We have brought together some of the most beautiful dress watches currently available for a photoshoot, and with them we are celebrating this newly rekindled passion for stylish elegance on the wrist.

Bei jedem Genf-Besuch stehe ich früher oder später im Stammhaus von Patek Philippe, dem Salon in der Rue du Rhône. Bei der Watches & Wonders ist der jährliche Besuch des Messestandes von Familie Stern ein Höhepunkt. Auch die Manufaktur in Plan-les-Ouates habe ich mehrfach besucht und besichtigt. In meinem Büro liegen zudem zig Magazine und Bücher der Marke.
Sie ist mir also ziemlich vertraut. Das alles soll keine Angeberei sein. Es gibt viele Uhren-Enthusiasten, die sich intensiv mit dem Haus beschäftigen und es eng begleiten. Patek Philippe, das ist in dieser Branche nun einmal aus vielen Gründen ein Leitstern, eine Glaubenssache. Diese Einführung soll lediglich bei der Einordnung helfen. Schließlich muss folgende Frage erlaubt sein: Warum nur sollte man sich bis 18. Oktober auf den Weg gen Italien machen, und nach Mailand fahren, um Genfer Uhrmacherei noch besser kennenzulernen? Meine Antwort: Weil sich hier und in diesen Tagen die Marke in einer Form präsentiert, die auch versierten Freunden des Hauses neue Einblicke verschafft.
Auf über 2.900 Quadratmetern hat man im „CityOval“ in 15 verschiedenen Räumen die Watch Art Grand Exhibition 2026 errichtet, für die tief in die Archive geschaut wurde und ebendiese aufbereitet hat, doch die Ausstellung gibt ebenso ein Gefühl für die Zukunft der Manufaktur. Zumal es neue, exklusiv für den italienischen Markt gestaltete Modelle zu besichtigen gibt. Eine Variante der Aquanaut, eine Calatrava, vor allem aber: Einen Ausblick auf die Zukunft des Chronographen mit Ewigem Kalender – der wohl berühmtesten Kombination von Komplikationen bei Patek Philippe.
Im Gespräch in Mailand stellt Thierry Stern, der Eigentümer und Präsident von Patek Philippe, fest: „Ich habe nicht vor unser Museum zu kopieren.“ Neue Referenzen müssten stets eine sinnvolle Ergänzung und Verstärkung darstellen, denn bei der Kreation neuer Modelle folge er zuvorderst der eigenen Strategie „stets die ganze Kollektion aufzuwerten.“
Die neue Referenz 5978P-010 ist vermutlich das beste Beispiel dafür. Die Kombination von Chronograph und Ewigem Kalender gehört zur DNA der Marke. Sie steht in einer Reihe mit Vorgänger-Modellen, die den mitunter inflationär gebrauchten Begriff „Ikone“ allesamt wahrhaftig verdient haben: 1518, 2499, 3970, 5970, 5270 – diese Zahlen und die danach benannten Zeitmesser haben die Firmengeschichte geprägt.
Und nun also: Die 5978, hier und für Mailand auf 120 Exemplare limitiert, doch man darf davon ausgehen, dass sie in Zukunft in anderen Varianten einen festen Platz in der regulären Kollektion finden wird. Optisch greift sie auf ein vertrautes Design zurück, das aus Jahreskalendern (Referenz 5205 und 5905) und Minutenrepetitionen (Referenz 5308) bekannt ist. Das Zifferblatt ist in tiefblau gehalten, mit Sonnenschliff und Schwarzverlauf gen Außenrand. Die Mitte des Blattes ist dabei leicht abgesenkt und strukturiert. Minutenskala und die Skalen der Hilfszifferblätter sind in weiß gehalten, allein der zentrale Chronographenzeiger sowie der Zeiger des 30-Minutenzählers des rechten Hilfszifferblattes strahlen in rot und setzen so sportliche Akzente.
Für den technischen Fortschritt, die um Mitternacht innerhalb von 30 Millisekunden springende Datumsanzeige, ist die neue Kaliberweiterentwicklung CH-29-535 PS QI verantwortlich, das auf dem im Jahr 2009 vorgestellten Chronographenkaliber CH-29-535 aufbaut. Dieses ist seitdem die Basis für alle Handaufzugs-Chronos, und wurde unter anderem mit Schleppzeigerfunktionen und Ewige Kalender aufgewertet. Mit sofort springender Kalenderfunktion gab es das Kaliber bislang allerdings nur in einem besonders komplexen Form an der Spitze der Kollektion: Als Referenz 5308, der „Quadruple Compliction“ aus Minutenrepetition, Ewigem Kalender, Schleppzeiger-Chrono und Mondphase.
Nun bekommt auch „der kleine Bruder“ diese Technik, die Sammlern einmal am Tag und immer zu später Stunde einen Euphorie-Schub bereitet: Um Mitternacht springt die Datumsanzeige innerhalb von nur 30 Millisekunden um. Dieser sofortige Datumswechsel erfordert ein Extra an Energie, schließlich müssen dafür vier Fensteranzeigen mit vier Zahlenscheiben zugleich bewegt werden, und deren Masse ist deutlich größer als jene von schmalen Zeigern.
Um das möglich zu machen, muss zuvor über Stunden Energie gespeichert werden, die sich zum Datumswechsel schnell freisetzen lässt. Dafür wurde eine Wippe aus 15 Einzelteilen entwickelt und patentiert. Mit einem weiteren Mechanismus mit zwei Stellfedern wird die für den Wechsel benötigte Energie konstant gehalten, auch wenn die Datumsscheibe je nach Länge des Monats um Teils sehr unterschiedliche Drehwinkel bewegt werden muss.
Mit Blick auf die Zukunft von Patek Philippe ist diese Mailand-Edition sicherlich die mit Abstand wichtigste. Ästhetisch ist das Spiel mit dunkelblau und rot bereits von anderen Chronographen des Hauses bekannt, in der Ausstellungsvitrine präsentiert sich die 42-Millimeter-Neuheit aber extrem stimmig und selbständig. Ist diese neue 5978 nicht nur technisch, sondern auch optisch der Referenz 5270 überlegen, die über keine augenblicklich springende Kalenderfunktion verfügt? Dazu hörte man in den Ausstellungsräumen unterschiedliche Auffassungen. Letztlich ergänzen sich beide Varianten, und mit der Neuheit folgt Thierry Stern auch konsequent seinem Ziel die Kollektion beständig aufzuwerten. Während der Preis einer Platin-5270 aktuell bei 230.596 Euro liegt, werden für die 5978 in Italien 312.869 Euro verlangt.
Gleichzeitig ist hochinteressant, was Mr. Patek Philippe in Mailand über den italienischen Markt und dessen Bedeutung sagt: “Unsere italienischen Kunden haben einen bestimmten Geschmack und ein besonderes Fachwissen. Es ist ein reifer Markt. Interessanterweise geht der Trend bei unserer italienischen Kundschaft immer mehr in Richtung Vintage-Uhren. Die Jüngeren haben erlebt, wie ihre Eltern unsere Uhren gesammelt und wunderschöne Vintage-Modelle getragen haben. Die neue Generation mag zwar auch um eine neue Aquanaut kämpfen, aber sie trägt eben auch eine Vintage-Uhr vom Vater oder aus Familienbesitz. Und ich spreche hier wirklich von wunderschönen Exemplaren. Ich glaube, es ist eine Art Wettbewerb, sie messen sich untereinander. Mir zeigt es, dass es vielleicht an der Zeit ist, zu traditionelleren Designs zurückzukehren. Ich habe viel daran gearbeitet, Patek weiterzuentwickeln, mit offenen Werken zu überraschen und mit vielen anderen Dingen. Aber ich vergesse nie, woher ich komme. Die Möglichkeit, eine 5970 mit einem außergewöhnlichen Gehäuse anzubieten – das ist etwas, das ich heute gerne wiederholen würde.“
Was den Besuch in der Ausstellung auszeichnet, ist das allgegenwärtige Gefühl hier keine Marke zu erleben, sondern ein Familienunternehmen. Ein Haus, das Marketing anders interpretiert als die Konkurrenz, oder wie Thierry Stern es formuliert: „Zu viele Marken – und damit meine ich nicht nur die Uhrenbranche – verkaufen Träume statt Realitäten.“ Zum Gespräch hat er seinen älteren Sohn Adrien an der Seite.
Der 25jährige durchläuft aktuell unterschiedliche Abteilungen im Unternehmen, es ist ein sorgfältig für ihn kuratiertes Ausbildungsprogramm, und Ende nächsten Jahres wird sein jüngerer Bruder Tristan dazu stoßen. Hier in Mailand soll er seinen Vater begleiten, zuhören, erleben, lernen – so wie auch Philippe Stern einst seinen Sohn Thierry langsam ins Unternehmerleben eingeführt hat, das von Erfahrungen geprägt ist.
Adrien erzählt, dass seine erste Patek Philippe zum 18. Geburtstag eine Aquanaut war, versehen mit einer Gravur: „Von Deinem Vater“. Er habe damals noch nicht annähernd die mechanisch anspruchsvolleren Modelle des Hauses verstanden, das Modell dann auch um einiges altersgerechter, und angesichts der damals schon riesigen Nachfrage nach Nautilus-Modellen habe er sich dann für eine Aquanaut entschieden.
Die Zeiten haben sich geändert, und auch die Aquanaut-Kollektion ist inzwischen mehr oder minder ebenso populär wie die Nautilus-Modelle. Darum darf davon ausgegangen werden: Die 250 Exemplare der Referenz 5167A-014 dürften die größte Nachfrage bei den italienischen Kunden auslösen. Auf dem Papier ist es „nur“ eine weitere Variante der Aquanaut. Aber es ist nun einmal eine stählerne Aquanaut, und zudem eine besonders gelungene. Das blaue Sonnenschliff-Zifferblatt mit schwarz auslaufendem Rand gibt dem Zeitmesser eine Tiefe und Eleganz, der rote Sekundenzeiger eine Portion Dynamik. Mit 40.557 Euro ist sie zudem eine der preiswertesten Varianten eine Erinnerung an diese besondere Ausstellung zu erwerben – Glasboden mit „Patek Philippe Milano 2026“ inklusive.
Sind die beiden bereits erwähnten dunkelblauen Editionen vergleichsweise klassische Erscheinungen, so wurde man bei den folgenden drei Modellen mutiger gestaltet. Die Referenz 7147G-010 ist ein weißgoldener Ewiger Kalender. Das Zifferblatt hat dabei das vertraute Carbon-Muster im Zentrum, seine grüne Farbe allerdings gibt diesem ein komplett neues Erscheinungsbild.
Der Farbton orientiert sich dabei sichtlich am Grün der italienischen Flagge, es ist alles andere als zurückhaltend, sondern strahlt den Betrachter giftig bis gefällig an. Wie immer im Leben gilt: Geschmäcker sind unterschiedlich, und in seiner Konsequenz hat das Modell Charme. Doch es bleibt das Gefühl, dass die Farbe auf der Flagge einfach eine andere Kraft hat als auf dem Zifferblatt. 100 Exemplare dieser Uhr werden zum Preis von 127.465 Euro an die italienische Kundschaft vergeben.
Häufig hört man dann auch auf der Ausstellung den Scherz internationaler Besucher, dass man sich wohl der Ahnenforschung widmen müsse, um irgendeine nach Italien führende Verwandtschaftslinie auszumachen. Und italienische Bekannte werden auf einmal zu besten Freunden befördert. Auch die Referenz 7007G-010, letztlich eine schlichte Weißgold-Calatrava mit weiß lackiertem, ebenfalls im Carbon-Design gestalteten Zifferblatt, ist dafür verantwortlich.
Das 38-Millimeter-Modell avancierte in den ersten Tagen zum heimlichen Star der Show. So schlicht, so zurückhaltend, so schön. Modisch? Ja. In zwanzig Jahren immer noch ein Stück mit Klasse? Nochmals: Ja! Auch sie ist auf 200 Exemplare limitiert, wird angetrieben vom vertrauten Kaliber 26-330 S C, und wird für 44.034 Euro verkauft werden.
Komplettiert wird die Tricolore von einem Statement in Rot. Die Referenz 7047G-010 wird nur fünf Mal hergestellt werden, denn es handelt sich bei ihr um eine Minutenrepetition mit zwei Tonhöhen. Ihr Zifferblatt, einmal mehr mit zentralem Carbonmotiv versehen, ist dabei rot lackiert. Die Uhr ist ein faszinierender Hybrid: Einerseits, wenn allein das Grunddesign betrachtet wird, gibt es vermutlich keine dezentere Art eine so exklusive Uhr zu tragen.
Drei Zeiger, kleine Sekunde auf zwölf Uhr – wäre da nicht der Schieber für das Auslösen des Schlagwerks würde das Modell als einfache Calatrava durchgehen. Andererseits: Ist da dieses Rot, diese Wow-Farbe, die Blicke ganz automatisch auf sich zieht. Es ist eine Kombination, die provoziert und vielleicht nicht jedem gefällt, aber ganz sicher Respekt verdient. Zumal sie einen Wert von 637.325 Euro vereint.
Bleiben noch die Referenzen 5331G-012 und 5331G-013. Beides sind Minutenrepetitionen mit Weltzeit-Funktion, beide in weißgoldenen Gehäusen. Sie unterscheiden sich einzig im Cloisonné-Email-Motiv im Zentrum, welches das Zentrum von Mailand in einer Art Stadtplan-Optik darstellt – einmal am Tage, einmal in der Nacht. Auch bei den Städtenamen der Weltzeitfunktion wird Mailand rot hervorgehoben.
Die Email-Arbeiten übernahm dabei niemand geringeres als das Atelier von Anita Porchet, die als beste ihres Fachs gilt. Entsprechend sind diese beiden Uhren, von denen jeweils fünf Exemplare zum Preis von 787.965 Euro gefertigt werden, auch eigentlich der „Rare Handcrafts“-Kollektion zuzurechnen, über die an dieser Stelle noch einmal gesondert berichtet wird.
Doch diese beiden Referenzen tragen alles in sich, was Patek Philippe ausmacht: Die Liebe zum Handwerk und zum Besonderen. Der Wille sich Genres zu widmen, die für den Berufsstand wichtig, für den Großteil der Uhreninteressierten aber zu nischig sind. Eine Präzision und Schönheit in der Ausführung, die Maßstab ist. Und eine Wertschätzung ihrer Kundschaft, die stetig wächst, aber von Familie Stern nie als selbstverständlich erachtet wird.
Beim Verlassen der Ausstellung muss man unweigerlich an Thierry Stern und seine Feststellung zum weit verbreiteten Missverhältnis zwischen Träumen und Realitäten denken. Alles, was hier zu sehen ist, lässt unweigerlich träumen. Aber Thierry Stern kann aus gutem Grund sagen: „Alles hier ist ganz konkret greifbar. Es ist weitaus mehr als ein Werbespot. Ja, es hilft natürlich Patek Philippe. Aber es wird auch andere Marken unterstützen. Wir bieten Glaubwürdigkeit.“