Im Unterschied zu anderen Komplikationen ist die Minutenrepetition nicht sichtbar ablesbar, sondern hörbar. Das gilt im Übrigen für alle Repetitionsuhren, die sich zunächst als Stunden-, Viertelstunden- und Fünf-Minuten-Repetitionen ab dem späten 17. Jahrhundert entwickelten. Weshalb und wie die Uhrzeit hörbar wurde erfahren Sie in diesem Artikel. Lesen Sie auch unseren Artikel über die 11 spannendsten Uhren mit Minutenrepetition 2026.

Zu den frühesten bekannten Uhren mit Minutenrepetition gehören Exemplare, die um 1710 in der süddeutschen Stadt Friedberg gefertigt wurden. Obwohl ihre Hersteller unbekannt sind, entstanden sie noch vor jenem Exemplar, das 1750 von Thomas Mudge – einem britischen Uhrmacher, der lange Zeit als der „Vater“ dieser Uhren galt – für Ferdinand VI. von Spanien angefertigt wurde. 

© The British Museum

Später leistete der geniale Konstrukteur und Uhrmacher Abraham-Louis Breguet einen entscheidenden Beitrag, indem er die bis dahin verwendeten Glocken durch Tonfedern ersetzte – ringförmige Klangkörper, die um das Uhrwerk gelegt wurden. Die Fondation de la Haute Horlogerie FHH datiert Breguets Einführung der Tonfedern auf 1787. Das Grundprinzip ist bis heute gleichgeblieben.

1892 fertigte schließlich Audemars Piguet für Louis Brandt & Frère – das spätere Omega – eine der ersten Armbanduhren mit Minutenrepetition. Das 13-linige Kaliber 2416 befindet sich heute in der Sammlung des Omega Museums.

Weshalb die Zeit hörbar wurde

Zugegeben: Ebenso wie das Tourbillon erfüllt auch eine Repetitionsuhr heutzutage in erster Linie eine emotionale Funktion. In der Zeit vor der Elektrifizierung jedoch informierte sie auch bei Dunkelheit über die Uhrzeit. Heute schalten wir einfach das Licht ein und werfen einen Blick auf die Uhr. Oder diese ist mit nachleuchtendem Material ausgestattet, das die Ablesbarkeit auch bei Dunkelheit gewährleistet. 

Und so ist die Minutenrepetition für die einen die pure Lust am Unnützen, für die anderen das Salz in der Suppe der Mechanik und für passionierte Sammler die Krönung der Zeitmessung. Eines ist immer dabei: die Faszination der Verbindung von Mechanik, Ästhetik und Poesie.

Der Begriff Repetition bezieht sich übrigens darauf, dass die Uhrzeit auf Verlangen akustisch wiederholt beziehungsweise ‚repetiert‘ wird. Genau darin liegt auch der entscheidende Unterschied zu anderen Schlagwerksuhren wie Grande oder Petite Sonnerie, die die Zeit automatisch erklingen lassen.

Die Königsklasse der Komplikation einfach erklärt

Ein Minutenrepetitions-Mechanismus besteht aus über hundert Teilen. Um deren Zusammenspiel zu erläutern, könnte man ebenso viele Seiten füllen. Wir belassen es hier bei den grundlegenden Prinzipien:

Zunächst einmal gilt es, die Uhrzeit in eine Klangabfolge zu übersetzen. Bei einer Minutenrepetition erfolgt dies mit tiefen Tönen für die Stunden, Doppeltönen für die Viertelstunden und hohen Tönen für die Minuten.

Die längste Klangfolge einer klassischen Minutenrepetition erfolgt um 12:59 Uhr: zwölf tiefe Stundenschläge, drei Doppelklänge für die Viertelstunden und 14 hohe Minutenschläge. Das ergibt 32 einzelne Schläge beziehungsweise 29 Klangereignisse.

Die Armin Strom Minute Repeater Resonance 12:59 lässt mit vier Hämmern und vier Tonfedern den Westminster-Schlag erklingen.

Erzeugt werden diese durch zwei Hämmer, die auf die Tonfedern schlagen und sie in Schwingung versetzen. Dadurch entsteht der charakteristische Ton. Seltener kommen Minutenrepetitionen mit drei oder vier Tonfedern vor. Sie ermöglichen ein differenzierteres, melodischeres Klangbild. Ein besonders bekanntes Beispiel ist die Westminster-Melodie. Solche Schlagwerke mit drei oder mehr Tonfedern werden häufig als „Carillon“ – französisch für Glockenspiel – bezeichnet.

Eine Tonfeder – häufig auch Gong oder Gongfeder genannt – ist ein meist aus gehärtetem Stahl gefertigter Klangkörper, der um das Uhrwerk herumgeführt und am Werk oder Gehäuse befestigt wird. Da die Minutenrepetition viel Energie benötigt, verfügt sie üblicherweise über eine eigene Zugfeder.

Woher wissen die Hämmer, wie spät es ist?

Damit wir die Uhrzeit hören können, ist das unabhängige Schlagwerksystem mit einer Art Tastsinn ausgestattet. 

Während der Schieber die Feder des Schlagwerks aufzieht, werden gleichzeitig drei Abtaststifte aktiviert, die die Informationen auf der Stunden-, Viertelstunden- und Minutenschnecke abtasten. Die erste Schnecke für die Stunden verfügt über zwölf Stufen, die zweite über vier Stufen für die Viertelstunden. Die Minutenschnecke hat die Form eines vierzackigen Sterns, dessen Zacken jeweils 14 Stufen aufweisen. Sobald die Abtaststifte auf die Schnecken fallen, positionieren sie die jeweils zugehörigen Zahnstangen entsprechend der anzuzeigenden Uhrzeit.

Nach der Auslösung betätigen diese Zahnstangen über sogenannte Auslöse- oder Sammelhebel die Hämmer, wobei die Position der Zahnstangen die Anzahl der jeweiligen Schläge bestimmt. Die Hämmer erhalten damit den entsprechenden Befehl und schlagen auf die zugehörige Tonfeder. So erzeugen sie genau so viele Töne, wie für die Anzeige der Uhrzeit erforderlich sind.

Ein Alles-oder-nichts-Mechanismus verhindert dabei, dass das Schlagwerk anläuft, bevor der Auslösevorgang vollständig durchgeführt wurde. So wird vermieden, dass die Uhr eine falsche oder unvollständige Zeit schlägt. 

Damit der Schlagvorgang in der gewünschten Geschwindigkeit abläuft, gehören zur Baugruppe der klassischen Minutenrepetition neben einer eigenen Zugfeder und einem eigenen Räderwerk außerdem eine eigene Regulatoreinheit.

Das Geheimnis des perfekten Klangs

Wer schon einmal beim Stimmen eines Klaviers dabei sein durfte, weiß, dass das Gehör des Klavierstimmers entscheidend ist. Sein gut trainiertes Gehör ist Voraussetzung dafür, die feinen Schwebungen und Abweichungen zwischen den einzelnen Tönen beurteilen zu können.

Ähnlich ist es bei einer Minutenrepetition. Die verschiedenen Töne müssen harmonieren und auch im Alltag mit all seinen Umgebungsgeräuschen gut zu hören sein. Da Minutenrepetitionen mit viel Handarbeit gefertigt werden, kann sich der Klang von Uhr zu Uhr geringfügig unterscheiden. Zwar kommen auch moderne Messgeräte zum Einsatz, die akustische Feinabstimmung einer Minutenrepetition erfordert aber neben uhrmacherischem Können auch ein geschultes Gehör.

Der Klang einer Minutenrepetition entsteht aus dem Zusammenspiel von Tonfedern, Hämmern und Gehäusekonstruktion. Die Tonhöhe wird durch Länge, Querschnitt und Material sowie Spannung und Geometrie der Tonfedern beeinflusst und kann durch behutsames Abtragen von Material feinjustiert werden. Die Klangentfaltung hängt vom gesamten akustischen System aus Tonfedern, Befestigung, Werk, Gehäuse und Luftvolumen ab. Hammergewicht, Auftreffpunkt und Schlaggeschwindigkeit beeinflussen wiederum Lautstärke und Klangcharakter.

Bei Patek Philippe verlässt übrigens keine Minutenrepetition die Manufaktur, ohne zuvor von Präsident Thierry Stern eingehend geprüft worden zu sein. Wenn Uhrmacher und Akustikspezialisten ihre Arbeit abgeschlossen haben, nimmt er jede einzelne Minutenrepetition persönlich ab – ein Ritual, das von seinem Vater übernommen wurde.

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