Beim Manufakturbesuch bei Girard-Perregaux lernten wir, wie Schönheit von innen beginnt und erfuhren spannende Insights – auch, warum hier manche Uhrmacher gelegentlich die Luft anhalten müssen.

Während der Spacelab-Deutschland-1-Mission (STS-61A) im Jahr 1985 trug der deutsche Wissenschaftsastronaut Reinhard Furrer einen Sinn Chronographen 140 S am Handgelenk. Seitdem zählt das Modell zu den wenigen deutschen Armbanduhren mit dokumentierter Raumfahrtgeschichte. Mit der neuen Sinn 140 A S Jubiläum würdigt die Marke nun diesen besonderen Einsatz und feiert zugleich das 65-jährige Bestehen der Marke. In diesem Artikel beleuchten wir, wie die Uhr ins Weltall gelangte und was die neue Jubiläumsedition auszeichnet.
Am 30. Oktober 1985 startete die erste deutsche Spacelab-Mission (Spacelab Deutschland-1) mit dem amerikanischen Space Shuttle Challenger. Hierbei handelte es sich um die 22. Space-Shuttle-Mission und den neunten und letzten erfolgreichen Flug der Raumfähre Challenger. Bei dieser Mission, die auch als STS-61A gekennzeichnet wurde, gingen die Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) und die NASA eine Kooperation ein. Die Mission STS-61A hält bis heute den Rekord für die größte Besatzung – acht Personen – an Bord eines einzelnen Raumfahrzeugs über die gesamte Dauer einer Mission, vom Start bis zur Landung.
Die Spacelab-Deutschland-1-Mission (D1) war die erste Spacelab-Mission, deren Missionsmanagement in deutscher Verantwortung lag. Zuständig war die Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR), eine Vorgängerorganisation des heutigen Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Während der Flug der Raumfähre Challenger vom NASA-Kontrollzentrum in Houston überwacht und gesteuert wurde, lag die Kontrolle über den wissenschaftlichen Betrieb der Spacelab-Nutzlast beim German Space Operations Center (GSOC) der DFVLR in Oberpfaffenhofen bei München. Damit fungierte erstmals ein Kontrollzentrum außerhalb der USA als eigenverantwortliches Payload Operations Control Center (POCC) einer Spacelab-Mission.
Unter den zwei deutschen Besatzungsmitgliedern – Ernst Messerschmid und Reinhard Furrer – war es Furrer, der während der Mission einen automatischen Sinn Chronographen 140 S mit Lemania-Uhrwerk 5100 am Handgelenk trug. Bei der Uhr handelte es sich um eine private Anschaffung – Furrer erwarb sein Modell 140 S laut der Marke kurz vor der Spacelab-D1-Mission. Damit zählt der Sinn 140 S Chronograph zu den wichtigsten Uhren im Weltraum und gleichermaßen zu den wenigen deutschen Armbanduhren mit belegter Raumfahrtgeschichte.
Das Besondere daran: Die Uhr hatte ein Automatikwerk und bewies somit die Funktionsfähigkeit einer mechanischen Automatikuhr selbst in der Schwerelosigkeit, in der man eigentlich annahm, dass der Rotor durch die fehlende Schwerkraft nicht imstande sei, reibungslos zu funktionieren.

Reinhard Furrers Sinn 140 S ist Teil eines größeren Kapitels der Uhrmachergeschichte: der Geschichte mechanischer Uhren im Weltraum.
Im Laderaum befand sich das von europäischen Ingenieuren entwickelte Spacelab – ein Raumlabor, das Wissenschaftlern ermöglichte, über mehrere Tage unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit zu forschen. Im Verlaufe des Fluges, bei dem sie 110 Mal die Erde umrundeten, führte die Besatzung 75 Experimente aus den Bereichen Physiologie, Materialwissenschaften, Biologie und Navigation durch.
Nach 168 Stunden Weltraumaufenthalt kehrten die drei europäischen Astronauten Ockels, Messerschmid und Furrer mit ihren fünf US-Kollegen zur Erde zurück. Am 9. September 1995 kam Prof. Reinhard Furrer während einer Flugshow auf dem Berliner Flugplatz Johannisthal beim Absturz eines Flugzeugs ums Leben.
Der erfolgreiche Einsatz des Sinn-Chronographen 140 S mit Lemania-Uhrwerk 5100 am Handgelenk von Reinhard Furrer blieb jedoch kein Einzelfall: Im Jahr 1992 begleitete ein Sinn-Chronograph 142 S den deutschen Astronauten Klaus-Dietrich Flade während der Mission Mir-92 an Bord der russischen Raumstation MIR (russisch für Frieden). Nur ein Jahr später gelangte das Modell bei der zweiten deutschen Spacelab-Mission D2 erneut in den Weltraum: An Bord des Space Shuttles Columbia absolvierte die 142 S während der zehntägigen Mission rund 6,7 Millionen Kilometer und 160 Erdumrundungen.
Nun präsentiert Sinn mit der 140 A S Jubiläum eine auf 300 Stück limitierte Chronographenuhr, die zwei bedeutende Meilensteine zelebriert: Zum einen das 65. Firmenjubiläum und zum anderen den bedeutenden Einsatz des Modells 140 S am Handgelenk von Reinhard Furrer während der Spacelab-Deutschland-1-Mission im Jahr 1985.
Im Zentrum der neuen Sinn 140 A S Jubiläum steht das automatisch aufziehende Sinn-Chronographen-Uhrwerk SZ01 mit einer Frequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und Sekundenstopp, das eine Weiterentwicklung des Valjoux 7750 darstellt. Hierbei wurde das Valjoux-7750-Chronographenkaliber so umkonstruiert, dass das Werk neben dem regulären zentralen Chronographensekundenzeiger nunmehr über einen springenden 60-Minuten-Chronographenzeiger im Zifferblattzentrum verfügt. Damit zählt das Sinn-Chronographen-Uhrwerk SZ01 zusammen mit dem regulären Stunden- und Minutenzeiger ganze vier zentrale Zeiger auf einer Achse und ermöglicht dadurch ein intuitives und genaueres Ablesen von Stoppzeiten.
Diese Konstruktion verbesserte die Ablesbarkeit in zweierlei Hinsicht: Zum einen konnten nun 60 statt der üblichen 30 Minuten pro Zeigerumlauf gemessen werden, zum anderen erstreckte sich die zugehörige Minutenstopp-Skala über den gesamten Umfang des Zifferblatts. Diese klare Ablesbarkeit teilt das SZ01 mit dem inzwischen nicht mehr produzierten Kaliber Lemania 5100. Darüber hinaus runden eine Datumsanzeige bei 3 Uhr, ein 12-Stunden-Totalisator bei 6 Uhr und die kleine Sekunde bei 9 Uhr das Zifferblatt ab. Chronographenminuten- und Chronographensekundenzeiger sind mit Tagesleuchtfarbe in Gelborange belegt und heben sich deutlich vom mattschwarzen Zifferblatt ab.
Die Sinn 140 A S Jubiläum präsentiert sich mit einem Edelstahlgehäuse, das über eine Kombination aus polierten und satinierten Flächen verfügt sowie 44 mm im Durchmesser und 15,5 mm in der Höhe misst. Die sogenannte Tegiment-Technologie, die dem Gehäuse eine besonders kratzfeste Oberfläche verleiht, bildet die Grundlage für die zusätzliche schwarze Hartstoffbeschichtung (PVD), um das Abplatzen der Beschichtung weitgehend zu vermeiden und die Abnutzung zu reduzieren. Dreht man die Uhr um, erkennt man eine Gravur des deutschen Missionsemblems der ersten deutschen Spacelab-Mission D1. Das Emblem besteht aus einem großen „D“ mit einer „1“ in der Mitte, vor dem eine Raumfähre mit Außentank und Feststoffraketenboostern zu sehen ist.
Die Drücker und die Krone sind mit dem D3-System (direkt doppelt dichtend) ausgestattet, bei dem Drückerstifte und Kronenwellen direkt in einer feingeschlichteten Gehäusebohrung geführt und abgedichtet werden. Dadurch entfällt die bei konventionellen Konstruktionen verwendete Führungshülse, der sogenannte Tubus, dessen zusätzliche Abdichtung ein erhöhtes Risiko für Gasdiffusionen und Undichtigkeiten darstellt.
Abgerundet wird das technische Gesamtkonzept durch die Ar-Trockenhaltetechnik, eine Sinn-Technologie zur Reduzierung der Alterungsprozesse im Inneren der Uhr, die mit drei Elementen arbeitet: mit einer Trockenkapsel, einer Schutzgasfüllung sowie den EDR-Dichtungswerkstoffen. Insgesamt sorgen diese Technologien für eine Wasserdichtigkeit und Druckfestigkeit bis 10 bar (100 Meter) sowie Unterdrucksicherheit.
Die Sinn 140 A S Jubiläum wird in einem Doppeletui geliefert. Zum Lieferumfang gehören ein schwarz-gelbes Lederarmband, ein massives Edelstahlarmband mit Bandlängen-Feinverstellung sowie ein Bandwechselwerkzeug und Ersatzfederstege.
Die Sinn 140 A S Jubiläum ist auf 300 Exemplare limitiert und zu einem Preis von 5.490 € erhältlich.
Sinn
140 A S Jubiläum
140.050
Edelstahl, poliert und satiniert, schwarze Hartstoffbeschichtung auf tegimentiertem Untergrund
Durchmesser 44 mm, Höhe 15,5 mm, Bandanstoß 22 mm, Gewicht ohne Band 118 g
Wasserdicht bis 10 bar (100 Meter)
Mattschwarz, Indizes sowie Stunden- und Minutenzeiger mit Leuchtfarbe, Stoppzeiger mit Tagesleuchtfarbe
Schwarz-gelbes Lederarmband, massives Edelstahlarmband
Sinn-Chronographenwerk SZ01 auf Basis der 7750-Architektur
Automatisch
K/A
28.800 Halbschwingungen pro Stunde (4 Hz)
Stunden, Minuten, kleine Sekunde, Datum, Chronograph mit springendem 60-Minuten-Zähler aus dem Zentrum, innenliegender Fliegerdrehring mit leuchtender Hauptmarkierung
EUR 5.490