durch das durchbrochene Zifferblatt sowie den Saphirglasboden des bis drei bar wasserdichten 42-Millimeter-Gehäuses aus mattschwarzer Keramik betrachten.

Die Keramiklünette, die Edelstahlkrone und das Nylonarmband mit Kalbslederbesatz in Schwarz sorgen für einen konsequent monochromen Look. Der Preis für die Monsieur Lion Tourbillon Black Edition beträgt 115.000 Euro.

Chanel: Kooperationen und Beteiligungen für die Uhrmacherkunst

Seit geraumer Zeit baut Chanel gezielt ein eigenes Uhren-Ökosystem auf. Dieses besteht aus der 1987 gegründeten Fertigung in La Chaux-de-Fonds, der 1993 übernommenen Manufaktur G&F Châtelain sowie mehreren strategischen Partnerschaften und Minderheitsbeteiligungen. So sind die uhrmacherischen Ambitionen von Chanel vor allem eng mit denen von Tudor verknüpft. Die Marke startete 2010 ihr Projekt zum Aufbau eigener Produktionskapazitäten für mechanische Uhrwerke und stellte fünf Jahre später auf der Baselworld ihr erstes Manufakturkaliber MT5621 vor. 2016 gründete Tudor schließlich die Werkemanufaktur Kenissi, um Entwicklung und Produktion eigener Uhrwerke zu steuern und zugleich Drittmarken diese Expertise zur Verfügung zu stellen. Im Zuge dessen entstanden auch Industrieallianzen – unter anderem mit Chanel.

Seit 2019 hält Chanel rund 20 Prozent an Kenissi und sichert sich damit technische Unabhängigkeit für volumenstarke Kollektionen wie die J12. Für die Entwicklung und Montage von Haute-Horlogerie-Werken – etwa dem Kaliber 5 – ist hingegen eine eigene Abteilung innerhalb der Produktionsstätte in La Chaux-de-Fonds verantwortlich. Frühere High-End-Kaliber entstanden auch in Zusammenarbeit mit Audemars Piguet Renaud & Papi. Die 1986 von Giulio Papi und Dominique Renaud gegründete Uhrwerkeschmiede wurde 1992 mehrheitlich von Audemars Piguet übernommen und gilt heute als High-Complication-Labor der Marke.

Bereits 2018 erwarb Chanel zudem eine Minderheitsbeteiligung von rund 20 Prozent an F.P. Journe. Darüber hinaus besteht seit 1998 eine Beteiligung an Bell & Ross. 2024 gab Chanel außerdem eine 25-prozentige Beteiligung an der unabhängigen Uhrenmarke MB&F bekannt. Die Partnerschaft sei Teil einer langfristigen Strategie, „weiterhin Fachwissen und Expertise zu bewahren, zu entwickeln und darin zu investieren und so unsere Position in der High-End-Uhrmacherei zu stärken“, sagte damals Frédéric Grangié, Präsident von Chanel Watches & Fine Jewellery. Man darf also auf die weitere Haute Horlogerie à la Chanel gespannt sein.


chanel.com

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