In einer Zeit, in der unabhängige Uhrmacherkunst oft mit immer aufwendigeren Komplikationen in Verbindung gebracht wird, überzeugt Daniel Roths neueste Kreation durch ihr Zifferblatt. Die auf den Geneva Watch Days 2026 vorgestellte neue Daniel Roth Extra Plat Rose Gold Gilt erweitert die Extra-Plat-Kollektion des Hauses um ein Zifferblatt, das mit einer traditionellen Vergoldungstechnik (Gilt Technik) gefertigt wurde und ein tiefschwarzes Finish mit freiliegenden Anzeigen aus Roségold sowie handgefertigtem Guilloché kombiniert.

Dieser Ansatz passt gut zur Philosophie von Daniel Roth. Seit seiner Rückkehr im Jahr 2023 mit Unterstützung von La Fabrique du Temps Louis Vuitton konzentriert sich das Haus darauf, die von Uhrmachermeister Daniel Roth etablierten Stilmerkmale neu zu interpretieren, ohne seine historischen Uhren einfach nur zu reproduzieren. In diesem Fall bedeutet das, eine Zifferblatttechnik mit eindeutig vintage-prägenden Wurzeln auf die zurückhaltende, ultradünne Architektur der „Extra Plat“ anzuwenden. Das Ergebnis wirkt äußerlich schlicht – zwei Zeiger, römische Ziffern und sonst kaum etwas –, ist in der Herstellung jedoch wesentlich komplexer, als es der Anschein vermuten lässt.

Was genau ist ein Gilt-Zifferblatt?

Das Herzstück der Daniel Roth Extra Plat Rose Gold Gilt ist zweifellos ihr Zifferblatt. Während der Begriff „Gilt“ in der Uhrmacherkunst manchmal recht lose verwendet wird, wendet Daniel Roth diese Technik im traditionellen Sinne an. Anstatt die goldfarbenen Ziffern und Beschriftungen auf eine fertige schwarze Oberfläche aufzudrucken, werden sie als Negativformen gestaltet, die den darunterliegenden Grundkörper aus massivem Gold freilegen.

Dies ist wichtig, da sich der Effekt grundlegend vom herkömmlichen Tampondruck unterscheidet. Die römischen Ziffern, die Signatur von Daniel Roth und die individuelle Zifferblattnummer werden dem Zifferblatt nicht nachträglich hinzugefügt; vielmehr bleiben sie während des gesamten Veredelungsprozesses erhalten, sodass das Gold, aus dem das Zifferblatt selbst gefertigt ist, letztendlich zur Typografie wird.

Bevor dies jedoch geschehen kann, wird das Zifferblatt einer weiteren für Daniel Roth charakteristischen Veredelungstechnik unterzogen: dem Guilloché. Dieser Vorgang wird von einem einzigen Handwerker mit einer traditionellen Guillochiermaschine ausgeführt und kann mehrere Tage Arbeit in Anspruch nehmen. Dabei nimmt die Gravur die Form eines feinen Nadelstreifenmusters an, das der ansonsten einfarbigen Komposition Struktur verleiht und dafür sorgt, dass die Oberfläche je nach Lichteinfall unterschiedlich wirkt.

Der Vergoldungsprozess beginnt dann mit dem Abdecken der Zifferblattbeschriftungen. Römische Ziffern, der Name „Daniel Roth“ und die individuelle Nummer werden auf dem goldenen Ziffernring mit Lack überzogen. Der Lack wird in einem halbautomatischen Verfahren aufgetragen und mithilfe eines Silikonpads von der Druckplatte auf das Zifferblatt übertragen, wobei die Positionierung auf ein Hundertstel Millimeter genau gesteuert wird.

Anschließend durchläuft das Zifferblatt mehrere Galvanisierungsschritte, um seine tiefschwarze Oberfläche zu erhalten. Die schwarze Farbe wird nicht in einem einzigen Arbeitsgang erzielt, sondern durch wiederholtes Eintauchen schrittweise aufgebaut. Zeitablauf, Temperatur und sogar die Umgebungsbedingungen beeinflussen das Ergebnis, sodass der Handwerker nach Augenmaß beurteilen muss, wann die gewünschte Farbtiefe erreicht ist.

Erst dann wird der Schutzlack entfernt. Während dieses kontrollierten „Entmaskierungsprozesses“ löst sich die Maskierungsschicht auf, ohne die darunterliegende Oberfläche zu beeinträchtigen, und legt die ursprüngliche Roségold-Grundierung an den Stellen frei, an denen die Markierungen geschützt waren. Die römischen Ziffern, die Signatur und die individuelle Nummer scheinen somit aus dem Zifferblatt hervorzutreten, anstatt nur darauf zu liegen.

Abschließend wird der Ziffernring an der Zifferblattbasis befestigt und die fertige Baugruppe auf das Uhrwerk montiert. Der Kontrast zwischen glänzendem Schwarz, freiliegendem Gold und dem darunterliegenden Nadelstreifen-Guilloché verleiht dem Zifferblatt eine ausgeprägte Tiefenwirkung, wobei sich sein Erscheinungsbild verändert, wenn sich die Uhr am Handgelenk bewegt. Genau diesen dreidimensionalen Effekt ließe sich mit herkömmlichen Druckverfahren nur schwer nachbilden.

Das Gehäuse: Daniel Roths Doppelellipse aus 5N-Roségold

Das schwarze Zifferblatt wird von Daniel Roths wohl markantester Design-Handschrift umrahmt: dem doppelten Ellipsengehäuse. Weder klassisch rund noch rechteckig, prägt diese Form seit der Gründung seines eigenen Hauses im Jahr 1988 die visuelle Identität des Uhrmachers. Bei der „Daniel Roth Extra Plat Rose Gold Gilt“ ist es aus 5N-Roségold gefertigt, misst 38,6 x 35,5 mm und ist nur 7,7 mm hoch. Ein flaches, entspiegeltes Saphirglas bewahrt das schlanke Profil von vorne, während ein Saphirglasboden den Blick auf das Uhrwerk freigibt. Die Uhr ist zudem bis 30 m wasserdicht.

Der wärmere Farbton des 5N-Goldes kommt in Kombination mit dem Zifferblatt besonders gut zur Geltung. Anstatt einen krassen Schwarz-Gold-Kontrast zu erzeugen, verbindet sich der leicht rötliche Charakter des Gehäuses optisch mit den durch die Vergoldungstechnik hervorgehobenen roségoldenen Anzeigen. Je nach Lichteinfall absorbieren die schwarzen Oberflächen Reflexionen, während das Gehäuse, die Ziffern und die Zeiger diese zurückwerfen, wodurch die relativ zurückhaltende Zweifarbenpalette deutlich dynamischer wirkt, als es zunächst den Anschein hat.

Dies erinnert auch daran, warum das „Daniel Roth Extra Plat“-Format im Gesamtkontext der Geschichte von Daniel Roth von Bedeutung ist. Roth betrachtete die flache Dresswatch als Ausdruck funktionaler Eleganz, und die Kollektion reduziert die Uhr dementsprechend auf das Wesentliche. Hier konkurriert keine Komplikation um die Aufmerksamkeit: Das Doppelellipsengehäuse, die Zifferblattgestaltung und die Architektur des Uhrwerks erhalten Raum, um für sich selbst zu sprechen.

Das Uhrwerk DR002: Die perfekte Passform

Dreht man die Uhr um, weicht die schlichte Ästhetik des Zifferblatts der Architektur des DR002, dem Manufakturkaliber mit Handaufzug von Daniel Roth. Das Uhrwerk wurde in der „La Fabrique du Temps Louis Vuitton“ vom Team rund um die beiden Uhrmachermeister Michel Navas und Enrico Barbasini entwickelt und montiert und speziell auf die Abmessungen der „Daniel Roth Extra Plat“ zugeschnitten, anstatt aus einem bestehenden runden Kaliber adaptiert zu werden.

Dieser Unterschied ist bei einer Uhr mit einem so ungewöhnlichen Gehäuse von Bedeutung. Mit Abmessungen von 31 x 28 mm und einer Höhe von nur 3,1 mm folgt das Kaliber DR002 den Proportionen der Doppelellipse, sodass das Uhrwerk den verfügbaren Raum auf natürliche Weise ausfüllt, wenn man durch den Saphirglasboden blickt. Es besteht aus 143 Bauteilen und 21 Lagersteinen.

Das Uhrwerk schwingt mit einer Frequenz von 4 Hz und bietet eine Gangreserve von 65 Stunden, wodurch die für eine stabile Zeitmessung erforderliche höhere Frequenz mit einer ausreichenden Gangreserve für eine Dresswatch mit Handaufzug in Einklang gebracht wird. Der Aufzugsmechanismus verfügt über eine traditionelle Rastklinke, die dem täglichen Aufziehen der Uhr ein bewusstes haptisches Element verleiht.

Das Kaliber ist aufwendig finissiert. Die Brücken weisen umfangreiche, von Hand ausgeführte Abschrägungen auf, wobei ihre Kanten einzeln geformt und poliert wurden und besonderes Augenmerk auf die scharf definierten Innenwinkel gelegt wurde. Anstatt auf auffällige Verzierungen zu setzen, folgt die Veredelung des DR002 derselben zurückhaltenden Philosophie wie die Uhr selbst: Qualität und Präzision der Handarbeit.

Armband

Die „Daniel Roth Extra Plat Rose Gold Gilt“ ist mit einem schwarzen Kalbslederarmband ausgestattet, das die dunkle Farbpalette des Zifferblatts aufgreift, während das Gehäuse aus 5N-Roségold den optischen Rahmen bildet. Die Bandanstoßbreite beträgt 20 mm, wobei die länglichen Bandanstöße Teil der unverwechselbaren Architektur des doppelt elliptischen Gehäuses sind.

Goldene Zeiger runden das Zifferblatt ab, wobei der Stundenzeiger mit seiner Pfeilspitze ein weiteres charakteristisches Detail von Daniel Roth darstellt. Vor dem schwarzen Guilloché-Hintergrund spiegelt ihr warmer Farbton sowohl die freiliegenden vergoldeten Markierungen als auch das umgebende Gehäuse wider, sodass in der Komposition kaum etwas übrig bleibt, das nicht dem zentralen Schwarz-Roségold-Thema dient.

Die „Extra Plat“ im Roségold-Farbton und Daniel Roths moderne Neuinterpretation

Die neue „Daniel Roth Extra Plat Rose Gold Gilt“ verleiht der „Daniel Roth Extra Plat“-Kollektion eine neue Dimension, doch anstatt die grundlegende Architektur der Uhr zu verändern, konzentriert sie sich fast ausschließlich auf die Handwerkskunst auf Zifferblatt-Ebene. Die „Extra Plat Rose Gold Gilt“ zeigt lediglich die Stunden und Minuten an, doch ihr neues Zifferblatt erfordert mehrere Tage Guilloché-Arbeit, präzises Abkleben, wiederholtes Galvanisieren und sorgfältiges Entfernen der Abdeckungen, bevor ihre Markierungen überhaupt zum Vorschein kommen können.

Dies ist ein eindrucksvoller Ausdruck der Philosophie von Daniel Roth: keine Komplexität um der Komplexität willen, sondern die Aufwertung scheinbar schlichter Details durch traditionelle Handwerkskunst. Die „Daniel Roth Extra Plat Rose Gold Gilt“ mag eine der weniger auffälligen Uhren sein, die in dieser Saison in Genf vorgestellt werden, doch wie so oft bei Sammlerstücken wie dieser Uhr offenbart ein genauerer Blick auf das Zifferblatt, dass unter der Oberfläche weitaus mehr steckt.

Die Daniel Roth Extra Plat Rose Gold Gilt (Ref. DBBD04A1) wird mit einem eleganten schwarzen Kalbslederarmband geliefert. Sie ist ab September 2026 zum Preis von 55.000 CHF (ohne Steuern) erhältlich.


danielroth.com

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