Auf wenige andere Beiträge haben wir in jüngster Zeit so viel Resonanz bekommen. Was die Swisswatches Community von der neuen Omega Speedmaster 38 hält.

Die Tudor Northflag kehrt 2026 als Referenz M9140G1A0U-0001 zurück. Geblieben sind das kantige Erscheinungsbild und das integrierte Stahlband, neu sind eine GMT-Funktion, ein 24-Stunden-Rehaut und die Zertifizierung als Master Chronometer. Damit erhält ausgerechnet jenes Modell eine Neuauflage, mit dem Tudor 2015 den entscheidenden Schritt zum eigenen mechanischen Uhrwerk machte.
Als Tudor die Northflag 2015 vorstellte, unterschied sie sich deutlich von den historisch geprägten Taucheruhren, die damals das Erscheinungsbild der Marke dominierten. Ihr schwarzes Zifferblatt, die gelben Akzente und das integrierte Band wirkten bewusst zeitgenössischer und moderner als der Rest der Kollektion. Entscheidender war jedoch, was unter dem Saphirglasboden arbeitete: Mit dem MT5621 präsentierte Tudor erstmals ihr erstes Manufakturkaliber, das die Marke selbst entwickelt und gefertigt hatte. Die Northflag markierte damit den Beginn einer Konstruktionsstrategie, die bis heute einen großen Teil der Kollektion prägt.
Zum offensichtlichen Kassenschlager wurde die erste Tudor Northflag allerdings nicht und verschwand damit 2021 aus dem Programm. Das ändert jedoch nichts an ihrer Bedeutung für Tudors technische Entwicklung: Sie zeigte früh, dass Tudor auch jenseits vertrauter Taucheruhren-Silhouetten eine eigenständige moderne Sportuhr entwerfen konnte. Mit der Neuauflage nimmt Tudor den eigenständigen Entwurf von 2015 nun wieder in ihre Produktpalette auf.
Für die Herkunft bzw. den Hintergrund der Northflag müssen zwei Geschichten voneinander getrennt werden. Den Namen und den funktionalen Expeditionsbezug liefert die British North Greenland Expedition von 1952 bis 1954. Damals gehörten Tudor-Uhren zur Ausrüstung der Teilnehmer und wurden unter arktischen Bedingungen eingesetzt. Die Formensprache stammt dagegen von der Ranger II aus dem Jahr 1973. Von ihr übernimmt die Northflag das integrierte Armband, die markante Gehäusegeometrie sowie wesentliche Motive des Zifferblatts und der Zeiger.
Diese Trennung macht das Design der Tudor Northflag deutlich nachvollziehbarer. Die Northflag greift den Expeditionsbezug der Fünfzigerjahre auf und verbindet ihn mit der Formensprache der Ranger II von 1973, ohne eines der historischen Vorbilder originalgetreu zu kopieren. Sie verbindet einen historischen Nutzungskontext mit einer deutlich späteren, kantigeren Ästhetik. Damit nimmt die Northflag im aktuellen Tudor-Programm eine eigenständige Position ein, bleibt ihren historischen Bezügen aber klar verbunden.
Das Edelstahlgehäuse misst 40 Millimeter im Durchmesser, 12,7 Millimeter in der Höhe und 48,8 Millimeter von Bandanstoß zu Bandanstoß. Das Edelstahlgehäuse misst 40 Millimeter im Durchmesser, 12,7 Millimeter in der Höhe und 48,8 Millimeter von Anstoß zu Anstoß. Hinzu kommen eine feststehende Stahllünette, gewölbtes Saphirglas und ein transparenter Gehäuseboden. Zusätzlich ist die Northflag in gewohnter Tudor-Manier bis 100 Meter wasserdicht.
Seine stärkste Wirkung entfaltet das Modell, wenn man es als geschlossenes Gestaltungssystem aus verschiedenen Perspektiven betrachtet: Das überwiegend satinierte, zweireihige Stahlband geht direkt in das Gehäuse über; polierte Fasen setzen kontrollierte Lichtkanten. Die T-fit-Schließe erlaubt fünf Positionen und insgesamt acht Millimeter Feinverstellung. Auf dem schwarzen Zifferblatt führen die großen Leuchtindizes aus Monoblock-Keramik, die kantigen Zeiger und gelbe Akzente die technische Designsprache fort. Das Datum sitzt bei drei Uhr. Besonders prägend ist das um 45 Grad geneigte Rehaut, dessen 24-Stunden-Skala dem breiten Zifferblatt zusätzliche Tiefe verleiht.
Die Northflag folgt damit nicht dem üblichen Bild einer GMT-Sportuhr mit auffälliger Drehlünette. Gehäuse, Rehaut und Band lesen sich vielmehr als zusammenhängende Architektur. Das unterscheidet sie auch optisch klar von Tudors Black-Bay-GMT-Modellen.
Der neu hinzugekommene 24-Stunden-Zeiger erhält durch den Expeditionshintergrund der Northflag einen konkreten Sinn, der über reines Flugreisen hinausreicht. Wo Polarnacht und Mitternachtssonne den gewohnten Wechsel von Helligkeit und Dunkelheit aufheben, erleichtert eine 24-Stunden-Anzeige die Einordnung von Tages- und Nachtzeit.
Der gelbe 24-Stunden-Zeiger zeigt auf dem umlaufenden Rehaut die Referenzzeit an. Das MT5652-U der Tudor Northflag ist darüber hinaus auch kein Unbekannter: Dasselbe GMT-Kaliber arbeitet bereits in der Pelagos FXD GMT. Es verfügt über eine integrierte GMT-Funktion, beidseitigen Automatikaufzug, eine Siliziumspirale und eine Frequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde. In der Northflag lässt es sich allerdings zusätzlich durch den Saphirglasboden betrachten. Zu sehen sind unter anderem der durchbrochene Wolframrotor und dessen radiale Verzierung.

Wie innerhalb der Tudor-Manufaktur gearbeitet wird, erfahren Sie hier in unserem Artikel.
Das MT5652-U ist sowohl COSC- als auch METAS-zertifiziert. Für das Prädikat Master Chronometer wird die vollständig montierte Uhr als ganzes geprüft und nicht lediglich das lose Uhrwerk. Im Mittelpunkt dieses Verfahrens stehen Präzision, Magnetfeldresistenz, Wasserdichtigkeit und Gangreserve. Die Northflag muss dabei eine tägliche Abweichung von 0 bis plus 5 Sekunden einhalten und auch einem Magnetfeld von bis zu 15.000 Gauß widerstehen.
Die Northflag wurde damit vor allem in technischer Hinsicht zeitgemäß an heutzutage vorkommende „Extremsituationen“ angepasst. Was früher eine Polarexpedition war, kann 2026 ebenso eine MRT-Sitzung im Krankenhaus sein, wo standardmäßig mit einer Feldstärke von ca. 15.000 Gauß gearbeitet wird. So bleibt die Northflag ihrem ursprünglichen Anspruch treu: ein präzises und widerstandsfähiges Instrument zu sein, auf das man sich verlassen kann.
Gegenüber dem Vorgänger gibt es allerdings zwei Abstriche: Die Gangreserveanzeige verschwindet vom Zifferblatt, und die Gangreserve fällt von rund 70 auf 65 Stunden.Im Alltag dürfte der Unterschied kaum ins Gewicht fallen, technisch und nominal bleibt er dennoch ein Rückschritt. Hinzugekommen sind wiederum die GMT-Komplikation, die 24-Stunden-Skala und die umfassendere Prüfung und Zertifizierung der fertigen Uhr.
Dass Tudor die Northflag im Jahr seines 100-jährigen Bestehens zurückbringt, verleiht dem Comeback zusätzliche Symbolik. Schließlich markierte gerade dieses Modell 2015 den Einstieg der Marke in die Entwicklung eigener Kaliber. Als Jubiläumsmodell weist Tudor die Neuauflage allerdings nicht aus. Ihre Rückkehr lässt sich vielmehr als Hinweis darauf lesen, dass neben Black Bay, Pelagos und Ranger wieder Raum für eine eigenständige, modern gezeichnete Sportuhr entsteht.
Die Tudor Northflag M9140G1A0U-0001 kostet in Deutschland 4.990 Euro und ist ausschließlich in Tudor-Boutiquen erhältlich. Bei den regulären Multibrand-Verkaufsstellen wird die Northflag allerdings nicht angeboten. Der exklusive Boutique-Vertrieb gibt der Northflag innerhalb der Tudor-Kollektion eine klare Sonderstellung.
Tudor
Northflag
M9140G1A0U-0001
Stainless steel, solid steel bezel, sapphire crystal case back
Diameter: 40 mm
Height: 12.7 mm
Lug-to-lug: 48.8 mm
100 m
Black, monoblock ceramic hour markers, yellow accents, 24-hour flange
Integrated stainless steel strap with a T-fit clasp and 8 mm fine adjustment
Tudor in-house calibre MT5652-U, COSC- and METAS-certified
Automatic, winds from both sides
65 hours
28.800 A/h (4 Hz)
Hours, minutes, seconds, date, GMT / second time zone
EUR 4.990