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Mit seinem „Boutique Travel Guide“ nimmt Swisswatches die Community mit auf Reisen. In diesem Format zeigen wir nicht nur die Boutiquen, die einen Besuch lohnen, sondern tauchen auch in die Viertel ein, in denen sie zu Hause sind. Was hat die Stadt zu bieten? Wo findet man den besten Drink, ein besonders gutes Restaurant, vielleicht einen Geheimtipp? Ein Reiseführer für Uhrenliebhaber, die rund um ihren Boutique-Besuch wissen wollen, was sich sonst noch erleben lässt.

Van Cleef & Arpels versetzt einen stets in eine Art Märchenwald. Ob mit Uhren und Schmuck, am Stand auf der Watches and Wonders oder, wie an diesem Junitag, beim Betreten der ersten österreichischen Boutique der Maison am Wiener Kohlmarkt 3. Dass es uns gerade jetzt nach Wien zieht, hat einen besonderen Anlass: Seit dem 10. Juni läuft im MAK – Museum für angewandte Kunst die Ausstellung GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection, ein Dialog zwischen der 120-jährigen Geschichte des Pariser Hauses und einer der bedeutendsten Sammlungen angewandter Kunst der Welt. Der Eröffnung dieser Schau widmen wir einen eigenen, zweiten Beitrag, den Sie hier finden. Hier aber, nur einen Steinwurf entfernt vom Stubenring, wo das Museum sich befindet, beginnen wir , wo sich der Geist beider Häuser zuerst begegnet ist: in der Wiener Boutique von Van Cleef & Arpels.

Erstaunlich ist: Der rote Faden, der die Ausstellung trägt, zieht sich auch durch diese Räume. Die Wiener Werkstätte entwickelte schon um 1900 eine radikal reduzierte, geometrische Formensprache und gilt damit als Wegbereiterin des Art Déco – jener Ästhetik, der Van Cleef & Arpels seinen unverwechselbaren grafischen Stil verdankt. Wo das MAK den Reißverschluss-Schmuck Zip neben einen Paravent von Koloman Moser stellt oder das patentierte Mystery Diamanten-Setting den Entwürfen der Hoffmann-Schule gegenüberstellt, schlägt die Boutique eine ähnlich inhaltliche Brücke in kleinerem Maßstab. Architektur, angewandte Kunst, Haute Joaillerie und Armbanduhren sprechen hier dieselbe Sprache – und, wie wir sehen werden, gilt das ganz besonders für die ungewöhnlichen Uhren der Maison.

Eine Bühne des Schönen und der Kultur

Dass Van Cleef & Arpels gut zu Wien passt, wird nirgends deutlicher als am Kohlmarkt, wenige Schritte von Hofburg und Staatsoper entfernt. Seit rund zwei Jahren ist die Maison an dieser Adresse verankert, eingebettet in ein Gebäude des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Schon die Fassade verrät die Handschrift: schwarz lackierte Paneele, verziert mit einem floralen Muster, das an die Lorbeer-Ornamente der Wiener Secession erinnert. Innen empfängt einen jene Mischung aus extravaganten Formen, zarten Mustern und zurückgenommener Atmosphäre, die das Art Déco der Maison ausmacht. Das ursprüngliche Boutique-Konzept der Manufaktur stammt aus den frühen 2000er-Jahren von Anouska Hempel – damals noch in Grün gehalten – und wurde über die Jahre weiterentwickelt, zuletzt unter Mitwirkung des französischen Innenarchitekten Patrick Jouin, der die charakteristischen gedämpften Vitrinen ins Boutiquennetz brachte. Geblieben ist Hempels Mobiliar; gewandelt hat sich die Farbwelt hin zu den heutigen satten, seidig schimmernden Goldtönen. Und ja, das Blattgold an den Wänden ist echt.

Ein Besonderes architektonisch Detail

Ein Detail, das es nur in der Wiener Boutique gibt: das wiederkehrende Mesh-Dekor der Wandpanele aus Metall wurde hier eigens entwickelt – inspiriert von einem Motiv einer Minutière aus dem Jahr 1929, das nicht zufällig an den Fächer des Mandarin Oriental erinnert und so bereits vor zwei Jahren die Zusammenarbeit mit dem Hotel vorzeichnete. Über allem thront ein prächtiger, eigens angefertigter Kronleuchter der Maison Veronese; Vitrinen aus Murano-Glas spiegeln die grafische Klarheit der Art-Déco-Linien. Dekorative Paneele des französischen Künstlers Martin Berger, inspiriert von den Landschaften Österreichs, ziehen sich durch die Räume, dazu der charakteristische schwarz-goldene Farbverlauf, goldene Blätter und – als moderne Note – spanischer Marmor. Auf rund 400 Quadratmetern über zwei Etagen ist das alles zusammen angelegt wie ein englisches Townhouse: Seitlich die Lounge, dahinter wechselnde Ausstellungsflächen und eine Bibliothek, die immer wieder neu bespielt wird.

Das Herzstück liegt etwas verborgen. Eine kleine Rotunde – vielleicht der schönste Teil der Boutique und in ihrer Idee dem Hamburger Ausstellungsraum verwandt – lässt sich für temporäre Ausstellungen bespielen, sei es Schmuck oder Uhren. Eine abtrennbare Lounge mit Tageslicht schließt sich daran an, natürliches Licht ist beim Betrachten von Steinen und Zifferblättern unverzichtbar.

Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der wandelbare Dining Room, hinter dessen verspiegelter Wand sich eine kleine Küche verbirgt; an seinen Wänden fangen zwei in stilisierter One-Stroke-Technik gefertigte Paneele die Großglockner-Landschaft ein – ein lokaler Akzent, der die französische Farbwelt der Maison mit österreichischem Kolorit verbindet.

Ausgewählte mechanische Zeitmesser

So sehr die Maison für ihren Schmuck bekannt ist – „die Uhren ticken überall mit“, wie es beim Rundgang augenzwinkernd heißt –, auch in Wien lohnt der Blick auf das Thema. Denn auf der Watches and Wonders 2026 hat Van Cleef & Arpels unter dem Leitthema „Poetry of the Heavens“ seine maskuline Midnight-Linie um zwei Stücke erweitert, die wie geschaffen scheinen für diesen Ort zwischen Kunst und Kosmos.

Die von Swisswatches bereits ausführlich besprochene Midnight Heure d’Ici & Heure d’Ailleurs interpretiert die erstmals 2014 vorgestellte Zwei-Zonen-Uhr neu. Im 38 Millimeter messenden Roségehäuse trifft ein satt schimmerndes braunes Emailzifferblatt – ein für die Maison gänzlich neuer Farbton, gefertigt von einem Genfer Atelier. Poetisch ist das Zusammenspiel von springender Stunde und retrograder Minute: Heure d’Ici oben, Heure d’Ailleurs unten: zwei Zeitzonen, die synchron springen und das Lesen der Stunde zur gedanklich zum Reisen einladen. Auf dem geschlossenen Gehäuseboden erzählt eine guillochierte Sonne mit dem Modellnamen, darunter Mond und Sternenhimmel, von der „Poetry of Time“-Philosophie des Hauses.

Noch unmittelbarer schlägt die Midnight Jour Nuit Phase de Lune den Bogen zur Ausstellung im MAK. Das 42-Millimeter-Gehäuse aus Weißgold beherbergt ein in vier Jahren hausintern entwickeltes Automatikwerk mit zwei übereinanderliegenden Komplikationen: einer Tag-Nacht-Anzeige und einer Mondphase – einer Funktion, die bei Van Cleef & Arpels bis ins Jahr 1929 zurückreicht, eben jenes Jahr, dessen Minutière-Motiv das Mesh-Dekor der Wiener Boutique prägt. Auf Knopfdruck dreht sich das Zifferblatt in einer rund zehnsekündigen „on-demand“-Animation und gibt die aktuelle Mondphase frei, selbst wenn der Erd-Trabant gerade unter dem Horizont steht; der Gehäuseboden zeichnet die Topografie des Mondes nach. Im MAK findet man dazu passende Hals-Anhänger aus dem Jahr 1969 mit einer stilisierten Mondoberfläche und einem Rubin genau an dem Punkt, wo die Amerikaner landeten.

Handwerkskunst und die besten Steine

Und wer die Geschichte des Hauses als Uhrensammler vielleicht nicht kennt, sollte sich zumindest einige Dinge merken: 1926 wurde Renée Puissant, die Tochter des Gründerpaars, zur künstlerischen Direktorin berufen und prägte jenen Stil, der das Haus bis heute auszeichnet. Aus dieser Zeit gingen die Schmuck-Ikonen hervor: Die Technik des Mystery Settings, die 1933 patentierte Minaudière, das wandelbare Collier Zip und das Alhambra-Motiv, das heute so beliebt ist.

Was für Freunde guter Edelsteine besonders interessant ist: Hinter allem steht ein kompromissloser Anspruch an Material. Mit Vorliebe verwendet die Maison Steine vom Typ IIa, die keine Spur von Stickstoff in der Kristallstruktur tragen und damit von ausgesuchter Reinheit sind – geschliffen stets in dreifach exzellenter Ausführung, in Proportion, Facettenanlage und Politur.

Niemand wundert es, dass Van Cleef auch in Deutschland wächst: Den Anfang machte München, gefolgt von Frankfurt am Main und – im vergangenen Jahr – Hamburg, wo die Maison erstmals in Europa die gesamte Fassadenfront dem Neuen Wall gestalten durfte. Wien fügt diesem Netz eine von Oper und Ballett geprägte Note hinzu: Als Hauptsponsor des Wiener Staatsballetts – unter der neuen Direktorin Alessandra Ferri, einer Freundin des Hauses – und mit dem internationalen Tanzfestival Dance Reflections by Van Cleef & Arpels pflegt das Haus jene kulturelle Verankerung, die in den klassischen, schöngeistigen Märkten so gut aufgehoben ist.


Van Cleef & Arpels Boutique Wien – Kohlmarkt


Adresse:

Kohlmarkt 3, 1010 Wien, Österreich

Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag 10:00 – 18:30 Uhr
Samstag 10:00 – 18:00 Uhr

Für einen Besuch empfiehlt sich – auch wenn Walk-in-Gäste willkommen sind – ein Termin, idealerweise mit ein bis zwei Stunden Zeit.


Lokale Tipps für den perfekten Wien-Ausflug


Mandarin Oriental, Vienna

Für ein Wiener Wochenende ist das Hotel für Van Cleef & Arpels Fans gesetzt, wie wir weiter oben angedeutet haben: Das 2025 eröffnete Mandarin Oriental im ersten Bezirk. Die Verbindung reicht tiefer als gute Nachbarschaft – sie war von Anfang an einkalkuliert. Schon das Mesh-Dekor der Boutique nimmt mit seinem Fächer-Motiv Bezug auf das Haus. Heute kooperieren beide eng: Van Cleef & Arpels unterstützt die Residences und die Lobby des Hotels, zeigt dort in einer permanenten Vitrine Stücke aus dem eigenen Kosmos und bespielt über das Jahr verteilt ein kleines gemeinsames Programm. Wer den Aufenthalt richtig wienerisch krönen möchte, verbindet ihn mit einem Ballettabend an der Staatsoper – mehrere der gefeierten Solisten sind, wie die Boutique-Direktorin selbst, aus München an die Donau gewechselt, und für manche Vorstellung reisen Fans eigens an.


atelier 7 – Izakaya & Bar

Die Hotelbar des Mandarin Oriental ist ein Erlebnis für sich – und ein Geheimtipp, der zum schöngeistigen Wien passt. Für die aktuelle Cocktailkarte ließ sich der Barchef von einem Besuch im Belvedere inspirieren und übersetzte Gemälde in Geschmack, Textur und Komposition – ausgewählte Drinks, die bildende Kunst ins Glas bringen. Das Interieur verbindet Jugendstil mit Japonismus und greift damit jenen kulturellen Austausch der Jahrhundertwende auf, der auch die Wiener Moderne befeuerte – man denkt dabei auch an Koloman Mosers von japanischen Einflüssen erzählenden Paravent in der MAK-Ausstellung.


Restaurant Herzig

Für das Dinner empfehlen wir das Herzig von Sören Herzig. Der gebürtige Cuxhavener, lange in Hamburg zu Hause, verknüpft europäische Hochküche, mediterrane Aromen und asiatische Techniken zu einer einfallsreichen, lustvollen Küche – fein, bunt und fröhlich, und das auf höchstem Niveau: Inzwischen wurde er mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Wie bei der Maison spielt auch hier die Kunst eine tragende Rolle: Befreundete Wiener Künstler haben die Wände gestaltet, und zwischen Teller und Bild entsteht ein steter Dialog. Das Herzig liegt etwas außerhalb des Zentrums im 15. Bezirk und ist Mittwoch bis Samstag abends geöffnet. Eine Reservierung wird empfohlen.


Kultureller Tipp: MAK – Museum für angewandte Kunst

Den krönenden Abschluss bildet selbstverständlich das MAK mit GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection, zu sehen bis zum 27. September 2026 in der Ausstellungshalle am Stubenring 5. Rund 500 Exponate in sechs Kapiteln – von Fernweh über Architektur, Rhythmus und Bühne frei! bis Metamorphose und Natur & Kosmos – lassen Juwelierkunst und Sammlungsobjekte in einen überraschenden Dialog treten, geführt durch eine vom Atelier Tsuyoshi Tane als Labyrinth gestaltete Szenografie.

Doch das MAK lohnt sich auch ohne die Schau. 1863 gegründet, ist es das zweitälteste Museum für angewandte Kunst der Welt und spannt den Bogen von Design, Architektur und Mode bis zur zeitgenössischen Kunst. Es verwahrt das Archiv der Wiener Werkstätte mit tausenden Entwürfen und Stoffmustern, beherbergt eine weltberühmte Teppichsammlung mit seltenen Knüpfteppichen aus dem Besitz des österreichischen Kaiserhauses. Ein Haus, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft produktiv verbindet und damit die ideale Ergänzung zu einem Boutique-Besuch von Van Cleef & Arpels darstellt.


vancleefarpels.com

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