Glashütte Original erweitert die Sixties-Reihe um eine violette Chronograph Jahresedition. Das Zifferblatt entsteht in der eigenen Zifferblattmanufaktur.

Wempe ist seit 2026 offizieller Zeitmesser der 24h Nürburgring und zeigt zwei passende limitierte Modelle. Wir waren am Ring und haben uns die Partnerschaft und die Uhren angesehen.
Die beiden umgebauten BMW driften mit wenigen Zentimetern Abstand durch die Kurve, der Motor dreht im Begrenzer, der Sound des Auspuffs übertönt die HipHop-Beats, die Reifen lösen sich in riesige weiße Qualmwolken auf, die alles einnebeln. Bei dieser Show vor dem 24-Stunden-Rennen stehen wir direkt an der Strecke. Immer mehr Driftcars folgen, die Zuschauer auf den vollbesetzten Tribünen jubeln. Davor waren hier schon historische Rennwagen wie Mercedes 190E Evo oder Porsche 964 RSR im eigenen Lauf unterwegs.
Schon bevor das eigentliche Rennen beginnt, merkt man, diese Motorsportveranstaltung ist etwas ganz Besonderes. Das liegt natürlich auch an der Strecke. Die Nürburgring-Nordschleife ist wegen ihrer Länge von über 20 Kilometern, der großen Höhenunterschiede, der geringen Auslaufzonen und der Historie eine der legendärsten Rundstrecken der Welt. Jackie Stewart prägte den Spitznamen „Grüne Hölle“.
Für das 24-Stunden-Rennen kommt die Grand-Prix-Strecke noch dazu, sodass 25 Kilometer pro Runde gefahren werden. Vor allem kämpfen hier seriennahe GT3-Rennwagen wie ein Porsche 911 GT3 R oder ein BMW M4 GT3 EVO um den Sieg. Es sind aber auch langsamere Fahrzeuge aus anderen Klassen auf der Strecke, bis zum Publikumsliebling, dem Dacia Logan.
Dieses Jahr gab es mit 352.000 Zuschauern vor Ort einen neuen Rekord, die Tribünen waren restlos ausverkauft. Damit ist die 24h Nürburgring die größte Motorsportveranstaltung der Welt. Einige campen hier eine Woche lang neben der Rennstrecke und sorgen für Festivalcharakter.
Auch wenn es bei der Veranstaltung und den Rennteams natürlich nicht ohne Sponsoren geht: Das hier ist noch ehrlicher Rennsport wie früher, und einige der Fahrer sind Amateure und verdienen nicht ihr Geld mit Rennfahren.
Ein richtiger Profi ist Formel-1-Star Max Verstappen. Er gründete extra einen eigenen kleinen Rennstall und wollte unbedingt auf dem Nürburgring gewinnen. Der große Zulauf an Zuschauern dieses Jahr lag auch am Publikumsinteresse an dem vierfachen Formel-1-Weltmeister.
Der Mercedes-AMG GT3 von Max Verstappen in blauer Red-Bull-Lackierung trägt den roten Wempe-Schriftzug auf dem Heckfenster, wie jeder Teilnehmer hier. Und auch sonst ist die Juweliermarke auf Schildern, Banden und eingeblendet bei der Liveübertragung sehr präsent.
Chiara Wempe ist Motorsportfan und war vor zehn Jahren das erste Mal beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Jetzt ist auf ihre Initiative hin Wempe offizieller Timing-Partner des Events und der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS). Die 28-Jährige, die bei Wempe zurzeit für Business Development zuständig ist, stellt den Gästen in der Wempe-Lounge mit Blick auf die Start-Ziel-Gerade die Partnerschaft vor.
Neben der offiziellen Zusammenarbeit mit der 24h Nürburgring und der damit verbundenen Sichtbarkeit hat sich der größte Juwelier Deutschlands mit 33 Geschäften weltweit noch einiges weiteres Spannendes ausgedacht. So gibt es auf dem Ring Boulevard einen Pop-Up-Store mit verschiedenen Aktionen. Zudem ist Fabian Schiller, Fahrer des Mercedes-AMG GT3 mit der Nummer 80, Markenbotschafter mit speziellem Wempe-Helm. Und Wempe hat von der Designerin und Künstlerin Hanna Schönwald ein Art-Car gestalten lassen: Den Evo.R hat HWA als Hommage an den Mercedes 190E 2.5-16 Evo II entwickelt. Schönwald beklebte den Wagen mit reflektierenden Streifen, um die klassischen Formen in der Dämmerung zu betonen.
Im Uhrenmarkt ist die Verbindung zum Motorsport ein beliebtes Thema. TAG Heuer ist sehr präsent, nun auch in der Formel 1, Rolex steht für Le Mans und Daytona, Chopard ist mit der Mille Miglia verbunden, IWC fährt mit Mercedes-AMG Petronas. Was diese Marken eint: Sie nutzen den Motorsport als Bühne für technische Präzision, die in der Uhrmacherei und im Rennsport gleichermaßen wichtig ist.
Wempe geht hier einen anderen Weg. Statt einer internationalen Plattform wie der Formel 1 oder der Langstrecken-Weltmeisterschaft setzt das Hamburger Unternehmen auf ein nationales Event mit globaler Strahlkraft. Die 24h Nürburgring ist im deutschsprachigen Raum medial allgegenwärtig und zieht inzwischen ein internationales Publikum an. Für eine Marke, die ihre Wurzeln in Hamburg hat und ihre Uhren in Glashütte fertigt, ist das eine konsequente Positionierung. Wempe spielt die deutsche Karte, aber auf höchstem Niveau.
Wer Wempe Glashütte i/SA verstehen will, muss die Geschichte der Sternwarte kennen. Das Observatorium auf dem Ochsenkopf hoch über dem Müglitztal wurde zwischen 1904 und 1910 von der Uhrmachervereinigung Urania errichtet, um ein eigenes Zeitsignal für die Uhrenstadt zu haben. Nach Jahrzehnten als Wohnraum zu DDR-Zeiten verfiel das Gebäude. 2005 übernahm Wempe die Ruine, restaurierte sie aufwendig und richtete dort die Deutsche Chronometerprüfstelle ein.
Bis dahin war die Chronometer-Zertifizierung den Schweizern vorbehalten, die ihre Werke nach COSC-Norm prüfen. Wempe entwickelte gemeinsam mit dem Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz und dem Sächsischen Landesamt für Mess- und Eichwesen die DIN-Norm 8319. Der entscheidende Unterschied zur Schweizer Variante: Geprüft wird nicht das blanke Werk, sondern die komplett montierte Uhr. Das ist anspruchsvoller und für den Kunden sinnvoller, weil die Ganggenauigkeit durch Einbau und Zeigersetzen verändern kann.
Seit 2006 entstehen in der Sternwarte die Linien Chronometerwerke, Zeitmeister und seit 2020 die Iron Walker. 2024 wurde direkt an der Sternwarte ein neues Ausbildungszentrum für Uhrmacher eröffnet.
Zum Start der auf mindestens drei Jahre ausgelegten Partnerschaft stellt Wempe zwei limitierte Chronographen vor, die in der eigenen Produktionsstätte in der ehemaligen Sternwarte in Glashütte entstehen. Dort werden sie auch als besonders präzises deutsches Chronometer zertifiziert, selbst unter deutschen Manufakturen eine Ausnahme.
Die Wempe Glashütte Iron Walker Chrono XL Carbon 24h Nürburgring Edition ist auf lediglich 24 Exemplare limitiert. Fünf davon sind für das Siegerteam reserviert. Das 46 Millimeter große Gehäuse besteht aus dem Rennsportmaterial Carbon, aus dem auch die Außenhaut der meisten Boliden im 24-Stunden-Rennen gefertigt ist. Während beim Gehäuse geschmiedetes Carbon zum Einsatz kommt, baut Wempe das Zifferblatt aus geflochtenem Carbon. Der Index für die Eins ist in Gold ausgeführt, um dieses Modell als die Gewinneruhr zu kennzeichnen. Beim Datum ist die 24 goldfarben gedruckt, als Reminiszenz an das 24-Stunden-Rennen. Auf der Tachymeterskala steht „24h Nürburgring“. Der Boden trägt das offizielle Logo des Rennens und die Gravur „1 of 24“.
Darunter arbeitet das Automatikkaliber SW500 des Schweizer Mechanikspezialisten Sellita. Selbst mit aktiviertem Chronographen kommt es auf 56 Stunden Gangreserve. Am Arm gehalten wird das Modell von einem schwarzen Kautschukarmband mit Textilauflage und Faltschließe. Die markante Iron Walker mit dem deutlichen Motorsportbezug kostet 6.924 Euro.
Etwas eleganter, kleiner und an unserem Handgelenk stimmiger ist der Zeitmeister Chrono 42mm Edition 24 H Nürburgring: Er wird 240-mal gebaut, ist 42 Millimeter groß und besteht aus Edelstahl mit einer DLC-geschwärzten Tachymeter-Lünette. Auch Drücker und Krone sind schwarz. Hier findet sich der Schriftzug „24 H Nürburgring“ auf dem Rehaut mit der Minuterie. Gut haben uns auch die silbernen Skalenringe bei den Hilfszifferblättern gefallen.
Als Motor dient das Automatikkaliber Eta 7753, eine modifizierte Version des bewährten 7750 mit anders angeordneten Hilfszifferblättern. Es kommt auf 48 Stunden Gangreserve und wird ebenfalls als deutscher Chronometer zertifiziert. Mit schwarzem Textilarmband und Faltschließe kostet der limitierte Zeitmeister Chrono 2.924 Euro. Für einen limitierten Chronometer-Chronographen in dieser Qualität ist das ein ziemlich fairer Preis.
Dass Wempe beide Werke in der Sternwarte zum deutschen Chronometer einreguliert, ist ein Qualitätsmerkmal. Die Einregulierung nach DIN 8319 hebt die Werke aus der breiten Masse heraus, ohne dass Wempe sie zu Manufakturkalibern verklärt.
Die Iron Walker Carbon ist ein technisch ungewöhnliches Stück, weil Wempe zwei unterschiedliche Carbon-Verfahren in einer Uhr kombiniert. Geschmiedetes Carbon, wie es im Gehäuse zum Einsatz kommt, entsteht aus kurzen Carbonfasern, die unter hohem Druck und Hitze in eine Form gepresst werden. Das Ergebnis ist eine marmorartige, jedes Mal einzigartige Struktur. Geflochtenes Carbon, wie es beim Zifferblatt verwendet wird, zeigt das klassische Karomuster, das man von Rennwagen-Karosserien kennt und das auf Zugfestigkeit optimiert ist.
Im Uhrenmarkt arbeiten Marken wie Audemars Piguet oder Richard Mille seit Jahren mit Carbon-Gehäusen. Die Kombination beider Verfahren in einer einzigen Uhr ist allerdings selten. Wempe gelingt damit eine optische Unterscheidung zwischen Gehäuse und Zifferblatt, die das Stück deutlich von anderen Carbon-Uhren absetzt.
Wir haben den Zeitmeister gleich einem Härtetest unterzogen, aber nicht im Rennwagen, die Strecke war ja gerade belegt, sondern im Hubschrauber. Mit der Uhr am Arm geht es im Tiefflug über die Eifel. Der kleine und wendige Robinson R44 Raven fliegt die Grand-Prix-Strecke und Nordschleife ab, teilweise in erheblicher Schräglage, unter uns die Rennwagen mit denen wir uns batteln. Das Streckenband mit seinen 25 Kilometern Länge zeigt aus der Luft seine wahre Dimension. Die Geschwindigkeiten der GT3-Fahrzeuge auf der Döttinger Höhe beeindrucken von hier aus noch mehr.
Und auch die unglaubliche Menge an Zuschauern wird von hier deutlicher: Die vollbesetzten Tribünen, der große Entertainmentbereich mit dem Riesenrad und die unzähligen Camping-Areas entlang der Strecke mit ihren bunten Lichtern. Die Uhr läuft präzise, das Schweizer Werk lässt sich von Vibration und Höhenänderung nicht beeindrucken und wir landen wieder sicher auf einer Wiese.
Nun bricht die Nacht herein und das Rennen bekommt einen anderen Charakter: Auf dem Ring scheinen die Fahrzeuge noch lauter zu röhren. Das Überholen im Dunkeln wird anspruchsvoller. Auf den Camps an der Strecke brennen die Feuer, es wird gegrillt und gefeiert, und vielleicht schläft sogar jemand.
Das Eifelwetter bleibt unbeständig, einzelne Schauer lassen die Teams über Regenreifen nachdenken. Die Favoriten scheiden nacheinander aus: Der Grello-Porsche rutscht auf einer Ölspur weg, und der Vorjahressieger ROWE Racing mit dem BMW M4 GT3 EVO fällt wegen eines Defekts aus.
Um 15 Uhr endet das Rennen nach 24 Stunden. Alle, die nun über die Ziellinie fahren und die karierte Flagge sehen, werden beklatscht, denn durch das Wetter, die Nacht und das dichte Verkehrsaufkommen ohne Schaden zu kommen, ist eine großartige Leistung.
Zum Schluss gewinnt Mercedes nach zehn Jahren wieder die 24 Stunden am Nürburgring. Aber nicht Max Verstappen steht ganz oben auf dem Siegertreppchen, seinen in Führung liegenden Wagen ereilt dreieinhalb Stunden vor Rennende ein Defekt an der Hinterachse, sondern das Schwesterauto mit Wempe-Botschafter Fabian Schiller hat nach 24 Stunden mit 156 Runden die Nase vorn.
Am Ende erreicht der Walkenhorst Aston Martin Vantage Platz drei, der Abt-Lamborghini Platz zwei, und ganz oben auf dem Podest stehen die Mercedes-AMG-Piloten Maro Engel, Luca Stolz, Maxime Martin und Wempe-Markenbotschafter Fabian Schiller.
Nach den Medaillen und dem Pokal übergibt Chiara Wempe den Siegern den Iron Walker Chronograph 24h Nürburgring Edition. Eine schönere Premiere für die neue Partnerschaft hätte sich Wempe kaum wünschen können. Den Gästen konnte man die Begeisterung anmerken, und wer vorher noch kein Motorsportfan war, der war es nach diesen ereignisreichen 24 Stunden.