Immer hochwertigere Uhrenfälschungen stellen die Schweizer Uhrenindustrie vor ein wachsendes Problem: Moderne Repliken sind teilweise nur noch schwer vom Original zu unterscheiden und gefährden damit nicht nur Umsätze, sondern auch das Vertrauen in die Marken. Das Schweizer Tech-Unternehmen Haelixa will mit ProofDNA genau hier ansetzen und die Echtheit einer Uhr mithilfe eines DNA-basierten Markers direkt im Material verifizierbar machen. Wir stellen das Konzept hinter der Haelixa ProofDNA Technologie vor und zeigen, wie der forensische Echtheitsnachweis in der Praxis funktionieren soll.

Warum Schweizer Uhren besonders attraktiv für Fälscher sind

Durch die Mischung aus Präzision, handwerklicher Qualität und ikonischen Formen genießen mechanische Schweizer Uhren International ein hohes Ansehen. Doch gerade diese Reputation macht sie zu einem Angriffsziel internationaler Fälscher.

Das gerade Mechanische Schweizer Uhren ins Visier von Fälschern rücken ist einfach zu erklären: Auf der Fälscherseite stehen zahlreiche emblematische Modelle bereit, die ikonische Formen und technische Merkmale liefern, während die kompakten Abmessungen Transport und internationalen Vertrieb erleichtern und hohe Margen ermöglichen. Auf der Nachfragerseite wirken dieselben Eigenschaften in umgekehrter Richtung. Käufer können zunehmend hochwertige Nachbildungen ikonischer Modelle zu einem Bruchteil des Originalpreises erwerben, umgehen mitunter jahrelange Wartelisten und erhalten zumindest nach außen einen vergleichbaren Prestige- und Wiedererkennungswert.

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Credit © OECD global customs seizure

Als Nährboden für das erstarkende Aufkommen gefälschter Luxusuhren gelten immer leistungsfähigere Fertigungstechnologien, zunehmend komplexere internationale Handelswege, der weitverbreitete Einsatz von Zwischenhändlern sowie der exponentielle Anstieg von Kleinsendungen infolge des E-Commerce, der neue Vertriebskanäle für gefälschte Uhren auf globalen Märkten entstehen ließ. Insgesamt sorgen diese Faktoren dazu, dass neue Lücken in den Kontroll- und Durchsetzungssystemen entstanden sind, die von Fälschern gezielt ausgenutzt werden.

Gerade der Onlinehandel ist für Fälscher besonders attraktiv, da das digitale Umfeld mehr Anonymität bietet und zugleich die psychologische Hemmschwelle für den bewussten Kauf gefälschter Uhren senkt. Durch den Onlinehandel hat sich zudem das finanzielle Risiko verlagert: Werden gefälschte Waren an der Grenze beschlagnahmt, trägt letztlich der Verbraucher den Verlust, da er die Ware zu diesem Zeitpunkt bereits bezahlt hat.

Credit © OECD global customs seizure

Wie stark die Schweizer Uhrenbranche von der zunehmenden Verbreitung immer hochwertigerer Fälschungen betroffen ist, verdeutlicht eine OECD-Studie aus dem Jahr 2025. Laut der Studie entfielen zwischen 2020 und 2021 52 % der weltweiten Zollbeschlagnahmungen gefälschter Uhren auf Schweizer Rechteinhaber. Allein 2021 erreichte der geschätzte Wert dieser Uhrenfälschungen 1,88 Milliarden US-Dollar und damit mehr als 40 % des Gesamtwerts aller gefälschten Waren, die Schweizer Schutzrechte verletzten. Zum Vergleich: Der geschätzte Wert von 1,88 Milliarden US-Dollar entsprach 7,7 % des gesamten Werts der regulären Schweizer Uhrenexporte im selben Jahr.

Credit © Haelixa

Auch die in der Studie ausgewerteten Beschlagnahmungen zeigen, wie vielfältig der Markt für gefälschte Schweizer Uhren ist: Kopiert werden zahlreiche Marken und Modelle in sehr unterschiedlicher Qualität. Nach Angaben von Experten des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) reicht das Spektrum je nach Zielmarkt von minderwertigen Imitationen bis hin zu nahezu identischen Repliken.

Superclones: Wenn Fälschungen kaum noch zu erkennen sind

Die qualitative Speerspitze der Uhrenfälschungen stellen sogenannte „Superclone Watches“ mit einer Preisspanne von circa 1.299 – 2.650 USD dar. Diese durch eine besonders detailgetreue Nachbildung entstehenden Repliken streben eine nahezu vollständige Übereinstimmung mit dem Original an und übernehmen unter anderem die exakten Gehäuseabmessungen, Saphirgläser und Keramiklünetten der jeweiligen Referenzen. Selbst bei den Uhrwerken kommen teils exakte Nachbauten etablierter Kaliber wie des Valjoux 7750, Sellita SW200 oder ETA 2824 oder gleich eine detailgetreue Fälschung eines Manufakturkalibers zum Einsatz.

Credit © Superclonewatches

„Superclone Watches“ aus sogenannten „Tier-1-Factories“ gehen dabei noch einen Schritt weiter und legen besonderen Wert auf eine möglichst originalgetreue Gehäuseveredelung, Zifferblattgestaltung und Funktionsweise der Uhrwerke. Mehrstufige Qualitätskontrollen sollen dabei unter anderem Sichtprüfungen, die Kontrolle der Ausrichtung einzelner Bauteile, Funktionstests des Uhrwerks sowie Prüfungen der Abdichtung sicherstellen. Das Ergebnis sind Fälschungen mit einer derart hohen Detailtiefe – einer der Hersteller von Super Clone-Uhren mit Sitz in Shenzhen, China gibt 95%-99% an –, dass sie teilweise nur noch von geschulten Experten oder den Marken selbst zweifelsfrei als solche identifiziert werden können.

Credit © Superclonewatches

Das eigentliche Risiko: verlorenes Vertrauen

Unter den zahlreichen wirtschaftlichen und sozialen Folgen von Uhrenfälschungen wiegt eine für eine Branche, die seit Jahrhunderten auf Vertrauen, Qualität und Markenwert beruht, besonders schwer: das Reputationsrisiko.

Dabei zeichnet sich zunehmend ein problematischer Trend ab: Auf der Käuferseite untergräbt der unwissentliche Erwerb gefälschter Uhren das Vertrauen in die betreffenden Marken. Denn häufig sind es die Käufer selbst, die von den Herstellern erwarten, die Echtheit eines Produkts unabhängig vom jeweiligen Kaufort garantieren zu können. Verschärft wird das Problem dadurch, dass Fälschungen heute zunehmend auch über legitime Kanäle in den Marktkreislauf gelangen – etwa durch Rückgaben, Reparaturen, Wiederverkäufe oder After-Sales-Services.

Haelixas Antwort: ein DNA-Echtheitsnachweis direkt am Material

Genau an dieser Problematik setzt Haelixa an. Das Schweizer Tech-Unternehmen wurde 2016 als Spin-off der ETH Zürich gegründet und hat sich auf die physische Rückverfolgbarkeit von Produkten spezialisiert. Mit einer patentierten DNA-basierten Technologie namens ProofDNA strebt Haelixa an, die Herkunft und Echtheit von Uhren entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette sowie über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg verifizierbar zu machen.

Credit © Haelixa

Mit der Haelixa ProofDNA will das Unternehmen dort ansetzen, wo andere Systeme wie Zertifikate, Seriennummern, QR-Codes, Hologramme oder Blockchain an ihre Grenzen stoßen: bei einem unkomplizierten, forensischen Echtheitsnachweis, der direkt mit dem Material der Uhr verbunden ist. Denn Zertifikate können gefälscht, Seriennummern kopiert und selbst Blockchain- oder NFC-Lösungen lediglich mit einem Datensatz verknüpft werden, ohne zwangsläufig die Echtheit der physischen Uhr selbst zu belegen. Die Haelixa ProofDNA hingegen soll genau diese Lücke schließen, indem die Kennzeichnung durch ein spezielles Verfahren direkt und untrennbar mit der Uhr verbunden wird – ein System, das wir uns im Folgenden genauer ansehen.

Haelixa ProofDNA: Wie die DNA an die Uhr kommt

Um Luxusmarken einen physischen Schutz auf Materialebene gegen Fälschungen, betrügerische Rückgaben und hochwertige Repliken zu bieten, entwickelte Haelixa mit ProofDNA ein ebenso simples wie ungewöhnliches System: Ein markenspezifischer DNA-Marker wird standardmäßig auf vier besonders kritische Komponenten einer Uhr aufgebracht, die über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg anfällig für Fälschung, Austausch oder Manipulation sind – Gehäuse, Lünette, Armband und Schließe.

Haelixa gibt zudem an, dass auch die einzelnen Komponenten, beispielsweise des Zifferblatts oder Uhrwerks, mit der DNA ausgestattet werden können. Um die den DNA-Marker auf die jeweiligen Komponenten der Uhr anzubringen, werden sie in ein DNA haltiges Bad eingetaucht, dass die DNA wie einen Film über die Teile legt. Dabei verteilt sich der unsichtbare Marker über die Oberfläche und verbindet sich direkt mit dem Material, ohne sichtbare Rückstände zu hinterlassen oder eine zusätzliche Reinigung beziehungsweise Politur zu erfordern.

Die dafür verwendete DNA basiert auf DNA-Strukturen von Schweizer Bergkräutern und ist laut dem Unternehmen praktisch unmöglich zu reproduzieren und resistent gegen Entfernung, Kopie oder Austausch. Solange das mit dem DNA-Marker versehene Teil an der Uhr angebracht ist, bleibt die DNA also über Verkauf, Wiederverkauf und Rückgaben mit dem Produkt verbunden. Dadurch soll sichergestellt werden, dass dessen Echtheit auch noch in 100 Jahren forensisch eindeutig identifizierbar ist.

Wie sich die Echtheit einer Uhr in 35 Minuten überprüfen lässt

Der DNA-Marker kann mithilfe eines speziell entwickelten Haelixa ProofDNA-Readers direkt vor Ort ausgelesen werden – sei es in der Boutique oder im Service Center der jeweiligen Marke. Der Testprozess lässt sich dabei vereinfacht mit einem Covid-Test vergleichen: Zunächst wird mit einem Abstrich eine Probe von dem jeweiligen Bauteil genommen, die anschließend mittels qPCR analysiert und vom ProofDNA-Reader ausgewertet wird.

Innerhalb von rund 35 Minuten soll so ein eindeutiges Ergebnis darüber vorliegen, ob der hinterlegte DNA-Marker auf dem Bauteil der Uhr nachgewiesen werden kann. Auf diese Weise können Marken die Echtheit ihrer Uhren und einzelner Komponenten direkt in ihren eigenen Boutiquen oder Servicezentren überprüfen.

Entscheidet sich eine Marke dazu, auch autorisierte Retail-Partner wie Bucherer oder Wempe mit ProofDNA-Readern auszustatten, zeigt sich eine weitere Besonderheit des Systems: Eigentümer des jeweiligen DNA-Codes bleibt stets die Marke selbst. Sie entscheidet damit auch, wer ihre Brand-DNA auslesen darf und unter welchen Bedingungen eine Authentifizierung erfolgen kann.

Dafür hat Haelixa seine ProofDNA-Reader nach einem sogenannten „Key-Lock-System“ konzipiert: Ein Reader kann nur jene DNA-Codes identifizieren, für die die entsprechenden Informationen im Gerät hinterlegt sind. Fehlt diese Zuordnung, lässt sich mit dem Reader nicht einmal feststellen, ob eine Uhr überhaupt mit Haelixa ProofDNA markiert wurde. Entscheidet sich eine Marke dazu, auch ihre Retail-Partner zur Authentifizierung zu autorisieren, stattet Haelixa diese mit den entsprechenden konfigurierten Readern aus. So lässt sich das System weltweit einsetzen, ohne dass dafür eine aufwendige Spezialschulung erforderlich sein soll.

Die Kontrolle bleibt bei der Marke

Ein weiterer wesentlicher Vorteil der Haelixa ProofDNA liegt in der hohen Eigenständigkeit der Marken bei seiner Anwendung. Sobald Haelixa den jeweiligen DNA-Marker produziert und geliefert hat, können die Manufakturen ihre Uhren unabhängig selbst markieren und später auch authentifizieren. Haelixa unterstützt sie dabei, den Markierungsprozess in die bestehenden Produktionsabläufe zu integrieren.

Wie die Haelixa ProofDNA Technologie anschließend eingesetzt wird, entscheidet die Marke selbst: Sie kann ProofDNA ausschließlich intern nutzen, etwa um bei Warenrücknahmen Fälschungen auszuschließen, oder die Möglichkeit einer einfachen Authentifizierung auch an Kunden und autorisierte Partner weitergeben.

Haelixa kann den DNA-Marker nicht nur für einzelne Marken, sondern auch für eigenständige Kollektionen oder sogar einzelne Uhren individualisieren. Entscheidend ist laut Haelixa jedoch die möglichst konsequente und dauerhafte Anwendung der Technologie, damit sich die Authentizität einer Uhr auch Jahrzehnte später noch forensisch nachweisen lässt. Darüber hinaus lässt sich jeder physische DNA-Marker mit digitalen Lösungen wie einem Digital Product Passport oder NFC-Systemen verknüpfen. Auf diese Weise kann Haelixa den physischen Echtheitsnachweis direkt mit einer digitalen Identität der Uhr kombinieren.

Auch gegenüber den Kunden behalten die Marken die Kontrolle darüber, wie sie ProofDNA einsetzen. Sie entscheiden selbst, ob mögliche zusätzliche Kosten in den Verkaufspreis einfliessen und ob der Einsatz der Technologie überhaupt nach außen kommuniziert werden soll. Ob der Echtheitsnachweis auf Materialebene damit lediglich im Hintergrund arbeitet oder bewusst als zusätzliches Vertrauenselement eingesetzt wird, liegt also bei der jeweiligen Marke.

Der Vorteil von ProofDNA gegenüber anderen Authentifizierungslösungen

Im Vergleich zu herkömmlichen Authentifizierungslösungen setzt der Materialnachweis mittels DNA-Markern also direkt am physischen Produkt an. Während Hologramme und Labels lediglich auf Echtheit hinweisen und vergleichsweise leicht nachgeahmt werden können, lassen sich auch Seriennummern oder QR-Codes kopieren und mit Fälschungen verknüpfen. Elektronische Kennzeichnungen wie RFID oder NFC ermöglichen zwar eine Identifikation und Rückverfolgung, können jedoch entfernt, geklont oder auf andere Produkte übertragen werden.

Digitale Systeme wie Blockchain oder Digital Product Passports dokumentieren wiederum die Produkthistorie, verifizieren aber nicht zwangsläufig das Objekt selbst. DNA-Marker sollen diese Lücke schließen: Da sie bereits während der Produktion unmittelbar auf beziehungsweise in das Material eingebracht werden, ermöglichen sie einen forensischen Nachweis der physischen Authentizität und erreichen damit laut Haelixa ein höheres Sicherheitsniveau als die genannten Alternativen.

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haelixa.com

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