Audemars Piguet und Swatch haben ihre Kollaboration vorgestellt: eine modulare Uhr für 385 EUR beziehungsweise 400 EUR mit dem Namen Royal Pop. Ja, Sie haben richtig gehört: Die Marke, die mit der RD#5 Royal Oak „Jumbo“ Flying Tourbillon Chronograph Uhren für 260.000 Schweizer Franken lanciert, präsentiert nun eine Uhr für rund 385 Euro. In der Royal Pop werden zwei Konzepte miteinander kombiniert: die Pop Swatch aus den 1980er-Jahren und die konstruktive Formensprache der Royal Oak. Doch die Kollaboration wirft größere Fragen auf: Könnte sie Audemars Piguet schaden? Wie wird die Royal Pop getragen? Und vor allem: Was bezwecken die beiden Partner mit diesem Schritt?

All dies sowie einen genaueren Blick auf die Modelle erfahren Sie in diesem Artikel.

Die beiden Konzepte hinter der Royal Pop: Pop Swatch und Royal Oak

Am 6. Mai veröffentlichte Swatch einen Teaser, der die Uhrenwelt in Aufruhr versetzte – zu sehen waren lediglich die Wörter „Royal“ und „Pop“, die der Schriftart der Royal Oak nahezu identisch waren. Daraufhin begann die Uhrencommunity mit der Erstellung von Visualisierungen durch künstliche Intelligenz – von denen einige bereits sehr nah am nun vorgestellten Produkt waren – und spekulierte über das Aussehen und die Funktion der Swatch x Audemars Piguet Kollaboration.

Nun, bereits mehrere Tage vor dem eigentlich offiziell angekündigten Veröffentlichungsdatum am 16. Mai, haben wir Gewissheit: Die Royal Pop kommt und mit ihr werden zwei Uhrenkonzepte kombiniert. Das erste Konzept im Bunde ist die Pop Swatch, die zwischen 1986 und 1995 gefertigt wurde. Die Besonderheit der Pop Swatch lag in ihrer modularen Konstruktion, bei der das Uhrengehäuse nicht fest mit dem Armband verbunden, sondern in ein Clip-System integriert war, bei dem man den Werkscontainer aus dem Kunststoffrahmen heraus „poppen“ konnte. Diese Konstruktion machte die Pop Swatch vielseitig: Man konnte sie entweder mit Band am Handgelenk, mit einer Kette an der Handtasche oder um den Hals tragen.

Das zweite Konzept, das in der Royal Pop aufgegriffen wird, ist selbstverständlich die oktogonale Konstruktion der Royal Oak. Bekanntermaßen vom Uhrendesigner Gérald Genta über Nacht entworfen, verband er in der Royal Oak eine achteckige Lünette mit acht Sechskantschrauben sowie ein Monoblock-Gehäuse mit Tonneau-Form, in das ein Armband integriert war. Bei ihrer Lancierung im Jahr 1972 markierte die Royal Oak als „die erste Luxus-Sportuhr der Welt“ einen Wendepunkt in der Uhrenindustrie und legte zugleich den Grundstein für alle weiteren Luxus-Sportuhren aus Stahl mit vollständig integriertem Armband, die nach ihr folgen sollten.

Historischer Konkurs: Die Royal Oak als Taschenuhr

Die Royal Pop erinnert zugleich an ein weniger bekanntes, für Audemars Piguet jedoch wichtiges Kapitel der Royal-Oak-Geschichte. Bereits Ende der 1970er-Jahre übertrug Audemars Piguet die Formensprache der Royal Oak in das Format einer Taschenuhr: Mit der Referenz 5691, der ersten Royal Oak Taschenuhr, löste Audemars Piguet das oktagonale Design bewusst vom integrierten Armband und überführte die ursprünglich als Sport-Stahl-Uhr mit integriertem Armband konzipierte Royal Oak in ein Format, das an einer Kette getragen werden konnte.

Genau hier liegt die spannendste Parallele zur Royal Pop: Auch sie löst die Royal Oak aus dem vertrauten Kontext des Handgelenks und interpretiert sie als tragbares, wandelbares Objekt neu. Bei der historischen Referenz 5691 geschah dies allerdings im klassischen Vokabular der Haute Horlogerie: edle Materialien und eine zurückhaltende Erscheinung prägten ihr Äußeres. Die Royal Pop übersetzt dieselbe Grundidee in eine zeitgenössische Ästhetik: Statt Edelmetall stehen hier Bioceramic, Farbe, Modularität und ein zugänglicher Preis im Vordergrund.

Die Referenz 5691 und die Royal Pop erzählen dieselbe Geschichte aus zwei völlig unterschiedlichen Perspektiven. Was bei Audemars Piguet zwischen 1980 und 1982 als seltenes Sammlerstück in einer Auflage von nur knapp über 100 Exemplaren erschien, kehrt bei Swatch nun als farbenfrohes, zugängliches Accessoire zurück.

Welche Modelle der Royal Pop gibt es?

Die neue Royal-Pop-Kollektion umfasst acht Modelle, die von der Royal Oak inspiriert sind und deren gestalterische DNA deutlich aufgreifen: das sogenannte „Petite-Tapisserie“-Zifferblatt, die oktogonale Lünette und die acht hexagonalen Schrauben sind allesamt mit an Bord. Auch die Anzahl der Modelle ist kein Zufall: Die acht Varianten verweisen auf die acht Seiten des Gehäuses und die acht Schrauben auf der Lünette der Royal Oak. Gefertigt wird die Royal Pop aus Bioceramic, einem Werkstoff, der zu zwei Dritteln aus Keramikpulver und zu einem Drittel aus biobasiertem Material besteht, das aus der Rizinuspflanze gewonnen wird. Ohne Gehäusehalterung misst die Royal Pop 40 mm im Durchmesser und nur 8,4 mm in der Höhe. Wird der Werkscontainer in die Halterung „eingepoppt“, erhöhen sich die Dimensionen auf 44,2 × 53,2 mm.

Die Royal Pop ist in zwei Varianten erhältlich: Die erste ist eine Taschenuhr im Lépine-Stil mit der Aufzugskrone bei 12 Uhr, bei der die Uhrzeit über zwei Zeiger – Stunden und Minuten – abgelesen wird. Die Lépine-Stil-Version ist in sechs Varianten erhältlich: die „OTTO ROSSO“ mit kirschroter Lünette und pinkem Zifferblatt (Ref. SSX03R100N), die „HUIT BLANC“ mit weißem Erscheinungsbild und bunten Schrauben sowie Zeigern und Indizes (Ref. SSX03W100N), die „GREEN EIGHT“ mit einheitlich grünem Erscheinungsbild (Ref. SSX03G100N), die „BLAUE ACHT“ mit hellblauer Lünette und leuchtend grünem Zifferblatt (Ref. SSX03L101N), die „ORENJI HACHI“ mit marineblauem Erscheinungsbild und orangenen Schrauben sowie Elementen auf dem Zifferblatt (Ref. SSX03L103N) sowie zu guter Letzt die „OCHO NEGRO“ mit weißer Lünette und schwarzem Zifferblatt (Ref. SSX03W101N).

Die zweite Variante ist eine Taschenuhr im Savonette-Stil, die seitlich ausgerichtet ist, die Aufzugskrone bei 3 Uhr aufweist und den Stunden- und Minutenzeigern eine kleine Sekunde bei 6 Uhr hinzufügt. Diese Version gibt es in zwei Modellen: der „LAN BA“ mit hellblauer Lünette und blauem Zifferblatt (Ref. SSX03L100N) sowie der „OTG ROZ“ mit gelber Lünette und türkisem Zifferblatt (Ref. SSX03J100N).

Das Uhrwerk der Swatch Pop: Sistem51 erstmals als Handaufzug

Im Inneren der Royal Pop befindet sich mit dem im Jahr 2013 erstmals vorgestellten Sistem51 das bislang einzige mechanische „Swiss Made“-Uhrwerk, dessen Herstellung vollständig automatisiert ist. Das Sistem51 wurde zusammen mit dem Uhrwerkshersteller ETA entwickelt und besteht aus exakt 51 Teilen.

Zu seinen Eigenschaften zählen eine über 90-stündige Gangreserve sowie die antimagnetische Nivachron-Spiralfeder (die übrigens auch in einigen Uhren von Audemars Piguet verbaut ist). Die zum Schutz vor Magnetfeldern und Temperaturschwankungen sowie für eine bessere Stoßresistenz im täglichen Gebrauch entwickelte Feder unterstützt die Ganggenauigkeit und sorgt dafür, dass das Uhrwerk mit einer Standardabweichung von -5/+15 Sekunden pro Tag funktioniert.

Zudem handelt es sich beim Sistem51, das in der Royal Pop verbaut ist, erstmals um eine Version dieses Uhrwerks mit Handaufzug. Jede Uhr der Royal-Pop-Kollektion ist sowohl auf der Ober- als auch auf der Unterseite des Gehäuses mit Saphirglas ausgestattet. Der Gehäuseboden trägt einen Tampondruck mit dem Royal-Pop-Logo.

Wie kann die Royal Pop getragen werden?

Die wesentliche Stärke der Royal Pop liegt in ihrer modularen Konstruktion, die eine große Wandlungsfähigkeit ermöglicht: Dem System der Swatch Pop folgend bedeutet dies, dass man das oktagonale Royal-Oak-Uhrengehäuse aus der Vorrichtung heraus „poppen“ kann, um so das Aussehen der Uhr oder ihre Funktion zu ändern. Zum Beginn erscheint die Royal Pop als eine Taschenuhr mit einem Band aus Kalbsleder, das zum Beispiel um den Hals, an einer Handtasche oder am Hosenbund getragen werden kann. Ebenfalls direkt zum Start bietet Swatch ein Zubehör an, mit dem sich die Swatch Pop in eine Tischuhr verwandeln lässt, indem man das Uhrengehäuse in eine entsprechende Konstruktion einfügt.

Doch eine weitere Stärke ihrer Modularität könnte es ebenfalls sein, sie durch eine zusätzliche Vorrichtung am Handgelenk tragen zu können – jedoch wurde ein solches Armband überraschenderweise noch nicht angekündigt oder vorgestellt. Am 16. Mai, dem offiziellen Veröffentlichungsdatum der Kollaboration, oder in den nächsten Monaten könnte eine solche Erweiterung jedoch vorgestellt werden, die es ermöglicht, die Uhr auch am Handgelenk zu tragen. Dies wäre der folgerichtige und logische Schritt, um die modulare Konstruktion der Royal Pop optimal zu ergänzen.

Wird diese Kollaboration Audemars Piguet – und damit der Royal Oak – schaden?

Doch gibt es an der Kollaboration auch Kritikpunkte: Wie bereits die Swatch Bioceramic Scuba Fifty Fathoms Kollektion ist auch die Royal Pop mit dem Sistem51-Uhrwerk ausgestattet. Dies ist zwar ein mechanisches Uhrwerk, was die Uhr aufwertet. Ein Nachteil dieses Uhrwerks liegt andererseits allerdings darin, dass es nicht im klassischen Sinne gewartet oder repariert werden kann, da es zu 100 Prozent maschinell und überwiegend automatisiert montiert wird und an der Stelle, an der normalerweise Schrauben Brücken halten, Stifte mit einem Laser verschweißt werden. Zwar verspricht Swatch mit dem Sistem51 ein wartungsfreies Werk für bis zu 20 Jahre, dadurch kann die Royal Pop aber wie eine Art „Wegwerfprodukt“ wirken, das nur für den temporären Gebrauch und nicht für Langlebigkeit konzipiert ist. Dies steht im Widerspruch zum hohen Anspruch an mechanische Qualität von Audemars Piguet.

Ein weiterer Kritikpunkt, der in der allgemeinen Diskussion über die Kollaboration aufgekommen ist, ist der der Markenverwässerung und die Frage, ob Audemars Piguet mit der Royal Pop am Ende die eigene Royal Oak kannibalisiert. Die Royal Oak gilt als der mit Abstand wichtigste Umsatzträger von Audemars Piguet, mit einem Umsatzanteil, der laut Handelszeitung 85 Prozent der erzielten 2,6 Milliarden Franken betragen soll. Doch offenbart die Royal Pop zugleich eine wesentliche Stärke der Royal Oak selbst: ihre gestalterische Universalität. Seit ihrer Lancierung im Jahr 1972 wurde Gérald Gentas Entwurf immer wieder variiert, verkleinert, vergrößert sowie mit Edelmetallen und Komplikationen versehen, sodass die Royal-Oak-Familie im Jahr 1989 bereits 129 verschiedene Modelle umfasste. Zugleich wurde sie auch für spätere Produktlinien der Marke – wie etwa die Royal Oak Offshore – maßgebend. Bis heute blieb das über Jahrzehnte variierte Design der oktogonalen Konstruktion treu und als Royal Oak erkennbar, ohne seine Identität zu verlieren.

Kannibalisiert Audemars Piguet mit der Royal Pop also am Ende die eigene Royal Oak? Im kommerziellen Sinne wohl kaum, da Preis, Zielgruppe und Konstruktion der Royal Pop hierfür zu unterschiedlich sind. Die größere Frage ist nicht, ob die Royal Pop der Royal Oak Käufer nimmt, sondern ob sie die kulturelle Wahrnehmung der Royal Oak verschlechtert. Die Royal Pop zeigt also weniger eine Schwäche als vielmehr die enorme Belastbarkeit des Royal-Oak-Designs. Dennoch bewegt sich Audemars Piguet mit der Royal Pop auf einem schmalen Grat: Sichtbarkeit kann zwar Begehrlichkeit erzeugen, eine zu unbeschränkte Zugänglichkeit aber auch den Eindruck von Exklusivität und Prestige des „Originals“ mindern.

Was könnten Swatch und Audemars Piguet überhaupt mit der Royal Pop bezwecken?

Die Kollaboration hat vor allem eines erreicht: Die verspielte, modulare und farbenfrohe Royal Pop hat für Gesprächsstoff gesorgt. Denn die anfängliche Aufregung und Begeisterung über die Kollaboration ist längst über die Grenzen der Uhrenbranche hinausgeschlagen und hat ihren Weg in die Diskussion der Popkultur gefunden.

War es also ein kluger Schachzug von Audemars Piguet? Zumindest insofern, als die ikonische oktogonale Konstruktion der Royal Oak ein weiteres Mal Teil der popkulturellen Konversation wurde – und jüngeren Zielgruppen durch ein erschwinglicheres Gesamtpaket einen ersten emotionalen Bezugspunkt bietet, aus dem später einmal Interesse an einer „echten“ – und wesentlich teureren – Royal Oak resultieren könnte. Diese Intention wird dadurch unterstrichen, dass Audemars Piguet jegliche Profite, die mit der Royal Pop erzielt werden, Projekten zugutekommen lässt, die dem Erhalt uhrmacherischen Savoir-faires dienen.

Hat es sich für Swatch gelohnt? Die Aktie der Swatch Group verzeichnet seit einem Jahr einen erheblichen Anstieg, der sich durch die Ankündigung der Royal Pop beschleunigt fortsetzte. Zudem könnte der sich bereits jetzt abzeichnende Erfolg der Royal Pop – der sogar den Erfolg der MoonSwatch übertreffen könnte – die Tür für weitere Kollaborationen mit großen Marken öffnen, die an der erhöhten Sichtbarkeit teilhaben wollen – wer hätte denn vor ein paar Monaten gedacht, dass eine solche Kollaboration mit der Maison Audemars Piguet möglich gewesen wäre?

Man könnte also durchaus behaupten, dass sich die Kollaboration für beide Seiten gelohnt hat: für Audemars Piguet durch erhöhte Sichtbarkeit und größere Markenwahrnehmung, für Swatch durch Aufmerksamkeit und potenziell höhere Verkaufszahlen – nur ob diese Markenwahrnehmung und Aufmerksamkeit nachhaltig sind, wird sich auch hier noch zeigen. Eines lässt sich durch die Kollaboration allerdings auf jeden Fall erkennen: Moderner Luxus definiert sich nicht mehr allein über Exklusivität, sondern zunehmend auch über kulturelle Sichtbarkeit.

Der Preis & Verfügbarkeit der Royal Pop

Die Audemars Piguet x Swatch Royal Pop ist ab dem 16. Mai 2026 exklusiv in ausgewählten Swatch Stores weltweit erhältlich. Verkaufsstellen sind im „Store Locator“ unter swatch.com zu finden. Wie auch bei anderen Swatch-Kooperationen kann nur eine Uhr pro Person, pro Tag und pro ausgewähltem Store erworben werden. Der Preis beträgt CHF 350 / EUR 385 / USD 400 für die Versionen mit Stunde und Minute und CHF 375 / EUR 400 / USD 420 für die Versionen mit zusätzlicher kleiner Sekunde.


audemarspiguet.com I swatch.com


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