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Am 15. September 2026 hat Rolex in Mailand eine funktionale Erweiterung der klassisch ausgerichteten Perpetual-Kollektion und damit ihres 1908-Models vorgestellt. Die neue Armbanduhr in drei Ausführungen mit dem Namen Perpetual Padellone kombiniert einen automatischen und innovativen Jahreskalender mit einer detaillierten Mondphasenanzeige. Namentlich und optisch bezieht sich das Modell auf die Rolex-Referenz 8171 aus der Zeit um 1950, die von Sammlern traditionell „Padellone“ genannt wird.
Interessanterweise kommt die Lancierung dieser spezifischen Komplikation nicht völlig überraschend. Bereits im vergangenen Jahr hatten wir bei Swisswatches anhand eines damals aufgetauchten Patents detailliert darüber spekuliert, dass Rolex bald einen neuartigen, flachen und schlagartig schaltenden Kalendermechanismus in der 1908-Linie vorstellen könnte. Die damaligen Spekulationen haben sich nun eindrucksvoll bestätigt.
Die Rolex Referenz 8171 wurde im Jahr 1949 eingeführt und markierte für die Manufaktur einen wichtigen Schritt im Bereich der komplizierten Uhren. Das Modell, das nur über einen sehr kurzen Zeitraum bis etwa 1952 produziert wurde, zeichnet sich durch einen automatischen Vollkalender aus. Die Anzeigen umfassen ein zentrales Zeigerdatum für den aktuellen Tag, zwei Sichtfenster für Wochentag und Monat sowie eine klassische Mondphasenanzeige, die bei sechs Uhr in die kleine Sekunde integriert ist. Ein markantes Merkmal der Referenz 8171 ist ihr für die damalige Zeit ungewöhnlich großer Gehäusedurchmesser von 38 Millimetern. Diese Dimension bescherte der Uhr in der Sammlergemeinde später den italienischen Spitznamen „Padellone“, was sich sinngemäß mit „große Pfanne“ übersetzen lässt. Konstruktionstechnisch handelt es sich um ein Non-Oyster-Gehäuse mit einem einfachen Druckboden. Dementsprechend war die Uhr ab Werk nicht wasserdicht, was gut erhaltene Zifferblätter (ohne Feuchtigkeitsschäden) heute besonders selten macht.
Parallel zur „Padellone“ brachte Rolex um das Jahr 1950 die Referenz 6062 auf den Markt. Auch diese Uhr verfügte über einen automatischen Vollkalender mit Mondphase und Zeigerdatum, jedoch mit einem entscheidenden konstruktiven Unterschied: Sie war das weltweit erste Modell mit dieser Komplikation, das in einem wasserdichten Gehäuse untergebracht war. Rolex nutzte hierfür das bewährte Oyster-Gehäuse mit verschraubtem Boden und verschraubbarer Krone. Mit einem Durchmesser von 36 Millimetern fiel die Referenz 6062 zwar etwas kleiner aus als die Referenz 8171, galt aber als deutlich robuster und alltagstauglicher. Aufgrund der kurzen Produktionszeit bis 1953 und der Kombination aus feiner Kalendermechanik und sportlichem Oyster-Gehäuse zählt die Referenz 6062 heute – in ihren verschiedenen Blatt- und Gehäusevarianten – zu den gesuchtesten und wertvollsten Vintage-Uhren von Rolex weltweit.
Fotocredit © Phillips
„Perpetual“ steht in diesem Fall nicht für „Perpetual Calendar“, also Ewiger Kalender, sondern ist die Rolex-typische Modellbezeichnung. Aber was ist der Unterschied zwischen einen Ewigen Kalender, einem Jahreskalender und einem Vollkalender?
Der Vollkalender liefert auf dem Zifferblatt umfassende Informationen, indem er typischerweise den Wochentag, das Datum und den Monat – oft auch ergänzt durch eine Mondphase – anzeigt. Mechanisch gesehen verfügt diese Komplikation jedoch über keine automatische Erkennung der unterschiedlichen Monatslängen. Das Uhrwerk behandelt jeden Monat so, als hätte er 31 Tage. Für den Träger bedeutet dies im Alltag, dass das Datum am Ende jedes Monats, der kürzer als 31 Tage ist (also fünfmal im Jahr), manuell über die Krone oder spezielle Gehäusedrücker vorgestellt werden muss.
Einen deutlichen mechanischen Fortschritt bietet der Jahreskalender. Dieser Mechanismus „denkt“ mit und kann selbstständig zwischen Monaten mit 30 und 31 Tagen unterscheiden. Die komplexe Mechanik überspringt den 31. Tag in den kürzeren Monaten vollautomatisch. Lediglich ein einziges Mal im Jahr stößt das System an seine Grenzen: Beim Wechsel vom ohnehin abweichenden Februar (egal ob 28 oder 29 Tage) auf den März muss das Datum einmalig von Hand korrigiert werden.
Die anspruchsvollste Übersetzungsleistung unseres Kalenders in die Mikromechanik stellt der Ewige Kalender dar. Er berechnet nicht nur zuverlässig die Abfolge der 30- und 31-Tage-Monate, sondern berücksichtigt auch die genaue Länge des Februars. Dabei „weiß“ die feinteilige Mechanik sogar, wann ein Schaltjahr ansteht, und fügt den 29. Februar entsprechend ein. Wenn eine solche Uhr kontinuierlich mit Energie versorgt wird, muss ihr Träger im Regelfall erst im Jahr 2100 manuell eingreifen – denn dann entfällt laut gregorianischem Kalender der eigentlich fällige Schalttag.
Im Inneren der Uhr arbeitet das neu entwickelte Kaliber 7190 mit zirka 66 Stunden Gangreserve, dessen Mechanik durch einen transparenten Saphirglasboden betrachtet werden kann. Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung des Hochfrequenz-Uhrwerks Kaliber 7135 (5 Hertz), das 2025 mit der Land-Dweller eingeführt wurde. Auch im neuen Werk verbaut Rolex eine Syloxi-Spirale aus Silizium, eine Keramik-Unruhwelle sowie die sogenannte Dynapulse-Hemmung.
Eine technische Besonderheit der Uhr ist das patentierte Haplos-System. Der Mechanismus erkennt automatisch, ob ein Monat 30 oder 31 Tage hat. Somit ist lediglich eine manuelle Korrektur pro Jahr beim Übergang vom Februar in den März erforderlich. Konstruktionstechnisch kommt das System mit nur zwei zusätzlichen Bauteilen für den Datumsmechanismus aus: einem Jahreshebel und einem Mitnehmerfinger. Zudem schalten sämtliche kalendarischen Anzeigen – Wochentag, Datum und Monat – um Punkt Mitternacht gleichzeitig und ohne Verzögerung um. Für die Einstellung der verschiedenen Anzeigen befinden sich vier Korrektoren an den Gehäuseflanken, die mit einem Stellstift bedient werden.
Durch den offenen Gehäuseboden wird der durchbrochene Goldrotor und die Côtes de Genève Verzierungen schön in Szene gesetzt.
Auf dem Zifferblatt greift Rolex die bewährte Anordnung historischer Vollkalender auf: Wochentag und Monat lassen sich in englischer Sprache in zwei Sichtfenstern bei 12 Uhr ablesen. Das aktuelle Datum wird mittels eines zentralen, blauen Zeigers mit einer Halbmond-Spitze am äußeren, numerierten Rand des Zifferblatts indiziert.
Bei 6 Uhr befindet sich die vollständig sichtbare, blau emaillierte Mondphasenscheibe. Die applizierten Himmelskörper für Voll- und Neumond bestehen aus Meteoritgestein, wobei der Neumond durch eine dunkelblaue PVD-Beschichtung abgedunkelt wurde. Die aktuelle Phase wird über einen dreieckigen Indikator abgelesen, an dem die beiden Darstellungen kontinuierlich vorbeiziehen. Ein Detail, das sich direkt an Vintage-Liebhaber richtet: Sowohl der Voll- als auch der Neumond sind im Tampondruck-Verfahren mit einem Gesicht versehen worden, exakt wie es auch bei der ursprünglichen „Padellone“ der Fall war.
Das Gehäuse misst 39 Millimeter im Durchmesser und verfügt über eine markante Lünette, die auf der Oberseite bombiert und im unteren Bereich geriffelt ist. Zum Marktstart bietet Rolex das Modell in drei Varianten an.
Zwei Ausführungen bestehen aus 18 Karat Everose-Gold und besitzen ein tiefweißes, gekörntes Zifferblatt. Diese können entweder mit einem braunen Alligatorlederband oder mit dem feingliedrigen, siebenreihigen Settimo-Goldband kombiniert werden.
Die dritte Version wird aus Platin 950 gefertigt und verfügt über ein eisblaues, gekörntes Zifferblatt, das an einem mattschwarzen Alligatorlederband getragen wird.
Wie alle aktuellen mechanischen Modelle der Marke ist auch die Perpetual Padellone als „Superlative Chronometer“ zertifiziert. Der entsprechende Anforderungskatalog wurde im Jahr 2026 um die Aspekte Widerstandsfähigkeit gegen Magnetismus, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit erweitert, welche die bisherigen Kriterien wie Ganggenauigkeit und Wasserdichtheit ergänzen.
Mit der Einführung der Perpetual Padellone betritt Rolex unweigerlich das Terrain der großen Komplikationen, das traditionell von Marken wie Patek Philippe dominiert wird. Ein direkter Vergleich mit der in diesem Jahr (2026) zum 30-jährigen Jubiläum des Jahreskalenders vorgestellten Patek Philippe Ref. 5396R-016 drängt sich förmlich auf. Beide Modelle sind elegante Dresswatches in Edelmetall mit identischen Hauptkomplikationen, verfolgen jedoch völlig unterschiedliche technische Philosophien.
Rein von der mechanischen Konstruktion her hat Rolex bei der neuen Perpetual Padellone die Nase vorn. Das neue, patentierte Haplos-System kommt mit nur zwei zusätzlichen Bauteilen (Jahreshebel und Mitnehmerfinger) aus, um zwischen Monaten mit 30 und 31 Tagen zu unterscheiden. Zudem schalten bei der Rolex alle Anzeigen (Tag, Datum, Monat) um Mitternacht exakt und gleichzeitig um (springender Wechsel). Das benötigt enorm viel Kraft, die das Hochfrequenzwerk jedoch bereitstellt.
Bei Patek Philippe basiert der Jahreskalender auf dem legendären, 1996 erfundenen Mechanismus. Er ist extrem zuverlässig, aber technisch konventioneller: Die Anzeigen schalten eher gleitend um Mitternacht, nicht schlagartig. Patek bietet dafür zusätzlich eine praktische 24-Stunden-Anzeige, die in der Mondphase integriert ist.
Das Rolex-Kaliber 7190 taktet mit 5 Hertz (36.000 Halbschwingungen pro Stunde), während das Patek-Kaliber 26-330 mit 4 Hertz schlägt. Eine höhere Frequenz bedeutet in der Regel eine konstantere Ganggenauigkeit und eine schnellere Erholung nach Stößen. Zudem geht Rolex mit der Dynapulse-Hemmung (komplett aus Silizium) und der Unruhwelle aus Keramik technisch neue, hochmoderne Wege in der Materialforschung, um Magnetismus und Verschleiß zu eliminieren. Patek nutzt mit der Spiromax-Spirale ebenfalls Silizium, bleibt bei der restlichen Hemmung aber der Tradition treu.
Die Rolex ist mit 50 Metern Wasserdichtigkeit und den erweiterten Magnetismus-Prüfungen der „Superlative Chronometer“-Zertifizierung klar auf eine höhere Alltagsbelastbarkeit (Robustheit) ausgelegt. Auch die Gangreserve der Patek Philippe fällt mit lediglich 35 bis 45 Stunden für heutige Verhältnisse recht gering aus, während die neue Rolex Padellone auf zirka 66 Stunden Gangreserve kommt.
Hier dreht sich das Blatt zugunsten von Patek Philippe. Obwohl Rolex sein Werk mit durchbrochenem Goldrotor und Côtes de Genève durch den Glasboden schön in Szene setzt, ist es letztlich ein industriell, wenn auch extrem hochwertig gefertigtes Spitzenwerk. Das Patek Philippe Kaliber 26-330 S QA LU 24H hingegen wird nach den strengen Regeln des Patek Philippe Siegels von Hand finissiert: anglierte (abgeschrägte) und polierte Kanten, feinste Perlierungen, polierte Schraubenköpfe und ein schwerer 21-Karat-Goldrotor. Das ist traditionelle Uhrmacherkunst auf allerhöchstem Niveau.
Die Everose-Version mit Lederband liegt bei rund 56.700 Euro. Mit Settimo Gliederband sind es 69.600 Euro. In der Platin-Ausführung kostet die neue Perpetual Padellone 63.800 Euro. Die neue Perpetual Padellone wird voraussichtlich ab Oktober 2026 in begrenzten Stückzahlen erhältlich sein.
Rolex
Perpetual Padellone
53505-0002, 53505-0003, 53506-0002
18 Kt Everose-Gold, Platin 950
Durchmesser: 39 mm, Höhe: 12,20 mm
5 bar (50 Meter)
Tiefweiß gekrönt, Eisblau gekörnt
Braunes Alligatorlederband, 7-reihiges Settimo-Band in 18 Kt Everose-Gold, Mattschwarzes Alligatorlederband
Kaliber 7190
Automatik
ca. 66 Stunden
5 Hz (36.000 Halbschwingungen/Std.)
Springender Jahreskalender (Tag, Monat bei 12 Uhr, Zeigerdatum außen), Mondphase
56,700 Euro (Everose mit Lederarmband), 69,600 Euro (Settimo Armband), 63,800 Euro (Platin)