Die A. Lange & Söhne Triple Split ist nicht einfach ein Schleppzeiger-Chronograph mit einem zusätzlichen Zähler. Vielmehr verfügt der Triple Split Chronograph seit seiner Einführung im Jahr 2018 über ein technisches Alleinstellungsmerkmal, das ihn von anderen Zeitmessern im Bereich der mechanischen Chronographen unterscheidet: Er ist der weltweit einzige Schleppzeiger-Chronograph, mit dem der Träger Zwischen-, Vergleichs- und Endzeiten über einen Zeitraum von bis zu zwölf Stunden messen kann. Nun präsentiert A. Lange & Söhne eine auf 100 Exemplare limitierte Edition des Triple Split, die erstmals ein Gehäuse aus 950er Platin mit einem rhodiéfarbenen Zifferblatt und dunkleren, grauen Hilfszifferblättern kombiniert.

In diesem Artikel nehmen wir die neue A. Lange & Söhne Triple Split und die besondere Funktionsweise ihrer Mechanik genauer unter die Lupe.

Die Besonderheit der Triple Split

Die Besonderheit der A. Lange & Söhne Triple Split liegt in dem Mechanismus, der ihr zugrunde liegt: dem aus 567 Einzelteilen bestehenden Manufakturkaliber L132.1 mit Handaufzug, das auf dem bereits bestehenden Kaliber L001.1 der Double Split von 2004 aufbaute und dieses weiterentwickelte.

Die technische Besonderheit des Manufakturkalibers L132.1 bestand darin, das klassische Rattrapante-Prinzip zu verdreifachen: Während ein herkömmlicher Rattrapante-Chronograph zwei gleichzeitig gestartete Vorgänge lediglich über einen Zeitraum von bis zu 60 Sekunden getrennt erfassen kann, ermöglichte die Lange Double Split von 2004 bereits die getrennte Messung von Sekunden und bis zu 30 Minuten. Mit der Triple Split ging A. Lange & Söhne 2018 noch einen Schritt weiter: Erstmals ließen sich nicht nur Sekunden und Minuten, sondern auch Stunden getrennt messen – und damit zwei gleichzeitig gestartete Vorgänge über einen Zeitraum von bis zu zwölf Stunden miteinander vergleichen.

Das Grundprinzip eines Rattrapante-Chronographen beruht auf zwei übereinanderliegenden Zeigern – dem eigentlichen Chronographenzeiger und dem darüberliegenden, bei der Triple Split blau ausgeführten Rattrapante- oder „Schleppzeiger“ –, die auf ineinanderlaufenden Wellen sitzen. Bei der Double Split ist diese Anordnung bereits zweifach ausgeführt: mit zwei zentralen Sekundenzeigern sowie einem weiteren Zeigerpaar für den bis zu 30 Minuten messenden Minutenzähler. Mit der Triple Split erweiterte A. Lange & Söhne dieses Prinzip ein weiteres Mal und ergänzte die Sekunden- und Minutenanzeige um ein drittes Zeigerpaar auf dem 12-Stundenzähler bei 12 Uhr. Damit lassen sich zwei gleichzeitig gestartete Vorgänge über bis zu zwölf Stunden unmittelbar miteinander vergleichen.

Die eigentliche konstruktive Herausforderung liegt damit weniger in der bloßen Zahl der Anzeigen als in ihrer präzisen Koordination. Das Uhrwerk muss sicherstellen, dass alle sechs Chronographen- und Rattrapante-Zeiger ihre jeweiligen Funktionen – vom gemeinsamen Start über das getrennte Anhalten bis zum anschließenden Synchronisieren – exakt ausführen.

Doch welchen praktischen Nutzen hat das? Die Triple Split ermöglicht es, zwei gleichzeitig gestartete Vorgänge über mehrere Stunden hinweg miteinander zu vergleichen. Bei einem Autorennen könnte beispielsweise die Zeit eines Fahrzeugs beim Zieleinlauf mit den Rattrapante-Zeigern festgehalten werden, während die Chronographenzeiger bis zum Eintreffen eines zweiten Fahrzeugs weiterlaufen. Auf diese Weise lässt sich der zeitliche Abstand zwischen beiden unmittelbar erfassen – selbst wenn das Rennen mehrere Stunden dauert.

A. Lange & Söhne Triple Split: Wie der dreifache Rattrapante wirklich funktioniert

Wie die A. Lange & Söhne Triple Split funktioniert, lässt sich am besten anhand ihrer drei Drücker nachvollziehen: Mit dem Drücker bei 2 Uhr wird der Chronograph gestartet und gestoppt. Beim Start setzen sich alle drei Chronographen- und Rattrapante-Zeigerpaare für Chronographen-Sekunden, -Minuten und -Stunden gemeinsam in Bewegung. Der Drücker bei 4 Uhr steuert die Flyback- beziehungsweise Rückstellfunktion: Mit ihm lassen sich die Chronographenzeiger auf null zurücksetzen und unmittelbar eine neue Zeitmessung starten, ohne den Chronographen zuvor anhalten zu müssen.

Für die eigentliche Rattrapante-Funktion ist der Drücker bei 10 Uhr zuständig. Wird er während einer laufenden Messung betätigt, bleiben die drei blauen Rattrapante-Zeiger für Chronographen-Sekunden, -Minuten und -Stunden stehen und halten so eine Zwischenzeit fest, während die jeweils darunterliegenden Chronographenzeiger weiterlaufen. Ein erneuter Druck auf den Rattrapante-Drücker löst die festgehaltenen Rattrapante-Zeiger wieder: Sie holen die weiterlaufenden Chronographenzeiger augenblicklich ein und laufen anschließend erneut synchron mit ihnen weiter.

Damit die unmittelbar aufeinanderfolgenden Vorgänge des Startens, Stoppens, Einholens und Nullstellens präzise funktionieren, greifen im Uhrwerk zahlreiche Schalträder, Hebel, Federn, Kupplungen und Rasten ineinander. Obwohl die Triple Split gegenüber der Double Split zusätzlich über einen 12-Stundenzähler samt eigenem Räderwerksstrang verfügt und die Gangreserve zugleich um 17 Stunden – von 38 auf 55 Stunden – erhöht wurde, fiel das Kaliber L132.1 nur 0,3 Millimeter höher aus als sein Vorgänger L001.1. Das zeigt, wie kompakt A. Lange & Söhne die zusätzliche Mechanik in das Werk integrieren konnte.

Die eigentliche konstruktive Herausforderung in der Entwicklung des Uhrwerks bestand darin, die drei Rattrapante-Systeme für Sekunden, Minuten und Stunden in einem einzigen Uhrwerk miteinander zu vereinen. Bei einem klassischen Rattrapante-Chronographen sitzen zwei Zeiger auf ineinanderlaufenden Wellen, die sich zeitweise unabhängig voneinander bewegen können. Bei der A. Lange & Söhne Triple Split wurde dieses Prinzip gleich dreifach umgesetzt: Neben den beiden zentralen Sekundenzeigern verfügen auch der Minuten- und der Stundenzähler jeweils über ein eigenes Wellenpaar mit einem Chronographen- und einem Rattrapante-Zeiger.

Doch wie funktioniert dieses Prinzip mechanisch? Um Klarheit in die komplexen Schaltketten zu bringen, lässt sich das Grundprinzip des Rattrapante-Mechanismus am übersichtlichsten anhand der zentralen Chronographen-Sekundenachse erklären. Die folgende Beschreibung lässt sich sinngemäß auch auf die Minuten- und Stundenzählerachsen übertragen.

A. Lange & Söhne Triple Split: Wie Chronograph und Rattrapante mechanisch zusammenspielen

Anlaufen der Rattrapante-Zeiger

Entscheidend ist dabei, dass sich Chronographen- und Rattrapante-Zeiger zeitweise unabhängig voneinander bewegen können müssen: Während der Rattrapante-Zeiger zum Festhalten einer Zwischenzeit stehen bleibt, läuft der eigentliche Chronographenzeiger weiter. Anschließend müssen beide Zeiger wieder miteinander gekoppelt und synchronisiert werden.

Der reguläre zentrale Chronographen-Sekundenzeiger sitzt auf einer äußeren, rohrförmigen Chronographen-Zentralwelle (1). Diese wird vom Uhrwerk über das Chronographen-Zentrumsrad (2) angetrieben. Fest mit ihr verbunden sind eine Herzscheibe für die Nullstellung (3) des Chronographen-Zentrumsrads und eine weitere Herzscheibe für die Rattrapante-Funktion (4). Diese Herzscheibe ermöglicht es, einen Zeiger auf dem jeweils kürzesten Weg möglichst schnell auf null zurückzuführen – unabhängig davon, ob dies im oder gegen den Uhrzeigersinn geschieht.

Der Rattrapante-Zeiger muss nach dem Stoppen einer Zwischenzeit wieder mit dem laufenden Chronographen-Sekundenzeiger synchronisiert werden. Der über dem Chronographen-Sekundenzeiger liegende Rattrapante-Zeiger sitzt auf der inneren Rattrapante-Zentrumswelle (5), die durch die hohle Außenwelle läuft. Am unteren Ende der inneren Rattrapante-Zentrumswelle befinden sich das Isolatorrad (6) sowie das Rattrapante-Zentrumsrad (7), an dem der frei drehbare Rattrapante-Herzhebel (8) befestigt ist.

Die wesentliche Herausforderung besteht nun darin, die voneinander unabhängig beweglichen Zentrumswellen des Chronographen (1) und des Rattrapante-Mechanismus (5) miteinander zu koppeln. Dazu drückt in der Ausgangsstellung eine Feder den Rattrapante-Herzhebel (8) gegen die flache Seite der Rattrapante-Herzscheibe (4). Dadurch wird sichergestellt, dass das Rattrapante-Zentrumsrad (7) bei aktivem Rattrapante-Betrieb mitgenommen wird und die beiden Zentrumswellen des Chronographen-Zeigers (1) und des Rattrapante-Zeigers (5) miteinander gekoppelt werden. Sobald der Chronograph gestartet wird, laufen somit alle drei Chronographen- und Rattrapante-Zeigerpaare gemeinsam an.

Stoppen und Aufholen der Rattrapante-Zeiger

Nun gilt es noch, die wesentlichen Funktionen des Rattrapante-Mechanismus technisch zu erklären – nämlich das Stoppen und anschließende Aufholen der drei Rattrapante-Zeiger der Triple Split. Wird der Rattrapante-Drücker betätigt, bewegt der mit ihm verbundene Rattrapante-Schalthebel (10) das Kolonnenrad (11) um eine Position weiter. Daraufhin schließt sich die Rattrapante-Zange (12) und hält das Rattrapante-Zentrumsrad (7) fest: Der Rattrapante-Sekundenzeiger bleibt nun stehen. Im selben Moment halten die Minuten-Arretierfeder (13) und der Stunden-Arretierhebel (15) unverzüglich die Rattrapante-Zeiger der Minuten- und Stundenzähler fest. Unterdessen setzen die drei Chronographenzeiger ihre Bewegung unbeirrt fort.

Wird der Rattrapante-Drücker (10) ein zweites Mal betätigt, öffnet sich die Rattrapante-Zange (12); zugleich werden die Minuten-Arretierfeder (13) und der Stunden-Arretierhebel (15) aus dem Eingriff gedrückt. Die drei Rattrapante-Zeiger holen die laufenden Chronographenzeiger daraufhin augenblicklich wieder ein.

Die neue A. Lange & Söhne Triple Split in Platin

Der ersten Ausführung der A. Lange & Söhne Triple Split von 2018 in 750er Weißgold mit grauem Zifferblatt sowie der 2021 präsentierten Variante in 750er Rotgold mit blauem Zifferblatt folgt nun eine dritte, ebenfalls auf 100 Exemplare limitierte Edition. Die neue Ausführung präsentiert die Triple Split erstmals in einem Platingehäuse mit rhodiéfarbenem Zifferblatt, auf dem sich graue Hilfszifferblätter kontrastreich absetzen.

Das Gehäuse der A. Lange & Söhne Triple Split misst einen Durchmesser von 43,2 mm bei einer Höhe von 15,6 mm, ist bis 3 bar (30 Meter) wasserdicht und besteht aus Platin. Diese Dimensionen sind für einen klassischen Handaufzugs-Chronographen durchaus beträchtlich und der komplexen Rattrapante-Mechanik geschuldet. Das Gehäuse umgibt das rhodiéfarbene Zifferblatt aus 925er Silber, auf dem sich die grauen Hilfszifferblätter für die kleine Sekunde sowie den 30-Minuten-Zähler farblich absetzen.

Zehn Zeiger auf einem Zifferblatt

Das Zifferblatt der A. Lange & Söhne Triple Split verfügt über insgesamt zehn Zeiger, die das Zifferblatt informationsreich gestalten. Den beiden zentralen Chronographen-Sekundenzeigern wurde auf dem Hauptzifferblatt die größte Anzeigefläche verliehen. Bei 4 Uhr befindet sich der springende 30-Minutenzähler, der jeweils nach Ablauf einer Minute um einen Teilstrich weiterspringt. Etwas kleiner ist bei 12 Uhr die schleichende Anzeige für den 12-Stundenzähler positioniert, dem gegenüber die Lange-typische Gangreserveanzeige mit „AUF/AB“ bei 6 Uhr liegt. Sie informiert darüber, wie viel von der maximal 55-stündigen Gangreserve noch verfügbar ist. Das Hilfszifferblatt der kleinen Sekunde, welches bei 8 Uhr positioniert ist, rundet das Zifferblatt ab.

Lange setzt bei der neuen A. Lange & Söhne Triple Split unterschiedliche Materialien für Haupt- und Rattrapante-Zeiger ein, um ihre Rollen visuell zu trennen. Sowohl die kleine Sekunde als auch der Chronograph-Minutenzähler sind aus rhodiniertem 750er Gold gefertigt; Gangreservezeiger, Chronograph-Sekundenzeiger und Chronograph-Stundenzähler bestehen aus rhodiniertem Stahl, während Rattrapante-Sekundenzeiger, Rattrapante-Minutenzähler und Rattrapante-Stundenzähler zur farblichen Unterscheidung aus gebläutem Stahl geformt wurden.

Nicht zuletzt sind die Appliken der neuen A. Lange & Söhne Triple Split wie die Stundenindizes bei 3, 6, 9 und 12 Uhr aus rhodiniertem 750er Gold gefertigt. Sowohl die Stundenindizes als auch die zentralen Stunden- und Minutenzeiger sind zudem mit einer Leuchtmasse überzogen, wodurch sie bei dunklen Lichtverhältnissen nachleuchten. Umgeben wird der Zifferblattinnenteil von einer Tachymeterskala, die es ermöglicht, im Rahmen von Stoppzeitmessungen auch Durchschnittsgeschwindigkeiten über eine Strecke von 1000 Metern zu ermitteln.

Das Kaliber L132.1 und seine Finissierung

Dreht man die neue A. Lange & Söhne Triple Split um, erlaubt der Saphirglasboden Einblicke in das Handaufzugs-Manufakturkaliber L132.1. Dieses ist in der für A. Lange & Söhne typischen Fertigungstiefe von Hand dekoriert und montiert sowie in fünf Lagen feinreguliert. Hervorzuheben sind hierbei insbesondere die Oberseiten der Hebel, Federn und Wippen, die allesamt mit einem Strichschliff dekoriert sind, während die umlaufenden Fasen angliert sind. Besonders anspruchsvoll ist bei der Uhrwerksverzierung die Fasenpolitur der spitzwinkligen Innenecken. Fünf verschraubte Goldchatons auf den mit Glashütter Bandschliff dekorierten Brücken aus naturbelassenem Neusilber sowie der handgravierte Unruhkolben runden das Gesamtbild der neuen A. Lange & Söhne Triple Split ab.

Preis & Verfügbarkeit der A. Lange & Söhne Triple Split

Die neue A. Lange & Söhne Triple Split wird an einem braunen, handgenähten Alligatorlederband mit grauer Naht getragen, das mit einer Faltschließe mit Schnellverschluss aus 950er Platin ausgestattet ist.

Die neue Edition des A. Lange & Söhne Triple Split ist auf 100 Exemplare limitiert, die jeweils mit einer entsprechenden Limitierungsgravur versehen sind, und wird im Rahmen des diesjährigen Concours of Elegance at Hampton Court Palace am ersten Septemberwochenende vorgestellt. Preislich wird die Triple Split bei circa 210.000 Euro liegen.


alange-soehne.com

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