TAG Heuer Monza Flyback Chronometer zum 50. Jubiläum: Carbongehäuse, historische Farben, Flyback-Kaliber und limitiert auf 500 Exemplare.

Journalisten und eingefleischte Uhrensammler tendieren ja gerne dazu, immer das Haar in der Suppe finden zu wollen. Die Uhr ist zu groß, zu klein, technisch zwar toll, aber leider nicht ästhetisch umgesetzt, zu dick, zu dünn, nicht verfügbar oder zu teuer. Es gibt aber auch in der Uhrenwelt ein paar Unicorns, bei denen einfach alles zu stimmen scheint. Für mich ist Frederique Constant eine dieser Marken, bei denen ich per se nichts auszusetzen habe. Seit Jahren überraschen sie mich mit einer erstaunlich moderaten Preispolitik für sehr viel Uhr.
Ein Ewiger Kalender für unter 10.000 Euro mit Manufakturwerk und einwandfreier Verarbeitung, der am Handgelenk einen echten Eindruck hinterlässt. Dasselbe gilt für den Worldtimer des Hauses für sage und schreibe 4.595 Euro. 2024 stellte die Marke dann eine neue Dress Watch Linie mit einem sehr eigenständigen Zifferblattdesign vor, die ganz in Frederique-Constant-Manier zumindest optisch auf voller Linie überzeugte. Wäre da nicht ein Haken, der im Inneren der Uhr liegt. Denn die allererste Moneta von Frederique Constant erschien mit einem Quarzwerk – letztes Jahr wurde sie dann um eine Version mit Solarbetriebenem Werk erweitert. Dazu muss man wissen, dass Frederique Constant sowie Alpina zur Citizen Group gehört und man bei Alpina schon länger mit der Solarwerkstechnik experimentiert.
Aber für uns Traditionalisten war es natürlich anfangs nicht nachvollziehbar, dass man so eine ästhetische und optisch handwerkliche Uhr mit einem weniger spektakulären und seelenlosen Uhrwerk ausstattet. Auch hier lohnt sich allerdings der Blick über den Tellerrand. Frederique Constant ist zwar hierzulande und in Europa in erster Linie für ihre mechanischen Uhrwerke bekannt, aber in Asien und dem Rest der Welt (ver)kauft man überwiegend Quarzmodelle der Marke. Somit kann man – zumindest aus betriebswirtschaftlicher Sicht – die Entscheidung eines batteriebetriebenen Modells für eine derart gefällige Uhr etwas besser nachvollziehen.
Jetzt stellt Frederique Constant im Rahmen der Geneva Watch Days zum ersten Mal eine mechanische Variante der Moneta vor – und sogar mit Handaufzugswerk. Wir haben uns die neue Dress Watch genauer angesehen und können schon so viel verraten, dass mal wieder nicht nur der Preis überrascht.
Wer die Uhr zum ersten Mal sieht, denkt, sie stammt aus einer anderen Zeit. Auch der Name „Moneta“ klingt eher nach Vintage-Klassiker, als hätte Frederique Constant eine alte Ikone wieder aufgelegt. Doch der Eindruck trügt, zumal das Uhrenhaus noch keine 40 Jahre jung ist.
Als Frederique Constant im Herbst 2024 die Linie Classics Moneta erstmals einführte, setzte die Genfer Manufaktur auf ein architektonisches Detail, das der Kollektion ihren Namen gab. Anstelle der klassischen äußeren Lünettenriffelung integrierten die Designer ein fein gekehltes Rillenmuster direkt in den inneren Höhenring (Rehaut) des Zifferblatts. Die präzisen Einkerbungen erinnern an die Riffelung am Rand einer Prägemünze, wodurch auch der Name (vom lateinischen und italienischen Wort moneta = Münze abgeleitet) entstand. Mit der Classics Moneta Handwinding stellt Frederique Constant nun das erste mechanische Modell der Reihe vor, limitiert auf 999 Stück.
Die neue Moneta Handwinding wird vom Kaliber FC-435 angetrieben, ein manuell aufzuziehendes Uhrwerk, das vom Uhrwerksspezialisten La Joux-Perret in La Chaux-de-Fonds entwickelt und exklusiv für Frederique Constant modifiziert wurde. Sowohl Frederique Constant, das seit 2016 zur japanischen Citizen-Gruppe gehört, als auch La Joux-Perret sind feste Bestandteile desselben Unternehmensverbunds. Diese Konstellation ermöglicht den Transfer von fertigungstechnischem Know-how innerhalb der Gruppe und führt zu einem exklusiven Mechanikkaliber mit hohem Eigenfertigungsanteil.
Das Kaliber FC-435 arbeitet mit einer Schwingfrequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde (4 Hz) und ist auf 29 Steinen gelagert. Die Gangreserve beträgt 63 Stunden, sprich, der Träger muss sich zweieinhalb Tage lang keine Gedanken um den Aufzug seiner Uhr machen. Die Entscheidung für einen manuellen Aufzug ist sowohl stilistischer als auch konstruktiver Natur. Der Verzicht auf eine Schwungmasse reduziert die Bautiefe des Gehäuses deutlich und gibt durch den Saphirglasboden die Sicht auf die Werkarchitektur frei, die sich durchaus sehen lassen kann.
Denn durch den transparenten, verschraubten Gehäuseboden zeigt sich die Dekoration des Kalibers. Die Brücken sind mit klassischen Genfer Streifen (Côtes de Genève) verziert. In die Zentralkomponente des Werks ist das Wappen von Frederique Constant eingraviert. Dieses Emblem stellt seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1988 das offizielle Herkunftssiegel der Marke dar.
Ein ähnliches Handaufzugskaliber wurde 2012 bereits in der Vintage Rally La Carrera Panamericana verbaut. Damals noch nicht von La Joux-Perret gebaut, sondern von der ETA (Unitas 6498) mit einer Gangreserve von lediglich 42 Stunden. Die Gangabweichung betrug etwa 0/+20 Sekunden / Tag. Im neuen Kaliber FC-435 beträgt die durchschnittliche Gangabweichung zirka +/- 7 Sekunden pro Tag (und 63 Stunden Gangreserve). Das neue Uhrwerk hat also eine deutliche Modifikation erhalten.
Die Zifferblätter der quarzbetriebenen Klassik Moneta Mondphase fand ich bei ihrer Lancierung schon wirklich sehr gut umgesetzt; erhältlich mit einem blauen sunray Zifferblatt oder einem mattschwarzen Zifferblatt in einem gelbgoldenen Gehäuse.
Das Zifferblatt der neuen Classics Moneta Handwinding verfügt über eine körnige Oberflächenstruktur (grained finishing), die einfallendes Licht diffus bricht. Der Farbverlauf entwickelt sich von einem warmen Lachston in der Mitte zu einem tiefen Schwarz am Zifferblattrand. Diese Abdunkelung zur Peripherie hin verstärkt den Kontrast zu den applizierten, diamantgeschnittenen und spiegelpolierten Indizes und hebt den inneren Münzrand-Ring optisch ab. Auch wenn diese Zifferblatt-Variante bei Uhren-Enthusiasten sehr gut ankommen wird, würde ich persönlich die mechanische Variante auch gerne in weiteren Ausführungen mit einem blauen oder schwarzen Zifferblatt wie in den nicht-mechanischen Modellen sehen. Aber ich bin optimistisch, dass die Marke in Zukunft weitere Ausführungen lancieren wird.
Die Zifferblattelemente sind überwiegend klassisch gehalten und orientieren sich an den Dress Watches der 1950er Jahre. Zwei zentral angebrachte, silberfarbene Dauphine-Zeiger indizieren Stunden und Minuten. Eine kleine Sekunde bei 6 Uhr komplettiert die Anzeige und bewahrt die Ausgewogenheit des Zifferblatts, da bewusst auf ein Datumsfenster verzichtet wurde.
Das Gehäuse besteht aus zweiteiligem, hochpoliertem Edelstahl und misst 38,50 mm im Durchmesser bei einer Gesamthöhe von 10,13 mm. Damit bewegt sich der Zeitmesser in klassischen Dress-Watch-Proportionen. Ich durfte sie bereits kurz ans Handgelenk legen und sie sitzt einwandfrei. Das Zifferblatt wird von einem gewölbten, entspiegelten Saphirglas geschützt. Das Gehäuse ist bis zu einem Druck von 5 ATM (entspricht 50 Metern Wassertiefe) geschützt. Der Stahlboden ist neben dem Saphirglasfenster mit der individuellen Gravur „ONE OF 999“ versehen, welche den Sammlerstatus der Serie kennzeichnet. Ergänzt wird die Ästhetik durch ein schwarzes Alligatorlederarmband mit kleinen Rundschuppen, Ton-in-Ton-Naht und einer Stiftschließe.
Schickes Design, hochwertige Verarbeitung, ein einwandfreies Uhrwerk, Alligatorlederarmband und Limitierung für 1.950 Euro. Frederique Constant überrascht auf ein Neues mit einem erstaunlich großzügigen Preis für viel Uhr. Und ich kann auch dieses Mal wieder nichts finden, was ich daran auszusetzen hätte.
Frederique Constant
Classic Moneta Handwinding
FC-435BBL3S6
Edelstahl
Durchmesser: 38,50 mm
Höhe: 10,13 mm
5 ATM / 50 m
Körniges Zifferblatt mit Farbverlauf von lachsfarben im Zentrum zu Schwarz am Rand; geriffelter Innenring im Münzrand-Stil; applizierte, diamantgeschliffene Indizes; silberfarbene Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger; kleine Sekunde bei 6 Uhr
Schwarzes Alligatorlederband mit kleinen Rundschuppen und Ton-in-Ton-Nähten; Dornschliesse
Frederique Constant Kaliber FC-435, Handaufzug; von La Joux-Perret in La Chaux-de-Fonds gefertigt und exklusiv für Frederique Constant personalisiert
Handaufzug
63 Stunden
28.800 Halbschwingungen pro Stunde (4 Hz)
Stunden, Minuten, kleine Sekunde