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Eine Einsatzuhr für den Krisenstab? Auf den ersten Blick wirkt die neue Sinn EZM 19 ungewöhnlich – nicht nur wegen ihres hochspezialisierten Einsatzbereichs, sondern auch, weil Stabsarbeit häufig fernab des eigentlichen Einsatzgeschehens stattfindet. Doch wenn zahlreiche kritische Informationen gleichzeitig eintreffen, Einsatzkräfte koordiniert und Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden müssen, wird Zeit selbst zu einem entscheidenden Faktor für den Einsatz.
Genau an diesem Punkt setzt die neue Sinn EZM 19 an. Gemeinsam mit Tomas Stanke, Oberbrandrat und Leiter der Feuerwehr Hattingen, entwickelte Sinn einen Einsatzzeitmesser speziell aus den Anforderungen der Stabsarbeit heraus. Doch wie sinnvoll ist eine solche „Stabsuhr“ tatsächlich – und was muss sie leisten? In diesem Artikel betrachten wir die Arbeit eines Krisenstabs und die Funktionen der Neuheit im Detail.
Grundsätzlich erfordert nicht jede Einsatzlage einen Stab. Bei kleineren und mittleren Einsätzen geht es um das Abfedern und Wiedereinlenken von Situationen, die in der Praxis als „Störungen“ und „Notfälle“ bezeichnet werden. Stäbe hingegen greifen weiter und betreffen Aufgaben, die, wenn sie nicht erfüllt werden, ganze Zielsysteme aus der Bahn geraten lassen – je nach Lage zum Beispiel ein Unternehmen, ein Krankenhaus, eine Behörde oder eine ganze Stadt. Begrifflich werden diese Situationen dann als eine „Krise“ eingeordnet.
Um solche Krisensituationen und ihre Gefahren zu bewältigen, wird eine temporäre Führungs- und Koordinationsstruktur eingerichtet, die Informationen bündelt, Entscheidungen vorbereitet und Maßnahmen zur Krisenbewältigung koordiniert – ein sogenannter Krisenstab.
Im deutschen Bevölkerungsschutz sind Stäbe deshalb vor allem als temporäre Führungs- und Koordinierungsstrukturen für außergewöhnliche Lagen zu verstehen. Bei Feuerwehr, Polizei, Rettungs- und Hilfsdiensten werden die Stäbe als „technische Einsatzleitung“, „Führungsstab“ beziehungsweise als „Krisen-“ oder Verwaltungsstab bezeichnet. „Stabsarbeit“ ist dabei der treffendere Oberbegriff für das, was die Menschen innerhalb dieser Struktur, also in der Einsatzführung eines Stabes, tun.
So bewiesen Feuerwehr und Rettungsdienst etwa an der Elbe 2002 während der „Jahrhundertflut“, beim Einsturz des historischen Archivs in Köln 2009, bei der Explosion in der Bayernoil-Raffinerie in Vohburg 2018, während des 31-stündigen Stromausfalls in Berlin 2019 oder während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 ihre Einsatzfähigkeit im Rahmen von Krisenstäben. Prägnante stabsmäßig geführte Polizeieinsätze gab es unter anderem beim Anschlag am und im Olympia-Einkaufszentrum in München 2016 sowie zum Schutz des G20-Gipfels in Hamburg im Jahr 2017.
Krisen- oder Führungsstäbe entstehen jedoch nicht nur deshalb, weil eine Lage besonders außergewöhnlich oder dramatisch ist; sie entstehen auch dadurch, dass die normale Organisation an ihre Grenzen kommt. In einer Krisensituation treffen innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Informationen, Zuständigkeiten und Einsatzkräfte aufeinander, die gleichzeitig koordiniert werden müssen. Dabei nehmen beispielsweise Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr und Verwaltung gemeinsam Verantwortung für eine Lage, die sich bei begrenzter Vorhersehbarkeit dynamisch entwickelt.
Während die operativen Einheiten die Maßnahmen vor Ort umsetzen, schafft der Stab gerade deshalb die Voraussetzungen dafür, dass der Einsatz überhaupt wirksam geführt werden kann. Der Beitrag eines Stabes kann in vier Führungsleistungen zusammengefasst werden: Erstens muss der Stab selbst arbeitsfähig sein, also Informationen verarbeiten, Entscheidungen vorbereiten und als Team funktionieren können. Zweitens muss der Einsatz führbar gemacht werden – durch klare Zuständigkeiten, geeignete Kommunikationswege und eine übersichtliche Führungsstruktur.
Drittens muss der Stab Zeitvorteile schaffen, indem er Entwicklungen frühzeitig erkennt und Entscheidungen rechtzeitig vorbereitet. So soll er der fortschreitenden Lage möglichst einen Schritt voraus sein. Viertens geht es darum, den weiteren Verlauf des Ereignisses gezielt zu beeinflussen, indem Probleme erkannt, geeignete Maßnahmen festgelegt und deren Umsetzung gesteuert werden.
Zusammengefasst haben Stäbe also die Aufgabe, Situationen zu stabilisieren, Zielsysteme wieder einzulenken und die organisationale Souveränität zu sichern. Dabei spielt vor allem eines eine entscheidende Rolle: Orientierung und Zeitmanagement.
Da die Führung größerer Einsätze einen enormen Kommunikationsaufwand erzeugt, ist vor allem eine zielgerichtete und effiziente Kommunikation entscheidend. So müssen operative Bereiche vor Ort angebunden, Spontanhelfer gesteuert, Kontakte zu anderen Führungseinheiten hergestellt, Presseanfragen bedient und insbesondere Lageinformationen erhoben und diese schlussendlich zu einem Einsatzmodell zusammengefügt werden.
Das Informationsmanagement ist somit als das zentrale Nervensystem der Einsatzführung zu verstehen und muss die anfallende Informationsmenge mit einer ähnlichen Geschwindigkeit verarbeiten können, mit der sich auch das Ereignis entwickelt. Doch da der Ereignisverlauf kontinuierlich fortschreitet, ist Kommunikation immer auch ein Arbeiten gegen die Zeit – genau hier setzt die neue Sinn EZM 19 an, die gemeinsam mit Tomas Stanke, Oberbrandrat und Leiter der Feuerwehr Hattingen, entwickelt wurde.
Die Uhr geht auf die Erkenntnis zurück, dass Krisenlagen manchmal mehrere Tage oder sogar Wochen dauern und sich die Arbeit eines Stabes daher zwangsläufig am 24-Stunden-Rhythmus von Tag und Nacht orientiert. Aus dieser Realität heraus haben sich feste Zeitfenster der Stabsarbeit etabliert, die sich je nach Intensität der Krisenlage häufig in Vier- oder Acht-Stunden-Zyklen unterteilen lassen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass besonders kritische Szenarien bereits eine Ablösung der Mitarbeiter eines Stabes nach vier Stunden erfordern können, da Konzentration und Aufmerksamkeit nachlassen, während ruhigere Lagen längere Schichtmodelle von acht Stunden erlauben.
Dieser Tatsache folgend zeigt das Zifferblatt zwei markante Vier- und Acht-Stunden-Markierungen, die mittels groß ausgeführter Ziffern jene für die Stabsarbeit wichtigen Zeitfenster hervorheben, die sich in realen Einsatzlagen bewährt haben.
Unterstützt wird diese Funktion zudem durch die Farbgestaltung der von Hand aufgesetzten hybridkeramischen Leuchtelemente. Am Tage sind Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger, das Leuchtdreieck des Drehrings, die Vier- und Acht-Stunden-Ziffern sowie die Stundenindizes auf dem Zifferblatt farblich zusammengefasst und bilden die zentralen Orientierungselemente der Neuheit. Bei dunklen Lichtverhältnissen beginnen, bis auf die Stundenindizes und den Sekundenzeiger, die gelb leuchten, alle Elemente blau nachzuleuchten und gewähren somit auch Orientierung im Dunkeln.
Als zusätzliches Orientierungsmittel bietet die Lünette mit Minutenrastung der EZM zwei Zeitebenen, die für die Stabsarbeit von Bedeutung sind: eine Minutenskala bis zu 35 Minuten und eine Vier-Stunden-Markierung. Die 35-Minuten-Skala richtet sich an zeitlich begrenzte Lagebesprechungen, mithilfe derer der Stabsleiter deren Dauer verfolgen kann. Nach spätestens 35 Minuten Besprechungszeit soll feststehen, welche Maßnahmen folgen.
Ist die Lagebesprechung beendet, beginnt die operative und administrative Arbeit und die Vier-Stunden-Markierung desselben Rings rückt in den Fokus. Diese Markierung dient dazu, den Zeitraum bis zur nächsten Lagebesprechung, Übergabe oder Ablösung im Blick zu behalten.
Hinzu kommt eine Datumsanzeige bei 12 Uhr, die laut Sinn gerade bei mehrtägigen Einsätzen und Nachtschichten die zeitliche Orientierung unterstützen soll. Die EZM 19 bildet damit den Wechsel zwischen kurzen Entscheidungs- und größeren Arbeitsphasen der Stabsarbeit auf der Uhr ab und hilft dabei, diese zu kontrollieren.
Da Stabsarbeit jedoch nicht nur in klimatisierten Räumen, sondern auch im Freien, in Zelten oder unter wechselnden Witterungsbedingungen stattfinden kann, ist die EZM 19 entsprechend robust ausgelegt.
Ihre Funktionssicherheit von −45 bis +80 °C soll gewährleisten, dass die Uhr auch bei starken Temperaturschwankungen zuverlässig arbeitet, während die Ar-Trockenhaltetechnik die Feuchtigkeit im perlgestrahlten Edelstahlgehäuse mit einem Durchmesser von 41 mm reduziert und damit insbesondere bei Temperaturwechseln die Funktions- und Beschlagsicherheit erhöht. Hinzu kommt ein Magnetfeldschutz bis 100 mT, der das Uhrwerk vor magnetischen Einflüssen schützen soll, wie sie im Umfeld moderner Geräte – etwa durch Permanentmagnete in Tablets, Smartphones oder deren Schutzhüllen – auftreten können.
Im Zentrum der Stabsarbeit steht der Schutz der Bevölkerung. Während der Zivilschutz in Deutschland in den Kompetenzbereich des Bundes fällt, liegt der Katastrophenschutz bei den Ländern. Die Konzeption Zivile Verteidigung (KZV) des Bundesinnenministeriums richtet den Blick dabei unter anderem auf hybride Bedrohungen durch staatliche und nichtstaatliche Akteure, etwa Cyberangriffe oder Störungen kritischer Infrastrukturen. Zugleich erhöhen Wetterextreme infolge des Klimawandels und Infektionskrankheiten den Bedarf an leistungsfähigen Stabsstrukturen. Vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer und umweltbedingter Risiken ist das mögliche Einsatzfeld einer Krisenstabsuhr entsprechend breit.
Obwohl der EZM 19 aus den Erfahrungen der Stabsarbeit heraus entwickelt wurde, ist sein Nutzen nicht auf Ausnahmesituationen beschränkt. Sinn nennt auch alltägliche Anwendungen, etwa Besprechungen, Prüfungssituationen oder generell Zeitfenster, die bewusst strukturiert werden müssen. Ob Parkdauer oder Terminfenster – die Grundidee bleibt dieselbe.
Die Sinn EZM 19 ist mit vier verschiedenen Armbändern erhältlich. Die Varianten mit Wildschwein-Nubuk-Lederarmband oder Textilarmband kosten jeweils 1.950 Euro, die Ausführung mit integriertem Silikonarmband 2.160 Euro. Mit massivem Edelstahlarmband und Bandlängen-Feinverstellung liegt der Preis bei 2.300 Euro.