Ferrari und Girard-Perregaux verband weit mehr als eine klassische Markenkooperation. Von einer kaum bekannten Sonderanfertigung für Enzo Ferrari bis zu drei einzigartigen Tourbillons für Michael Schumacher, Jean Todt und Gino Macaluso entstanden Uhren, die Motorsportgeschichte in Mechanik, Farben und Formen übersetzten. Ein Besuch im Heritage-Archiv von Girard-Perregaux brachte einige der seltensten Exemplare wieder ans Licht.

Die offizielle Zusammenarbeit von Girard-Perregaux und Ferrari begann 1994. Ihre Vorgeschichte reicht jedoch fast drei Jahrzehnte weiter zurück – bis zu einer ungewöhnlichen Bestellung von Enzo Ferrari persönlich. Was folgte, war eine Partnerschaft, in der zwei Welten aufeinandertrafen, die überraschend viel gemeinsam haben: technische Präzision, kompromisslose Leistung und ein ausgeprägtes Gespür für Design.

Im Heritage-Archiv von Girard-Perregaux in der Schweiz konnten wir einige der außergewöhnlichsten Zeitzeugen dieser Verbindung aus nächster Nähe betrachten. Fünf Modelle erzählen dabei von fast vier Jahrzehnten gemeinsamer Geschichte.

Der Anfang vom Anfang: die „Damier“ von 1965

Bereits 1965 ließ Enzo Ferrari eine exklusive Kleinserie der Girard-Perregaux „Damier“ anfertigen. Eine offizielle Verbindung zwischen den beiden Unternehmen bestand damals noch nicht – umso spannender ist seine bewusste Entscheidung für die Schweizer Manufaktur.

Die „Damier“ gehörte zu den populären Girard-Perregaux-Modellen der 1960er-Jahre. Ihr charakteristisches, indexloses Zifferblatt besitzt ein geometrisches Muster, das Enzo Ferrari an die schwarz-weiß karierte Zielflagge eines Grand Prix erinnerte. Rund 50 Exemplare wurden mit dem Ferrari-Emblem personalisiert und anschließend an ausgewählte Rennfahrer und enge Vertraute verschenkt.

Technisch blieb die rechteckige Stahluhr betont klassisch. Ein Handaufzugswerk für Stunden und Minuten, das schlichte Lederarmband und das ungewöhnliche Zifferblatt machten Sie zu einer zurückhaltend-eleganten Armbanduhr. Heute ist die „Damier“ nicht nur ein äußerst seltenes Sammlerstück, sondern zugleich auch das früheste Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Ferrari und Girard-Perregaux.

Zwei Persönlichkeiten, eine gemeinsame Vision

Fast drei Jahrzehnte später entwickelte sich aus dieser frühen Verbindung eine offizielle Partnerschaft. Entscheidend vorangetrieben wurde sie von Gino Macaluso, dem damaligen Eigentümer und CEO von Girard-Perregaux, und Jean Todt, der Ferrari als General Manager und Teamchef der Scuderia in eine neue Ära führte.

Haute Horlogerie für den F50

Eines der technisch anspruchsvollsten Ergebnisse dieser Partnerschaft war der 1996 vorgestellte „Girard-Perregaux pour Ferrari“ Chronograph F50, Referenz 9025. Mit dem 1995 vorgestellten Ferrari F50 läutete die Marke ihr für 1997 anstehendes 50-jähriges Jubiläum bereits zwei Jahre im Voraus ein.

Das hier gezeigte Modell besitzt ein 40 Millimeter großes Roségoldgehäuse und ein cremefarbenes Zifferblatt. Im Inneren arbeitet das automatische Kaliber 3170. Es kombiniert einen Chronographen mit ewigem Kalender, kleiner Sekunde und einer Gangreserve von mindestens 46 Stunden.

Die erste Serie umfasste exakt 349 Exemplare – entsprechend der Zahl der damals gebauten Ferrari F50. Diese Uhren waren zunächst ausschließlich den Besitzern des Supersportwagens vorbehalten und wurden häufig passend zur Fahrgestellnummer ihres Autos nummeriert. Aufgrund der großen Nachfrage folgten schließlich weitere 250 Stück. Insgesamt entstanden somit 599 Exemplare in Titan, Gelb- und Roségold sowie Platin.

Auch die Präsentation war außergewöhnlich: Jede Uhr wurde in einer eigens entworfenen Box mit integriertem Uhrenbeweger und einem speziellen Stift zum Einstellen der versenkten Drücker ausgeliefert.

Der erfolgreichste Ferrari-Chronograph

Während die F50 bewusst exklusiv blieb, entwickelte sich der 1997 eingeführte Chronograph 8020 zum erfolgreichsten Modell der gesamten Kooperation. Rund 50.000 Exemplare sollen gefertigt worden sein.

Mit seinem 38-Millimeter-Edelstahlgehäuse und dem automatischen Kaliber 2280 besitzt der Chronograph auch für heutige Verhältnisse ziemlich klassische Proportionen. Das Werk bietet neben der Stoppfunktion eine kleine Sekunde sowie ein Datumsfenster bei vier Uhr.

Das Exemplar aus dem Heritage-Archiv trägt ein leuchtend gelbes Zifferblatt mit dem Cavallino Rampante. Der Farbton orientiert sich am „Giallo“ des Ferrari-Emblems. Daneben entstanden Varianten in Rot, Blau, Weiß und Schwarz. Mit einem damaligen Preis von 2.950 Schweizer Franken für die Stahlversion war die Referenz 8020 vergleichsweise zugänglich – und brachte die Partnerschaft einem deutlich größeren Kreis von Ferrari- und Uhrenenthusiasten näher.

Grigio Ingrid für eine besondere Geschichte

2002 widmete Girard-Perregaux eine Uhr einem der elegantesten Ferrari-Unikate: dem 375 Mille Miglia, den Pininfarina 1954 im Auftrag des Filmregisseurs Roberto Rossellini für dessen Frau Ingrid Bergman entworfen hatte. Nur ein einziges Fahrzeug entstand. Seine zurückhaltende hellgraue Lackierung wurde später unter dem Namen „Grigio Ingrid“ bekannt.

Der auf 375 Exemplare limitierte 375 MM Mono-Pusher Chronograph ist dementsprechend mit einem Zifferblatt in dieser Farbe ausgestattet. Vergoldete Indizes und zwei anthrazitfarbene Hilfszifferblätter ergänzen den subtilen Grauton. Das 30 x 45 Millimeter große Roségoldgehäuse nimmt mit seiner rechteckigen Form die elegante Formensprache der Vintage-1945-Kollektion auf.

Im Inneren arbeitet das handaufgezogene Säulenradkaliber GP E03C0 mit 38 Stunden Gangreserve. Sämtliche Chronographenfunktionen werden über einen einzigen Drücker bedient, der in die Krone integriert wurde.

Drei Tourbillons für fünf Weltmeisterschaften

Den Höhepunkt der Kooperation markiert der Vintage 1945 Ferrari Tourbillon von 2004, Referenz 99850. In diesem Jahr bestand die offizielle Partnerschaft seit einem Jahrzehnt – zugleich hatte Michael Schumacher mit Ferrari gerade seinen fünften Formel-1-Weltmeistertitel in Folge gewonnen.

Gino Macaluso ließ aus diesem Anlass drei identische Prototypen anfertigen: einen für Schumacher, einen für Jean Todt und einen für sich selbst. Die rechteckigen Uhren besitzen ein vergoldetes Messinggehäuse, ein Alligatorlederband und Girard-Perregaux´s charakteristisches Gold-Bridge-Tourbillon mit Handaufzug.

Besonders eindrucksvoll ist das Zifferblatt in Ferraris Rotton „Rosso Corsa“. Neben verschiedenen Ferrari-Symbolen zeigt es Helmmotive, die jeweils von fünf Sternen umgeben sind. Sie stehen für Schumachers fünf aufeinanderfolgende Weltmeisterschaften zwischen 2000 und 2004.


girard-perregaux.com

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