Viele Motorsportuhren erzählen vom Rennsport, ohne sich mechanisch mit ihm auseinanderzusetzen. Sie tragen Streifen, Startnummern, farbige Nähte oder Logos auf dem Zifferblatt und hoffen, dass die Nähe zur Strecke dadurch glaubwürdig wird. Die neue TAG Heuer Monaco Speed 12 geht einen anderen Weg. Sie benutzt die Architektur eines Auto Motors nicht als Dekoration, sondern als zentrales Prinzip der Zeitanzeige. Zwölf Kolben, angeordnet wie ein 12-Zylinder-Aggregat, übernehmen die Rolle der Stundenindizes. Das ist zunächst ein spektakulärer Einfall. Seine eigentliche Plausibilität gewinnt er jedoch erst im Gehäuse der Monaco: einer Uhr, die seit 1969 davon lebt, anders zu funktionieren als erwartet.

Kein Modell passt besser als die Monaco

Die Monaco ist seit jeher eine Uhr, die mit Konventionen wenig Geduld hatte. Als Heuer sie 1969 vorstellte, war sie der erste quadratische, wasserdichte Chronograph und zugleich Teil jener frühen Generation automatischer Chronographen mit dem Calibre 11. Ihre linksseitige Krone, das kantige Gehäuse und später die Verbindung zu Steve McQueen und Le Mans machten sie zu einer Uhr, die sich dem bis dato Gewohnten sichtbar entzog. Sie war nicht elegant im klassischen Sinne, sondern bewusst grafisch, technisch, fast stur in ihrer Form. Gerade deshalb findet die Speed 12 in der Monaco den passenden Rahmen. Die quadratische Architektur lässt die rotierenden Kolben nicht wie eine vom Rest isolierte Spielerei erscheinen, sondern macht sie zum Zentrum einer ganz bewusst inszenierten Mechanik.

Der Motor wird zur Zeitanzeige

Vorgestellt wird die Monaco Speed 12 zum Formula 1 Louis Vuitton Grand Prix de Monaco 2026. Das Timing ist offensichtlich gewählt, aber die Uhr verlässt den naheliegenden Weg des bloßen Grand-Prix-Sondermodells. Dass TAG Heuer heute als Official Timekeeper der Formel 1 und als Partner von Oracle Red Bull Racing auftritt, liefert den aktuellen Kontext. Entscheidend ist aber nicht ihre Nähe zur Rennstrecke, sondern die uhrmacherische Übersetzung dessen in die Funktion einer Uhr: Denn bei der Speed 12 wird der Motor funktional in die Anzeige mit eingebunden.

Spin Time unter der Saphir-Haube

Im Zentrum steht das automatische Calibre TH84-00, entwickelt und produziert von La Fabrique du Temps Louis Vuitton. Dahinter steckt mehr als ein Konzernverweis: La Fabrique du Temps, gegründet von Michel Navas und Enrico Barbasini, gehört innerhalb von LVMH zu den Werkstätten, die komplizierte Anzeigen nicht nur konstruieren, sondern auch mit einer gewissen Lust am mechanischen Theater behandeln. Die technische Grundlage der Speed 12 ist das Spin-Time-Prinzip: Statt die Stunde über einen Zeiger oder ein Fenster zu zeigen, wird sie über rotierende Elemente sichtbar gemacht.

Bei der Monaco Speed 12 sind diese Elemente als zwölf rhodinierte Kolben ausgeführt. Sie sitzen kreisförmig um das Zifferblatt, sandgestrahlt, mit drei vertikal-satinierten Linien und schwarz lackierten arabischen Ziffern. Vollendet der zentrale Minutenzeiger eine Umdrehung, setzt eine kleine Choreografie ein: Das nächste Kolben-Element dreht sich um 90 Grad und zeigt die neue Stunde, während das vorherige Element in seine Ausgangsposition zurückkehrt. Im Grunde ist das eine springende Stunde. Nur springt hier keine Zahl in einem Fenster, sondern ein mechanisches Bauteil kippt sichtbar in Position, weshalb die Stunde dadurch weniger angezeigt als ausgelöst wirkt.

Das unterscheidet die Uhr von jenen Motorsportmodellen, bei denen das Automobilthema am Ende vor allem auf dem Armband oder der Farbpalette stattfindet. Hier ist der Motor die Architektur der Zeit.

Ein Quadrat mit Maschinenraum

Optisch lebt die Speed 12 von einem Grundkonflikt, der zur Monaco gehört: Das runde Werk sitzt wie ein technischer Kern in der quadratischen Gehäusearchitektur. Das 40 Millimeter große Gehäuse besteht aus fein gebürstetem und poliertem Grade-5-Titan. Darin sitzt das runde Werk wie ein technischer Einsatz in einem Rahmen. Eine feste Saphirlünette und ein gewölbtes Saphirglas öffnen den Blick auf die Kolben, aber auch der verschraubte Saphirglasboden aus Titan legt die Mechanik offenkundig frei. An den vier Ecken tragen offene, schwarz DLC-beschichtete Bögen das Werk. Diese Bögen schaffen Tiefe und lassen die Uhr transparenter wirken, als man es von einer klassischen Monaco erwartet und bislang gewohnt ist.

Zudem ist das Zifferblatt offen gearbeitet, aber bei weitem nicht beliebig skelettiert. Der zentrale Bereich ist rhodiniert und mit vertikalen Linien versehen, die an eine sportliche Motorabdeckung erinnern sollen. Eine rhodinierte zentrale Brücke mit polierten Fasen stabilisiert diese Komposition. Der schwarze opaline Minutenring mit weißer Minuterie, roten quadratischen Indizes und poliertem rhodiniertem Ring sorgt dafür, dass die Uhr trotz aller mechanischen Aktivität, am Ende des Tages noch ablesbar bleibt. Darauf bewegt sich der fein gebürstete, offen gearbeitete Minutenzeiger mit rot lackierter Spitze, der wie die Nadel aus einem manuellen Tacho-Instrument im Auto-Cockpit wirkt.

Jeden Tag V12 fahren?

Am Handgelenk dürfte die Monaco Speed 12 kein unauffälliger Begleiter sein. Zwar hilft Grade-5-Titan in Sachen Gewicht, und 40 Millimeter klingen für den Gehäuse-Durchmesser einer Monaco nicht überzogen. Doch die Höhe des gewölbten Glases, die transparente Konstruktion und die bewegten Stundenkolben dürften die Uhr optisch sehr präsent erscheinen lassen. Das schwarze Kautschukband mit Textilprägung und roter Handnaht nimmt den technischen Charakter der Uhr auf, ohne ihn in Richtung Rennfahrer-Kostüm zu treiben. Die Faltschließe aus Titan bleibt dabei angenehm unsentimental, was der Uhr ein besonders ernstzunehmendes Auftreten verleiht und sich klar von oberflächlichen Racing-Editions abgrenzt. 

Die Wasserdichtigkeit von 30 Metern erinnert allerdings daran, dass diese Uhr eher für Vitrinen, Sammlerabende und gelegentliche Ausfahrten gemacht ist als für einen harten Alltag.

Preis & Verfügbarkeit

Auch der Preis ordnet sie klar ein: Mit 77.000 EUR ist die Monaco Speed 12 keinesfalls eine Uhr für jedermanns Budget. Limitiert ist TAG Heuers Referenz WBW2180.FT8133 auf 50 einzeln nummerierte Exemplare und zum Kauf verfügbar ab Dezember 2026.


tagheuer.com


Eigenschaften

MARKE

TAG Heuer

MODELL

Monaco Speed 12

REFERENZ

WBW2180.FT8133

GEHÄUSE

Titan Grad 4

DIMENSIONEN

Durchmesser: 40 mm

WASSERDICHTIGKEIT

3 bar (30 meter)

ZIFFERBLATT

Openworked Zifferblatt: Mittlere Brücke rhodiniert mit vertikal verlaufenden Linien und polierten Abschrägungen. Schwarze Opalin-Minuterie mit weiß aufgedruckter Minutenskala.

ARMBAND

Schwarzes Kautschukarmband mit Textilprägung und roter Kontrastnaht.
Faltverschluss aus fein gebürstetem und poliertem Titan Grad 5 mit doppelten Sicherheitsdruckknöpfen

UHRWERK

TH84-00

AUFZUG

Automatik

GANGRESERVE

45 Stunden

FREQUENZ

28’800 Halbschwingungen (4 Hz)

FUNKTIONEN

Spin-Time

PREIS

EUR 77,000

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