Neben bekannten Plattformen wie Only Watch hat sich eine weitere Wohltätigkeitsauktion in der Haute Horlogerie etabliert, die den Fokus auf die bildende Kunst richtet: TimeForArt. Initiiert von dem 1986 gegründeten gemeinnützigen New Yorker Swiss Institute und kuratiert in Kooperation mit dem Auktionshaus Phillips in Association with Bacs & Russo, verfolgt die alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung einen klaren Zweck: Sämtliche Erlöse – einschließlich des Aufgelds des Auktionshauses – fließen unmittelbar in Ausstellungen, Künstlerresidenzen sowie kostenfreie Bildungs- und Vermittlungsprogramme.

Für Chopard dient dieses Format als Bühne, um die handwerklichen Disziplinen der eigenen Manufaktur (Métiers d’Art) abseits der gängigen Serienfertigung zu präsentieren. Nachdem das Haus bei der letzten Auflage 2024 mit einer markanten Strohmarketerie vertreten war, widmet sich das für die dritte Ausgabe von TimeForArt geschaffene Unikat – die Alpine Eagle 41 XP TimeForArt Edition (Referenz 298635-3002) – einer der traditionsreichsten Metallbearbeitungstechniken: der skulpturalen Reliefgravur in Edelmetall.

Generationenwechsel und alpine Herkunft

Um die gestalterische Relevanz des Einzelstücks einzuordnen, bedarf es eines genaueren Blicks auf die Entstehungsgeschichte der Linie. Die Modellfamilie Alpine Eagle ist aus der 1980 vorgestellten St. Moritz entsprungen, Chopards erster Sportuhr in Edelstahl. Damals setzte der junge Karl-Friedrich Scheufele diesen Entwurf gegen anfängliche Bedenken seines Vaters Karl durch. Nahezu vier Jahrzehnte später wiederholte sich diese Geschichte in der Eigentümerfamilie: Karl-Fritz Scheufele überzeugte seinen Vater Karl-Friedrich – diskret unterstützt vom Großvater –, die Sportikone der 1980er-Jahre neu zu interpretieren. Das Ergebnis war die 2019 lancierte Alpine Eagle.

Das Design der Modellreihe ist dem alpinen Seeadler gewidmet, woher auch der Name der Kollektion stammt. Parallel zur Uhrenkollektion rief Karl-Friedrich Scheufele mit Naturschutzexperten die Alpine Eagle Foundation ins Leben. Die Stiftung finanziert konkrete Schutz- und Renaturierungsprojekte im Alpenraum, darunter die Wiederansiedlung des Seeadlers am Genfersee und Programme zum Erhalt des Steinadlers. Chopard unterstützt diese Initiativen direkt über Erlöse aus ausgewählten Modellen der Kollektion. Es ist eben nicht bloß ein markanter Name für eine Kollektion und ein starkes Design, sondern auch ein Herzensprojekt der Familie Scheufele.

Das Zifferblatt der Alpine Eagle 41 XP TimeForArt: 80 Stunden Handarbeit

Das Markenzeichen der regulären Kollektion bildet ein galvanisiertes oder gewalztes Messingzifferblatt, dessen strahlenförmige Textur der Iris eines Adlers nachempfunden ist. Das TimeForArt-Unikat geht einen etwas anderen Weg: Als Bildträger dient eine Ronde aus ethischem 18-Karat-Weißgold, auf der die Schwinge eines Adlers im Gleitflug als Basrelief (Flachrelief) plastisch modelliert wurde.

Die gestalterische und fertigungstechnische Herausforderung dieser Miniaturarbeit liegt in der extrem kleinen Fläche, die es zu bearbeiten gilt. Damit das Zifferblatt in das ultraflache Gehäuse der XP-Serie (Extra Plat) integriert werden kann, darf die gesamte Trägerplatte eine Stärke von einem Millimeter nicht überschreiten. Der Kunsthandwerker muss folglich sämtliche Dimensionen, Tiefenabstufungen und Federkiele innerhalb von Bruchteilen eines Millimeters aus dem massiven Weißgold herausarbeiten. Rund 80 Arbeitsstunden reiner Handarbeit mit Grabstichel und Polierwerkzeugen fließen in dieses Motiv.

Um dem Motiv Plastizität zu verleihen, verzichtet die Manufaktur auf klassische Emaillierungen oder galvanische Vollbäder. Stattdessen hebt eine selektiv von Hand aufgetragene dunkle Patina die Tiefen des Gefieders hervor. Die erhabenen Kanten der Federn fangen das einfallende Licht spiegelnd ein, während die geschwärzten Senken optische Raumtiefe erzeugen. Um die Gravur nicht zu überladen, gibt es weder Datumsfenster noch eine laufende Sekunde. Lediglich facettierte Weißgoldzeiger und dezent auf dem Rehaut applizierte Indizes – belegt mit Super-LumiNova Grade X1 – zeigen die Uhrzeit an.

Lucent Steel im 8-Millimeter-Format

Die skulpturale Gravur ist in ein Gehäuse aus Lucent Steel eingebettet. Chopard hat diesen Stahl 2019 mit der Alpine Eagle eingeführt und fertigt seit 2023 sämtliche Stahluhren der Marke aus diesem Werkstoff, deren Legierung mit einer Recyclingquote von 80 Prozent hergestellt wird. Das Material weist eine Härte auf, die rund 50 Prozent über der von herkömmlichem 316L-Edelstahl liegt, verfügt über antiallergene Eigenschaften und reflektiert das Licht durch seine Reinheit merklich homogener.

Die neue Alpine Eagle 41 XP TimeForArt hat einen Durchmesser von 41 Millimetern, eine Gehäusegesamthöhe von 8,00 Millimetern und ist 100 Meter wasserdicht. Die Lünette zeigt sich der Kollektion getreu mit acht paarweisen angeordneten, funktional ausgerichteten Schrauben. Die Gehäusemittelpartie ist satiniert mit polierten Kantenfasen und die Krone mit eingravierter Windrose.

Das integrierte Metallband aus Lucent Steel wurde kürzlich erst subtil überarbeitet. Über die ersten fünf Glieder hinweg verjüngt sich der Bandverlauf nun stärker zur Faltschließe hin, was den Tragekomfort spürbar verbessert. In die Dreifach-Faltschließe integrierte Chopard zudem eine werkzeuglose Schnellverstellung: Über ein verdecktes Druck-Zug-System lässt sich das Band um bis zu fünf Millimeter verlängern, um temperaturbedingte Veränderungen des Handgelenkumfangs im Alltag auszugleichen.

Kaliber L.U.C 96.17-L

Ermöglicht wird die schlanke Silhouette von 8,00 Millimetern durch die Wahl des ultraflachen Uhrwerks. Im Inneren arbeitet das L.U.C 96.17-L, eine Weiterentwicklung des 1996 von Michel Parmigiani mitentwickelten Ursprungskalibers 96.01-L, mit dem Chopard damals seine Manufaktur in Fleurier begründete. Das Kaliber misst lediglich 3,30 Millimeter in der Höhe und besteht aus 172 Komponenten.

Der beidseitige Automatikaufzug erfolgt über einen Mikrorotor aus 22 Karat Gelbgold. Dessen hohe Massedichte gleicht den reduzierten Hebelarm konstruktiv aus und garantiert einen soliden Aufzugswirkungsgrad. Trotz der flachen Architektur verfügt das Kaliber dank der patentierten Chopard Twin-Technologie über zwei koaxial übereinander gelagerte Federhäuser, die eine beachtliche Gangreserve von rund 65 Stunden bereitstellen. Das Zusammenspiel beider Federn gewährleistet über weite Teile der Abspannung ein homogenes Drehmoment, was sich positiv auf die Isochronie der mit vier Hertz (28.800 Halbschwingungen pro Stunde) oszillierenden Unruh auswirkt.

Der Blick durch den entspiegelten Saphirglasboden offenbart die Finissierung des Fleurier-Ateliers: Die Brücken tragen Genfer Streifen (Côtes de Genève), Kanten sind angliert, und Schraubenköpfe weisen eine Flachpolitur auf. Eine dezente Gravur auf dem Sichtboden weist das Werk als Unikat für TimeForArt aus.


chopard.com

0 Comments
Meist bewertet
Neueste Älteste
0
Teilen Sie gerne Ihre Meinung mit uns.x