Die neue A. Lange & Söhne Triple Split in Platin verbindet das Kaliber L132.1 mit einem dreifachen Rattrapante für Messungen bis zwölf Stunden.

A. Lange & Söhne verleiht der 1815 AUF/AB im Jahr 2026 ein kleineres Format. Die beiden neuen Ausführungen kombinieren ein 37,5 Millimeter großes Gehäuse aus Rot- oder Weißgold mit einem blauen Zifferblatt und argentéfarbenen Totalisatoren. Jede Variante ist auf 300 Exemplare limitiert. Angetrieben werden beide Modelle weiterhin, wie auch die 39-Millimeter-Varianten, vom Handaufzugskaliber L051.2.
Die 2013 lancierte Generation maß 39 Millimeter im Durchmesser; die neuen Editionen kommen nun auf 37,5. Was nach einer sehr geringen Differenz klingt, verändert bei der 1815 AUF/AB mit ihrer großen Zifferblattöffnung das Verhältnis von Gehäuse, Anzeigen und freier Fläche deutlich. Zusammen mit der neuen Farbgebung entsteht so eine merklich kompaktere und moderner proportionierte Interpretation der 1815 AUF/AB.
Das Zifferblatt der 1815 AUF/AB wird von zwei Hilfszifferblättern geprägt: der Gangreserveanzeige links und der kleinen Sekunde rechts. Gerade deshalb fällt die Größenänderung stärker ins Gewicht, als es die reine Differenz zunächst vermuten lässt. Bei einer runden Uhr mit schmaler Lünette, deren Zifferblatt einen großen Teil der Gehäusefront einnimmt, beeinflusst jeder Millimeter das Verhältnis von Zifferblattfläche, Bandanstößen und Gehäuserand. Mit 37,5 Millimetern Durchmesser und 8,7 Millimetern Höhe dürfte die Neuinterpretation geschlossener und formeller wirken als die 39-Millimeter-Ausführung, ohne die Anzeigen enger zusammenzuschieben.
Das ist eine redaktionelle Einordnung, keine Aussage über eine Ablösung bereits bestehender Referenzen innerhalb der Kollektion. Fest steht: A. Lange & Söhne nutzt die vertraute Architektur und verändert deren Gewichtung. Die verkleinerte Hülle lässt die historischen Gestaltungsmotive weniger großzügig, dafür konzentrierter erscheinen. Für eine Uhr, deren Herkunft gestalterisch auf Taschenuhren verweist, ist das ein bemerkenswerter Schritt. Sie rückt damit näher an jene dezenten Dimensionen und Maße, die früher für elegante Handaufzugsuhren selbstverständlich und üblich waren.
Das Zifferblatt besteht aus 925er Silber. Zwei argentéfarbene Hilfszifferblätter heben sich deutlich von der blauen Grundfläche ab und gliedern die untere Hälfte des Zifferblatts. Arabische Ziffern, Eisenbahnminuterie und das vertiefte Zentrum greifen die Designsprache historischer Taschenuhren auf. Die Farbgebung löst diese Elemente jedoch aus einem rein archivalischen Zusammenhang: Das dunkle Blau und die hellen Hilfszifferblätter verleihen der 1815 AUF/AB ein sehr schönes und zeitgemäßes Erscheinungsbild.
Entscheidend für das klassisch-moderne Auftreten der 1815 AUF/AB ist allerdings nicht nur die Farbgebung des Zifferblatts. Weißgold hält die Farbwirkung kühl und verstärkt den grafischen Gegensatz zwischen Blau und Argenté. Rotgold setzt dem blauen Zifferblatt einen wärmeren Kontrast entgegen und bindet das Gehäuse stärker in die Farbgestaltung mit ein. Die Zeiger aus 750er Gold und gebläutem Stahl differenzieren die Anzeigen zusätzlich. Vorderseite und Sichtboden bestehen jeweils aus Saphirglas.
An der vertrauten Anordnung der Anzeigen ändert das kleinere Format nichts. Bei 8 Uhr zeigt ein Hilfszifferblatt die verbleibende Gangreserve an, während die kleine Sekunde bei 4 Uhr das optische Gegengewicht bildet. Die beiden Anzeigen stehen absichtlich nebeneinander, um das Zifferblatt unterhalb der Mittelachse zu stabilisieren. Im kleineren Gehäuse dürfte gerade diese Balance dazu beitragen, dass die A. Lange & Söhne 1815 AUF/AB zwar kompakter wirkt, ohne die beiden Hilfszifferblätter optisch zusammenzudrängen.

Dass die verkleinerte 1815 AUF/AB perfekt zur aktuellen Linie der Manufaktur passt, zeigt auch der kürzlich neu-verkleinerte Saxonia Jahreskalender in 36 Millimetern – mehr dazu in unserem Artikel.
Der Begriff reicht auf eine 1879 für A. Lange & Söhne patentierte Gangreserveanzeige zurück. „AUF“ kennzeichnet das vollständig aufgezogene Werk, „AB“ markiert das Ende der gespeicherten Gangreserve. Dazwischen lässt sich ablesen, wie viel der insgesamt 72 Stunden Gangreserve noch zur Verfügung steht. Bei einer Handaufzugsuhr ist das keine künstlich ins Leben gerufene Spielerei, sondern eine unmittelbar nützliche Information: wann das Werk erneut aufgezogen werden muss.
Ebenso bemerkenswert ist das Planetengetriebe der Gangreserveanzeige. Es ist direkt in das Manufakturkaliber integriert, und nicht als separates Modul auf ein vorhandenes Kaliber aufgesetzt. Vereinfacht gesagt verteilt ein solches Getriebe Bewegungen innerhalb einer kompakten Zahnradanordnung und überträgt den Spannungszustand des Federhauses somit auf den Zeiger. Eine aufgesetzte Baugruppe würde zusätzliche Ebenen und damit potenziell mehr Werkshöhe mit sich bringen. Die Integration ist deshalb besonders plausibel für die 1815 AUF/AB, welche trotz Gangreserveanzeige nur 8,7 Millimeter in der Höhe misst.
Hinter dem Saphirglasboden der A. Lange & Söhne 1815 AUF/AB arbeitet das bereits bekannte Lange-Manufakturkaliber L051.2. Seine Abmessungen sind für das neue Format durchaus relevant: Bei 30,6 Millimetern Werkdurchmesser bleibt im 37,5-Millimeter-Gehäuse nur ein vergleichsweise schmaler Rand. Die Werkhöhe von 4,6 Millimetern trägt zugleich zur geringen Gesamthöhe von 8,7 Millimetern bei.
Das Kaliber besteht aus 245 Komponenten und läuft mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunde, also 3 Hertz. Das Kaliber besitzt 29 Lagersteine, von denen sieben in verschraubten Goldchatons gefasst sind. Die klassische Schraubenunruh arbeitet in einem rückerlosen Schwingsystem mit hauseigens-enwtickelter Unruhspirale. Es wird in fünf Lagen reguliert, damit es in unterschiedlichen Positionen möglichst gleichmäßig läuft.
Optisch prägt die Dreiviertelplatine aus naturbelassenem Neusilber die sichtbare Rückseite des Uhrwerks. Die darauf montierten Aufzugsräder erhalten zudem einen Sonnenschliff und die Verzierung des Unruhklobens wird von Hand graviert. Sie verleihen dem technisch-unveränderten Fundament eine klare erkennbare handwerkliche Signatur, während sich die eigentliche Überarbeitung der 1815 AUF/AB auf Gehäuse und Zifferblatt konzentriert.
Die Rotgoldversion trägt die Referenz 244.037 und kommt an einem handgenähten rotbraunen Alligatorlederband mit Rotgold-Dornschließe. Die Referenz 244.028 kombiniert Weißgold mit einem blauen, ebenfalls handgenähten Alligatorlederband und einer Dornschließe aus Weißgold. Beide Ausführungen sind mit einer nummerierten Limitierungsgravur versehen und auf je 300 Stück begrenzt.
Vorgestellt werden die Uhren beim Concours of Elegance im Hampton Court Palace. Das Zusammentreffen historischer Automobile in höfischer Umgebung bildet einen nachvollziehbaren Präsentationsrahmen für Sammler mechanischer Objekte. Die Relevanz dieser Editionen liegt letztlich weniger in einer neuen Komplikation als in der konzentrierten Überarbeitung von Format und Erscheinungsbild der A. Lange & Söhne 1815 AUF/AB.
A. Lange & Söhne
1815 AUF/AB
244.037 (Rotgold)
244.028 (Weißgold)
18 K Rotgold oder Weißgold; Saphirglasboden
Durchmesser: 37,5 mm
Höhe: 8,7 mm
N/A
925er Silber, blau; argentéfarbene Hilfszifferblätter; arabische Ziffern und Eisenbahnminuterie
Rotbraunes bzw. blaues Alligatorleder; Dornschließe aus entsprechendem Gold
Manufakturkaliber L051.2, 245 Komponenten, 29 Lagersteine
Handaufzug
72 Stunden
21.600 Halbschwingungen pro Stunde (3 Hz)
Stunden, Minuten, kleine Sekunde, AUF/AB-Gangreserveanzeige
N/A